Skip navigation

Bei der High-Speed-Fotografie kommt es darauf an, im richtigen Moment die Kamera auszulösen. Wenn dabei Motive zerstört werden (z.B. eine Glühbirne oder ein berstender Ballon), oder das Studio versaut wird (durch Scherben oder Farbspritzer), kann das sehr viel Technik erfordern, da man unter Umständen nur wenige Versuche hat für das Foto. Dafür bieten beispielsweise Arduino Boards vielfältige Möglichkeiten, um Kamera oder Blitzgerät im richtigen Augenblick durch diverse Sensoren auszulösen (das Thema möchte  ich demnächst hier im Blog mal etwas vertiefen).

Wenn man beliebig viele Versuche hat lohnt sich der Aufwand dagegen meist nicht. Obst kann man schließlich beliebig oft ins Wasser schmeissen, und auch Wassertropfen (ein beliebtes Motiv in diesem Bereich) gehen einem in der Regel nicht so schnell aus. Wenn man keinen ohnehin tropfenden Wasserhahn im Haus hat, kann man Wassertropfen leicht mit einem einfachen Apparat erzeugen. Das hat gegenüber einem Assistenten mit einer Pipette auch den Vorteil dass die Frequenz der Tropfen relativ gleichmässig ist und man die Kamera daher leicht im richtigen Moment (bzw. im richtigen Rythmus) auslösen kann.

Der Tropfengenerator (Sprudelflaschen anderer Hersteller funktionieren genau so gut... ;))

Der Aufbau ist einfach und schnell erledigt: man braucht lediglich ein hohes Wassergefäß (eine Flasche ist gut), eine senkrechte Halterung, eine Wäscheklammer und einen dünnen Schlauch (z.B. Schrumpfschlauch). Außerdem braucht man noch eine Schüssel oder irgendein Gefäß, in das man hineintropfen möchte. Wenn man alles zusammengebaut hat kann man mit dem Schlauch das Wasser ansaugen und es kann losgetropft werden. Die Frequenz der Tropfen kann man durch variieren der Höhe des Schlauchendes leicht steuern. Ist der Ausgang zu hoch (über der Wasserfläche in der Flasche) hört das Tropfen ganz auf, wenn er zu niedrig ist fließt das Wasser in einem Strahl. Da die Wassermenge in der Flasche mit der Zeit abnimmt, werden die Abstände zwischen den Tropfen mit der Zeit länger. Für Serien von 20-30 Fotos kann man sich aber sehr gut auf den Rythmus einstellen.

Für das Fotografieren braucht man noch ein Objektiv das einen nah genug an die Wassertropfen heranlässt (für dieses Foto wurde das Nikkor 18-55 DX verwendet). Ein Blitzgerät ist außerdem praktisch um möglichst kurze Verschlusszeiten zu erreichen, aber nicht unbedingt von Nöten.

Watery Figurine

Viel Spaß beim Nachbasteln!

Alex

Advertisements

Die Dunkelkammer:

Nachdem ich in den Bereichen analoge Fotografie und eigene Negativentwicklung gute Fortschritte gemacht hatte, keimte in mir der Wunsch meine Bilder nicht nur aufzunehmen und die Negative selbst zu entwickeln, sondern in der Dunkelkammer auch selbst auszuarbeiten…zu meinem Glück gab es die Grundausrüstung noch im Keller der Familie, so hatte ich nicht viel Anschaffungskosten. Darüber hinaus bekommt man eine gute Grundausrüstung schon, das Internet macht’s möglich, ab € 60 – € 120.

 Was braucht man für den Anfang?…Lust und Ausdauer, ein paar Gerätschaften und Chemie. Ausdauer deshalb, weil die Bedingungen in einer Dunkelkammer nicht immer die tollsten sind. Warm, Essigduft etc. Man kann ja nicht mal eben ein Fenster aufmachen. Hat man sich jedoch daran gewöhnt und macht genügend Pausen (was man am Anfang echt schnell vergessen kann), dann macht die Arbeit im Rotlicht echt spaß.

Welche Geräte und Chemie braucht man?…Natürlich eine Kammer ohne Lichteinfall mit schwarzen Wänden. Ich habe ein altes Badezimmer im Keller meiner Eltern gewählt, bei dem ich alle möglichen Ritzen (Lüftungsgitter, Türschlösser etc.) mit schwarzem Klebeband verschlossen habe. Auf schwarze Wände habe ich dabei verzichtet, wer will schon ein schwarzes Badezimmer. Eine Heizung ist gut, aber nicht von Nöten. Dafür aber eine Steckdose sowie fließendes Wasser (warm und kalt). Wichtig ist, dass ihr Trocken- und  Nassbereich trennt.

Die Chemie:

Entwickler, Stoppbad, Fixierer und Wasser. Ich verwende wie bei der Negativentwicklung die Produkte von Tetenal.

Entwickler: Tetenal Eukobrom

Mischung: 1+9= (für einen Liter Lösung gerechnet) 100ml Entwickler+900ml Wasser (20°C).

Stoppbad mische ich selbst aus Wasser und Essigessenz an.

Mischung: 950mlWasser (20°C) +50ml 20% Essigessenz.

Fixierer: Tetenal Superfix

Mischung je nach Fixiergeschwindigkeit: 1+3- 1+9

= (für einen Liter Lösung gerechnet) bei 1+9 (Fixiergeschwindigkeit ca. 2-3 min) 100ml Fixierer+900ml Wasser (ihr ahnt es schon 20°C).

Wasser für die Schlusswässerung: (natürlich 20°C). Für die Schlusswässerung lasse ich mir einfache ein Waschbecken, oder die Badewanne ein, da man so das Wasser immer mal wieder problemlos und ohne viel Aufwand austauschen kann.

Die Geräte:

–          ein Vergrößerer mit Opallampe (Neuere haben auch Halogenlampen), Objektiv, Belichtungsuhr und Bildbühne. Wichtig ist ein einschwenkbarer Rotfilter. Einen guten Artikel zu dem Thema findet ihr hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Vergr%C3%B6%C3%9Ferungsger%C3%A4t#Schwarzwei.C3.9F-Vergr.C3.B6.C3.9Ferungen

–          Vier Entwicklungsschalen mit je einer Entwicklungszange.

–          Messbecher, Schalenthermometer, ein Trichter pro Schale in der sich    Chemie befindet.

–          Eine Lampenfassung mit einer roten Duka- Leuchte.

–          1 Bleistift, 1 Schere, Küchenrolle, 1 Wäscheleine, Wäscheklammern,  1 Mehrfachstecker, 2 Arbeitsflächen (Tischplatten oder ähnliches), ein Kanister für die Fotochemie, Handschuhe zum Ansetzen der Chemie.

–          Fotopapier: Ich verwende Tetenal Work PE- Papier und Ilford Barytpapier. Den Unterschied erkläre ich später genauer.

Die Geräte und die Entwicklungsschalen so aufbauen, dass ein Work- Flow entsteht. Ich bin Linkshänder und so komme ich am Besten mit dem Ablauf von links nach rechts klar. Ganz links das Papier, dann der Vergrößerer und anschließend auch die Schalen von links nach rechts aufgebaut. Muss jeder für sich selbst herausfinden.

Wie mache ich einen Positivabzug?…Erst einmal die Chemie ansetzen und die Schalen richtig aufstellen: Entwickler Stoppbad Fixierer Schlusswässerung.

Zwischen Vergrößerer und Steckdose muss die Belichtungsuhr geschaltet werden. Über diese Belichtungsuhr kann jetzt die Lampe des Vergößerers gesteuert werden.

Licht aus, Rotlicht an. Beachtet, dass es eine spezielle Dunkelkammerlampe sein muss deren Wellenlänge nicht mit dem empfindlichen Fotomaterial reagiert. Es kann durchaus sein, dass ihr ein Papier erwischt welches auch mit grün- gelbem Licht verarbeitet werden kann, der Vorteil ist, dass es wesentlich heller in der Dunkelkammer ist. Steht aber alles auf den Verpackungen der Papiere.

Über die Belichtungsuhr den Vergößerer anschalten und den Rotlichtfilter vor das Licht schwenken. Aus einem Blatt Fotopapier jetzt mehrere Streifen schneiden, die braucht man zur Ermittlung der Belichtung. Achtet darauf, dass ihr das Papier nur im Rotlicht öffnet, da beim kleinsten „echten“ Lichtstrahl das Papier sofort angegriffen wird.

In die Bildbühne jetzt das gewünschte Negativ einlegen und ausrichten. Auf der Rückseite eines Fotopapiers kann man jetzt die Größe des Negativs oder eines Ausschnitts einstellen. Anschließend die Schärfe einstellen.Das Einstellen ist bei Rotlicht nicht ganz so einfach, hierfür gibt es spezielle Lupen. Die kosten aber auch dementsprechend. Einfacher ist es meiner Meinung nach die Rückseite von einem Blatt Fotopapier zu nehmen und die Schärfe eben bei Vergrößererlicht ohne Rotfilter einzustellen und dann den Rotfilter wieder vorzuschwenken.

Jetzt einen der vorbereiteten Streifen nehmen und mit dem Bleistift in 4- 6 Felder aufteilen (nehmt dafür keinen Filzstift, da dieser sich in der Entwicklungschemie auswäscht).

Dazu ein Blatt dunkles Papier nehmen. An der Belichtungsuhr 2 Sek. einstellen. Licht des Vergößeres ausschalten, Rotfilter wegschwenken, erstes Feld mit 2 Sek. belichten, dabei mit dem Blatt Papier den Rest abdecken. Dann das erste und das zweite Feld mit 2 sek. belichten usw. bis der gesamte Streifen belichtet ist. Das erste Feld ist jetzt mit insgesamt 8 Sek. belichtet, das zweite mit 6 Sek., das dritte mit 4 Sek. usw. So ist auf dem Teststreifen ein breites Belichtungsspektrum.

Den Streifen in den Entwickler legen. Bei der Entwicklung darauf achten, dass die Wanne leicht gewiegt wird, damit ein mögliches Konzentrationsgefälle im Wasser umgangen wird…hin und her, hin und her…bis ihr das Motiv auf dem Streifen erkennen könnt. Ab ins Stoppbad, ca. 10 Mal hin und her wiegen. In den Fixierer für 3- 4 min. Schlusswässern…Fertig.

Auf dem Streifen erkennt ihr jetzt wie das Motiv mit verschiedenen Zeiten belichtet aussieht, oder ob ihr eventuell doch kürzer oder länger belichten müsst. Die 2 Sek. sind eine grobe Peilmarke von mir. Je heller das Negativ, desto dunkler das Bild. Also muss die Belichtungszeit entsprechend kurz sein. Bei dunklen Negativen ist dann natürlich das Gegenteil der Fall, lange Belichtung, damit das Licht gut durchscheinen kann.

Entwicklung eines zu dunklen Negativs...23 Minuten

Wenn ihr eine Belichtungszeit ermittelt habt, geht es ans Ausbelichten.

Als erstes den Rotfilter vorschwenken, Vergößererlicht an, Fotopapier auslegen, Zeit einstellen, Licht aus, Rotfilter wegschwenken, Bild belichten, Fotopapier entwickeln…Fertig.

Wenn der Negativfilm auf allen Bildern gleich belichtet wurde (also z.B. 36 Aufnahmen bei 100 ASA), muss man nicht unbedingt für jedes Positiv einen Belichtungstest machen. Sobald ein Film mit einer anderen ASA- Zahl entwickelt werden soll, oder ein besonderes Motiv auf dem Film ist, lohnt sich ein neuer Teststreifen.

Pause nicht vergessen

Am Ende der Dunkelkammerarbeit kann man noch einen Kontaktbogen erstellen. Dazu einfach die verwendeten Negative eines Films auf einen Bogen Fotopapier legen und belichten (so lange wie ihr auch die Negative belichtet habt), entwickeln…Fertig.

Noch ein kleiner Praxistipp: Alle Vergrößererobjektive haben Blendenringe mit denen ihr wie beim Fotografieren auch Belichtungszeit und Schärfentiefe des Positivs beeinflussen könnt, so können mitunter kleinere Unschärfen behoben werden.

Noch ein paar Worte zu Fotopapier und Entwicklung.

Barytpapier…enthält eine Schicht aus Bariumsulfat, welches das Papier vor einsinken der Entwicklungsemulsion in die tieferen Schichten schützen soll. Dabei hellt das Bariumsulfat das Papier aufgrund seiner Eigenschaften auch noch auf. Barytpapier ist ein recht edles Papier, da es sich durch besonders hohe Qualität mit reinem Weiß, tiefem Schwarz und guten Grauwerten auszeichnet. Ein weiterer Vorteil von Baryt ist die längere Haltbarkeit von bis zu 100 Jahren. Leider lässt sich Barytpapier nur sehr mühselig verarbeiten, denn das Papier saugt sich mit Chemie voll und muss danach lange und intensiv gewässert werden (ich leg es in die Badewanne), außerdem verzieht es sich beim trocknen, weshalb früher Barytpressen verwendet wurden.

PE- Papiere…sind mit einer Schicht Polyäthylen umgeben die verhindern soll, dass die Entwicklungsemulsion in das Papier eindringt. Die korrekte Bezeichnung lautet PE- RC Papier (RC= resin coated). So muss das Papier nur kurz gewässert werden, da die Chemie nicht tief in das Papier eindringen kann. Zudem lässt es sich schneller trocknen, da es nur relativ kurz mit Flüssigkeit in Berührung kommt.

Fotochemie…irgendwann ist auch mal die schönste Suppe kalt und schlecht, genauso ist es mit der Fotochemie. Achtet bei dem Umgang mit den angesetzten Lösungen darauf, dass sie nicht unter 20°C fallen da sich dadurch die Entwicklungszeiten extrem verändern. Des Weitern wird irgendwann die Chemie keine Wirkung mehr haben, dann ist der PH- Wert (Entwickler: 10- 11,5, Fixierer: 4,10 – 4,30) überschritten und das heißt, keine wirklich gute Entwicklung mehr. Abhilfe schaffen da PH- Wert- Teststreifen, mit denen man jederzeit messen kann. Mit einem Liter Entwicklersuppe komme ich bei konstant 20°C ungefähr auf 15-20 A4- Bilder. Die Teststreifen für das Fixierbad zeigen dazu noch den Silbergehalt im Fixierer an. Fixierbäder können nur eine begrenzte Menge an Silberkonzentration aufnehmen bis sie erschöpfen.

So das war es erst einmal, ich hoffe ihr könnt was damit anfangen.

 

Allseits gut Licht und viel Spaß beim Nachkochen.

 

 

Christian

 

Bildbearbeitungsprogramme wie Lightroom oder Aperture ermöglichen es, eigene Entwicklungsschritte als Presets zu speichern. Das ist beispielsweise sinnvoll, wenn man seinen eigenen Workflow entwickelt hat (etwa für die S/W-Konversion) und diesen immer wieder auf unterschiedliche Fotos anwenden möchte.

Bisher habe ich von dieser Funktion wenig Gebrauch gemacht. In erster Linie habe ich die immer größer werdende Sammlung von voreingestellten Presets dazu verwendet, um Inspiration zu bekommen für die Bearbeitung von Fotos. Durch einfaches Durchklicken der im System vorhandenen Presets bekommt man finde ich eine gute Vorstellung davon, wie unterschiedlich sich Fotos bearbeiten lassen, und wie sich die Möglichkeiten (SW mit mehr oder weniger Kontrast, übersättigte oder ausgeblichene Farben, etc.) auf die Stimmung eines Fotos auswirken. Man kann so leicht in neue Stile hineinschnuppern, und sich Anregungen holen für die vielfältigen Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung. Ist der erste Schritt so erstmal gemacht, lassen sich dann leicht durch Anpassen der Parameter auch eigene Akzente setzen.

Presets in Lightroom (mit Vorschau)

Da mir in letzter Zeit die voreingestellten Presets etwas zu langweilig geworden sind, habe ich mich mal im Web umgesehen nach neuen Möglichkeiten. Dabei bin ich schnell auf einige Seiten gestoßen, die nutzergenerierte Presets anbieten, wie z.B. die Seite http://presetpond.com/. Dort kann man Presets für unterschiedliche Fotobearbeitungsprogramme durchstöbern, sich Vorher-Nachher Vorschaubilder ansehen und die Dateien mit den entsprechenden Einstellungen herunterladen. Man kann Presets auch bewerten und kommentieren, sowie eigene Presets hochladen um diese mit anderen zu teilen.

Leider ist der Import und Export von Presets zumindest bei Lightroom noch relativ aufwändig, da man die entsprechenden Dateien händisch an die richtige Stelle im Dateisystem kopieren muss (auf dem Mac beispielsweise in den Ordner /Library/Application Support/Adobe/Lightroom/Develop Presets). Hier besteht aus meiner Sicht noch erhebliches Verbessungspotential auf Seiten der Software, um das Weitergeben und Importieren von Presets zu erleichtern.

Wenn man aber auf der Suche nach neuen Inspirationen ist, lohnt sich die Mühe durchaus. Insbesondere wenn man wie ich eine ganze Reihe von teilweise älteren Aufnahmen auf der Festplatte hat, mit denen man bisher nicht so recht etwas anfangen konnte, da die eigenen Versuche der Bearbeitung immer in Sackgassen geführt haben (einige Resultate die auf dieser Grundlage entstanden sind lassen sich hier, hier und hier bewundern). Zudem kann man auch viel über die Möglichkeiten der Fotobearbeitung lernen, indem man nachvollzieht an welchen Stellschrauben die Presets drehen um zum gewünschten Resultat zu gelangen.

Viel Spass beim Ausprobieren!

Wie schon in einem älteren Artikel erwähnt, ist die Pinhole Box die zum letzten World Pinhole Day zum Einsatz kam, alles andere als unschlagbar. Dennoch finde ich die Idee für den Umbau noch immer interessant und möchte daher eine kurze Bauanleitung veröffentlichen.
Grundlage für die Modifikation war eine etwa 60 Jahre alte AGFA Box 600 Kamera. Vermutlich funktioniert diese Anleitung aber für verschiedene AGFA Modelle vielleicht auch für einige Boxen anderer Hersteller.
Fertige Pinhole Box mit geöffnetem Verschluss.

Fertige Pinhole Box mit geöffnetem Verschluss.

Ab den 1930ern bis etwa 1960 entwickelten verschiedene Hersteller Box Kameras. Die AGFAs waren eher günstige Modelle, die in großen Stückzahlen produziert wurden. Es sind immer noch relativ viele in funktionsfähigem Zustand erhalten, was wahrscheinlich auch an ihrer einfachen Bauweise liegt. Die AGFA hat durch diese einfache Bauweise eine Art „Macke“, die bei diesem Projekt gerade von Vorteil sein könnte: Der Filmkasten muss, wie auf unten stehendem Bild zu sehen, zum Filmwechsel komplett herausgenommen werden.

AGFA Box 600 mit Filmkasten

Bei der AGFA Box 600 ist auch die Linse (also das Objektiv) selbst in diesem Filmkasten angebracht. Entnimmt man den Filmkasten dem Gehäuse, kann man also recht problemlos an dem „Objektiv“ arbeiten, ohne das fragile Gehäuse der Kamera zu beschädigen. Die Linse sitzt in dem Zylinder und wird von einem Unterlegring und einem Sicherungsring fest gehalten. Mit einer Spitzzange oder einem Messer kann man nun den Sicherungsring an einem Ende fassen und vorsichtig aus der Kamera ziehen. Anschliessend werden der Unterlegring und die Linse vorsichtig von innen aus dem Filmkasten heraus gedrückt. Voilá, Platz für unser neues Objektiv. Der Zylinder in dem sich die Bauteile befinden hat mehrere Vertiefungen, die dem Sicherungsring halt geben. alle Bauteile müssen an diesen Vertiefungen vorbei, was evtl. nicht ganz einfach ist ohne die Linse zu beschädigen.

Ausgebaute Linse, Unterlegring, Sicherungsring

Jetzt wird natürlich ein Pinhole benötigt, das genau den Platz der alten Linse einnimmt. Alufolie bietet sich für Pinholes an. Allerdings benötigt man dann noch einen Träger, der in etwa so groß wie die alte Linse ist. Die dänische Krone (die Münze) passt ziemlich gut an den vorgesehenen Platz und hat sogar schon ein Loch in der Mitte, dass beim zentrieren des Pinholes hilft, daher habe ich mich für die Münze entschieden. Es sollten aber auch Unterlegscheiben oder Ähnliches verwendbar sein. Als nächstes wird das Pinhole und der Träger vorbereitet:

  1. Laut Pinholedesigner muss das Loch 0,44mm sein, damit es zur Brennweite der Box passt. Dazu nehmen wir ein Stück Alufolie und schneiden ein Rundes Stück aus, dass an allen Seiten 5-10mm über das Geldstück übersteht. Einigermassen in der Mitte muss jetzt das Pinhole (0,44mm) angebracht werden.
  2. Die Münze musste außen mit einer handelsüblichen Metallfeile noch etwas kleiner gefeilt werden. Nach einer Weile feilen passte sie perfekt in den Filmkasten. Einfach immer schön rund feilen und ab und zu mal probieren ob sie schon leicht in den Filmkasten passt.
  3. Wenn die Münze passt und die Alufolie fertig sind, legt man die Folie auf den Tisch. Anschliessend wird die Münze daraufgelegt und das Pinhole genau in der Mitte des Münzlochs zentriert. Dann die Alufolie vorsichtig um den Rand der Münze umschlagen. Das wird nun an allen Seiten wiederholt, bis die Folie die Münze am Rand überall umschliesst, so dass die Folie die Münze festhält und nicht mehr verrutschen kann.
Bauteile von links nach rechts: Sprengring, Unterlegring, abgefeilte dänische Krone mit Alufolie und Pinhole, zwei originale dänische Kronen.

Bauteile von links nach rechts: Sprengring, Unterlegring, abgefeilte dänische Krone mit Alufolie und Pinhole, zwei originale dänische Kronen.

Die Pinhole Konstruktion wird jetzt in den Filmkasten eingesetzt. Dann werden Unterlegring und Sprengring vorsichtig wieder angebracht. Die Münze sollte jetzt halbwegs fest im Filmkasten sitzen und nicht mehr herausfallen können. Um Reflektionen in der Kamera durch die Alufolie zu verhindern, sollte die Alufolie mit Hilfe einer rußenden Kerze geschwärzt werden. Leider konnte ich keine auftreiben die stark genug gerußt hat.

Filmkasten mit Pinhole-Krone, Unterlegscheibe und Sprengring.

Filmkasten mit Pinhole-Krone, Unterlegscheibe und Sprengring.

Jetzt kann genau wie im Originalzustand der Film am Fimkasten angebracht werden, anschließend kommt dieser dann wieder in das Gehäuse und dann kann es los gehen. Für die Berechnung der Belichtungszeiten empfiehlt es sich im Pinholedesigner nachzusehen. Diese Version kommt auf eine Blende von f222. Mit Pinholedesigner kann jetzt eine Tabelle mit Belichtungszeiten erzeugt werden. Dabei misst man mit einem Belichtungsmesser oder einer Kamera mit f22, sucht den gemessenen Wert in der Tabelle und kann in der Spalte daneben dann den Wert für f222 ablesen. Für verschiedene Filme gibt es im Pinholedesigner noch eine korrigierte Version der Tabelle.

Ergebnisse, die mit dem Aufbau erzielt wurden sind hier zu sehen.

Irgendwann möchte jeder von uns seine Ausrüstung erweitern und steht irgendwann vor der Frage:“Welches Objektiv wäre eine sinvolle Ergänzung“ , gerade bei Zoom- und Weitwinkelobjektiven ist das ja auch eine Preisfrage.

Hier kommen M42 Objektive ins Spiel. Das M42 Format stammt aus der Zeit als die Kamerahersteller ihre Kunden noch nicht durch einen speziellen Bajonettanschluss binden wollten. Der Markt war voll von Objektiven, die man mehr oder weniger beliebig an seiner Kamera verwenden konnte. In den 70ern verschwanden viele der Objektive in Schränken und auf Dachböden, da sie an den speziellen Bajonettanschlüßen nun nicht mehr zu gebrauchen waren…außer in der ehemaligen DDR und im Rest des Ostblocks. Hier wurden M42er noch bis weit in die 80er produziert. Aus Russland kommen noch heute recht gute M42er Objektive.

Wo liegt der Vorteil…Von M42ern gibt es heute eine Menge Objektive die sehr Lichtstark, hochwertig verarbeitet und mit einer robusten Arbeitsblende ausgestattet sind. Gerade Objektive aus der ehemaligen DDR und der UDSSR sind hier nicht zu verachten (z.B. Carl Zeiss Jena, Pentacon, Jupiter, Industar, Heliios, Biotar…). Und als Hauptargument…sie sind günstig zu erstehen.

Als mir vor einiger Zeit einige M42 Objektive in die Hände fielen, dachte ich sofort darüber nach, sie zu nutzen, aber mein Nikonbajonett is ja nunmal kein M42 Schraubanschluss. Also brauchte ich eine Alternative, aber extra eine M42 Kamera ersteigern kam für mich nicht in Frage. Also nahm ich den Brennerkatalog zur Hand und blätterte mich durch die Seiten mit den Adaptern…Ich entschied mich letztendlich für einen M42 Adapter der Firma Leinox mit Ausgleichslinse. Bei den Adaptern gibt es ein paar Dinge zu beachten. Deswegen möchte ich hier eine kleine Orientierung geben worauf es ankommt.

Im Grunde gibt es 2 verschiedene Versionen des Objektivadapters.

Die Eine ist ein einfacher Metalladapter…Vorteil: schon ab 11€ erhältlich, Nachteil: keine Unendlichkeitseinstellung.

Die zweite Version ist ein höherwertiger Metalladapter. Dieser hat zusätzlich eine Ausgleichslinse die eine Einstellung auf Unendlich zulässt. Fotografen mit Nikonkameras müssen diesen Adapter sowieso nehmen, da bei Nikon die Film/ Sensorebene weiter hinten ist als bei M42- Kameras. Diese Differenz wird durch die Linse ausgeglichen. Der Adapter kostet rund 25€ und ist im Internet oder bei Foto Brenner zu haben.

M42- Adapter im Einsatz

Das Prinzip ist erschreckend einfach:

Am einfachsten ist es, das M42- Objektiv zuerst in den Adapter zu schrauben und das Ganze nicht mehr als Handfest anzuziehen. Danach wird die Kombi wie ein normales Objektiv angesetzt (hier roter auf weißer Punkt). Wichtig ist, dass der Adapterring richtig einrastet (bei Nikon: deutliches Klicken des Arretierungsstifts am Bajonettanschluß).

Im folgenden noch ein paar Worte zur Handhabung. Leider ist es so, dass man alle Einstellungen von Hand machen muss. Keine Kameraprogramme, keine Automatik, kein Autofokus…Der Adapter gestattet nur manuelle Einstellung und Fokussierung…Da ich überwiegend so arbeite, war es für mich keine große Umstellung und die Funktion der Arbeitsblende hilft einem sehr gut bei Bildkompositionen. Überrascht war ich auch als ich mit den Objektiven ein Bild im Live View Modus hatte. Mit meinen Nikkor Objektiven ging das bisher nicht.

Ach ja… hier sind noch Probeaufnahmen die ich mit zwei M42 Objektiven gemacht habe.

Aufgenommen mit einem Soligor 1:2,8 / f= 28mm

Aufgenommen mit einem M-Travenar 1:2,8/ f = 50mm Macro1:1

Da dieses Objektiv schon sehr alt ist und lange Zeit in einem Schrank zugebracht hat ist es leider sehr verstaubt…

Fazit:

M42er Objektive sind kostengünstige Alternativen von hoher Qualität (altersbedingte Mängel können natürlich wie bei allen mechanischen Geräten vorkommen), die an allen digitalen- sowie analogen Spiegelreflexkameras mit einem entsprechenden Adapter funktioniern und gute Ergebnisse liefern.

Bis dahin,

Gut Licht…

Christian

Tja, eines kann ich schon vorweg nehmen: Die umgebaute pinhole Box ist alles andere als unschlagbar geworden. Irgendwelche Teile der Box sind im Weg und erzeugen auf dem Bild die fieseste Vignette, die die Menschheit je sah. Die Sucher der Box sind – obwohl nicht modifiziert – auch der letzte Schrott. Und zu allem Überfluss schneidet der Scanner, der mir gerade zur Verfügung steht an den Seiten noch ein paar Millimeter ab *grml*.

Einige der Bilder sind trotzdem ganz schön geworden und durch die riesige Negativ-Fläche (6cm x 9cm) sogar auch einigermaßen scharf.

Dillenburgs landmark and symbol through a pinhole camera

Dillenburgs landmark and symbol through a pinhole camera.

Das obenstehende Bild habe ich dann am Ende auch auf pinholeday.org eingereicht. Es sollte irgendwann unter diesem Link erreichbar sein: http://www.pinholeday.org/gallery/2011/index.php?id=3151

World Pinhole Day 2011 - Amtsgericht, Weilburg

World Pinhole Day 2011 - Amtsgericht, Weilburg.

World Pinhole Day 2011 - Villa Grün, Dillenburg

World Pinhole Day 2011 - Villa Grün, Dillenburg.

Kommenden Sonntag ist es wieder mal so weit: Pinhole Day! Also wird es Zeit, die Lochkameras herauszukramen und auf Vordermann zu bringen.

Während Snady dieses Jahr wohl seine unschlagbare, zur Lochkamera umgebaute AFGA Box (Mittelformatfilm 6×9) ins Rennen bringen wird, habe ich mein 275mm Chipsdosen-Tele mit schwarzer Pappe ausgekleidet, um endlich die störenden Lichtschleier wegzubekommen. Das werde ich dann wohl am Sonntag auf die D200 kleben und mal sehen, was ich damit zu Stande bekomme.

Ergebnisse gibt es dann demnächst auf diesem Blog zu sehen. Denn ausprobiert wird natürlich erst am Sonntag, ist ja Ehrensache … 😉

UPDATE:

Tja, Satz mit X: das war wohl nix. Irgendwie habe ich letzten Sonntag nichts besonderes hinbekommen. Tele-Lochkamera ist wohl doch eher nichts für mich, da war ich letztes Jahr mit der 45mm-„Brennweite“ produktiver. Vielleicht hatte ich auch einfach einen unkreativen Tag.

Die Resultate aus dem Chipsdosenobjektiv waren insgesamt auch technisch eher enttäuschend. Zwar zeigen sich keine störenden Schleier mehr, aber dafür sind sowohl Kontrast als auch Schärfe (Stichwort: Lochgröße, Lochqualität) der Aufnahmen wenig berauschend.

Das hier gefällt mir noch am besten (Kontrast wurde kräftig erhöht). Passt immerhin auch zur Jahreszeit. 🙂

Ostereier

Frohe Ostern (nachträglich)!

Seit einigen Jahren sortieren die Hersteller ihre Spiegelreflex Kameras in „Crop“ und „Vollformat“ Kameras. Vollformat steht dabei für Kameras mit Sensoren, deren Größe dem alten Kleinbild Film entsprechen (oder eben tatsächlich Kleinbild Film verwenden). Crop Sensoren (englisch für Ausschnitt) sind etwas kleiner. Bei Nikon sind die beiden Serien (Crop und Vollformat) jeweils an einem Kürzel erkennbar. Mit DX gekennzeichnete Kameras besitzen einen Crop Sensor, während mit FX gekennzeichnete Kameras entweder Kleinbild Film verwenden oder einen Vollformat Sensor besitzen. Bei Objektiven verhält es sich genauso, DX Objektive sind für Crop Kameras geeignet, FX Objektive für Vollformat Kameras.

Durch das verwenden der kleineren Crop Sensoren können die Hersteller nun günstige Objektive herstellen, die eben für Crop Sensoren optimiert wurden. Wehrmutstropfen bei der Geschichte: Es ist von vornherein klar, dass für Crop Sensoren optimierte Objektive nicht ordentlich an Vollformat Kameras funktionieren können, da die Linsen ja nur einen kleineren Bereich ordentlich abdecken.

Nikon F80 mit Objektiven

Links: Nikkor 18-105mm VR DX, mitte: Nikon F80, rechts: Nikkor 35mm FX

Bisher war mir dies alles ziemlich egal. Meine Nikon D80 ist eine DX/Crop Kamera, für die ein riesiges Objektivangebot existiert. Und besser noch: FX/Vollformat Objektive funktionieren wunderbar an einer DX Kamera (nur anders herum ist es problematisch!). Da digitale Vollformat Kameras recht teuer und ungefähr so schwer wie mein Auto sind, kam ich auch gar nicht in Versuchung mir eine solche anzuschaffen. Dann kam was kommen musste. Ich kam günstig an eine Nikon F80. Eine der letzten Nikon Filmkameras – also FX. Schon vor dem Kauf war klar, dass meine Festbrennweiten (35mm f2 und 50mm f1.4) geeignet sind, mein allround-Objektiv aber, das 18-105mm DX, daran gar nicht funktionieren kann. Aber es geht ja nichts über eine gesunde Portion Neugier. Nach einigen Tests mit den Festbrennweiten wurde also das 18-105mm Objektiv montiert. Zuerst einmal muss man sagen: Es passt. Die Kamera misst damit ordentlich die Belichtung, löst aus ohne irgendwas zu zerstören und sogar das VR funktioniert ganz wunderbar. Die Probleme wurden aber auch schnell klar: die Innenwände des Objektivs sind im Sucher sichtbar. Die sind dann natürlich auch auf den fertigen Fotos. Gerade in den kleinen Brennweiten (18-24mm) ist das Objektiv selbst sehr stark als eine Art extreme Vignette zu sehen. Darüber werden die Ergebnisse immer besser. Hier einige Beispiele

Alternative Energien, Nikon F80, 18-105mm DX VR eingestellt auf 18mm. Das Objektiv verdeckt extrem viel des Bildes.

Alternative Energien, Nikon F80, 18-105mm DX VR eingestellt auf 18mm. Das Objektiv verdeckt extrem viel des Bildes.

Alternative Energien, Nikon F80, 18-105mm DX VR eingestellt auf 18mm. Das Objektiv verdeckt extrem viel des Bildes.

Alternative Energien II, Nikon F80, 18-105mm DX VR eingestellt auf 24mm. Bei der Einstellung entsteht eine extrem dunkle, harte Vignette. Sieht aber schon besser als bei 18mm aus.

Fazit: Mindestens das 18-105mm DX Objektiv, vermutlich aber noch viele andere DX Objektive passen an die alten Film Nikons. Aufgrund der Optimierung für kleine Sensoren, ist das Objektiv selbst in kleinen Brennweiten mit auf dem Bild, was man aber mit etwas Übung auch kreativ nutzen kann.

Siegen bei Nacht, Nikon F80, 18-105mm DX VR eingestellt auf 50mm, ca. 10s belichtet. Im Randbereich ist die Vignette erkennbar. Bei 50mm ist sie allerdings kleiner als bei 24mm. Durch die Nachtaufnahme erkennt man sie auf den ersten Blick nur schwer.

Siegen bei Nacht, Nikon F80, 18-105mm DX VR eingestellt auf 50mm, ca. 10s belichtet. Im Randbereich ist die Vignette erkennbar. Bei 50mm ist sie noch kleiner als bei 24mm. Durch die Nachtaufnahme muss man aber auch schon wissen, wonach man sucht.

Nikon FA mit 18-135mm DX

Hier noch eine andere Kombination. Eine Nikon FA mit dem 18-135mm DX Objektiv.

Handys sind ja sozusagen die Billig-Kameras von heute. Die Optiken sind in der Regel eher schlecht, und die Chips ziemlich klein – jedenfalls im Vergleich zu aktuellen Digitalkameras, von DSLRs ganz zu schweigen. Was bei Tageslicht dank softwareseitiger Optimierug zu ganz passablen Ergebnissen führen kann, wird bei wenig Licht schnell zum Drahtseilakt. Auf der anderen Seite haben Handykameras auch Vorteile: erstens hat man hat sie in der Regel immer dabei (im Gegensatz zu einem Klumpen von DSLR), und zweitens man kann zusätzliche Software installieren, die die aufgenommenen Fotos direkt weiterverarbeitet. Ich habe in letzter Zeit ein wenig mit solcher Software auf meinem Android Telefon experimentiert.

Die Universität Bonn im Retro-Look

Gerade im Bereich der Retrofotografie gibt es eine ganze Reihe von „Äpps“, die Aufnahmen von Retrokameras abzubilden versuchen, etwa die kostenlose Software FxCamera. Bereits vor der Aufnahme kann man sich für verschiedene Effekte entscheiden: z.B. Polaroid, Fischauge, oder Spielzeugkamera. Andere Werkzeuge wie Camera ZOOM FX bieten sogar noch viel mehr Effekte. Die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen. Schließlich sind es gerade ausgeblichene Farben, Unschärfe, Lichtspuren auf dem Film und Vignettierung, die den Charme von Retroaufnahmen ausmachen; und das meiste davon bekommt man mit Handykameras und entsprechender Software locker nachgebildet.

Der Vorteil der oben genannten Software ist dabei eigentlich nur, dass sie die Nachbearbeitung automatisieren. Grundsätzlich könnte man das alles auch hinterher am Rechner machen – die Werkzeuge sparen also in erster Linie dem Fotografen etwas Arbeit und ermöglichen es, aufgehübschte Fotos direkt von Telefon per Email zu verschicken oder auf sein Blog zu stellen. Es gibt aber auch Software, die darüber hinaus auch das Flair von Retrokameras nachbilden will, was ich ausgesprochen spannend finde. Insbesondere die Software Retro Camera hat es mir angetan, da sie einerseits kostenlos (d.h. werbefinanziert) ist, und andererseits sehr liebevoll umgesetzt wurde.

Das Auswahlfeld

Retro Camera simuliert eine Reihe von (vermutlich erfundenen) Retrokameras: die „Bärbl“, die „Little Orange Box“, die „Xolaroid 2000“, eine „Pinhole Camera, sowie die „FudgeCan“. Alle Kameras wenden individuelle Effekte auf die Aufnahmen an, die sich an bekannten Kameramodellen wie Holga und Lomo orientieren. Dabei ist mir nicht so wichtig, in wie weit hier historische Vorbilder akkurat abgebildet werden, und ob die (sehr ansehnlichen) Ergebnisse wirklich vergleichbar sind. Viel spannender finde ich, dass die Nutzerinterfaces der Kameras sehr liebevoll dargestellt werden, und im Gegensatz zu anderen Kameraprogrammen den Großteil des Bildschirms einnehmen. Das kostet zwar Platz, so dass nur ein sehr kleines Sucherfeld übrigbleibt, trägt aber enorm zu dem Retro-Feeling bei, dass sich mir bei der Nutzung der Software einstellt.

Das Nutzerinterface

Außerdem gibt es noch ein weiteres Feature, das ich interessant finde: fertige Aufnahmen werden nicht direkt angezeigt, sondern sind erst zeitverzögert über ein Untermenü zugänglich, der so genannten Dunkelkammer. Die Ergebnisse anzusehen, ist also mit etwas Wartezeit verbunden. Nicht ganz so sehr, wie bei einer richtigen, analogen Filmkamera, aber es ist immerhin so viel Aufwand, dass man in der Praxis nur sehr unregelmäßig hineinschaut. Eigentlich handelt es sich dabei um ein Anti-Feature, da so ein Vorteil digitaler Fotografie – extrem schnelle Ergebnisse – zumindest teilweise ausgeschaltet wird. Dadurch fühlte sich die Retro Camera beim Ausprobieren etwas an wie eine Mischung aus Digital- und Analogfotografie, jedenfalls was die Handhabung der Kamera betrifft. Der einzige Wermutstropfen ist die eingeblendete Werbung; diese lässt sich aber durch Erwerb der kostenpflichtigen Variante ausschalten.

Auch wenn das Gefühl, mit einer „echten“ Spielzeugkamera zu fotografieren, natürlich immer noch etwas ganz anderes ist, finde ich solche Werkzeuge sehr spannend als kleine Spielerei zwischendurch, oder auch als Experiment für eine Fotoserie. Jetzt warte ich auf eine Äpp, die eine Boxkamera möglichst akkurat abbildet: mit fester Verschlusszeit, manuellem Filmtransport und Brilliantsucher-Simulation. Das müsste doch zu machen sein? 🙂

 

 

Ein kleines Rezept

Man nehme:

1 Entwicklungsdose mit zwei Selbstladespulen (ich verwende einen AP- Tank, günstig und gut)

1 lichtdichte Dose (ich benutze einen alten JOBO- Tank)

1 Eimer oder großen Topf für ca. 5Liter Wasser mit einem Messbecher zum Wasser schöpfen

1 Laborthermometer

1 Waschbecken und eine Chemikalienfeste Unterlage

2 Chemikalienflaschen (gibt es auch im Reformhaus als Apothekerflaschen),
2 Messbecher und 2 Trichter aus dem Kaufhaus (die Messbecher sollten eine Millilitereinteilung und bis zu 500 ml Fassungsvermögen haben)

2 große Joghurtbecher für die Wässerungen

1 Paar Gummihandschuhe oder Einmalhandschuhe

3 Wäscheklammern pro Film mit einem kleinen Gewicht, eine Schere, ein Stift, ein Blatt Papier.

Schließlich kommen noch der Entwickler, Fixierer, 20°C warmes Wasser und ein seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr kleiner Tropfen Spülmittel dazu.

Gesamtkosten ca. € 80

Schritt 1: totale Dunkelheit

Ideal sind fensterlose Kammern. Ich habe am Anfang die Tür meiner Abstellkammer mit einer dunklen Decke abgehangen. Sehr gut geeignet ist natürlich ein Wechselsack.

Stellt euch im Hellen alles so hin, dass ihr im Dunklen nicht lange suchen müsst. Und spielt den Ablauf einmal trocken durch.

Dann LICHT AUS!!!!

Die Filmdose ganz aufbiegen, damit der Film beim rausziehen nicht verkratzt.

Ein kleiner Tipp: Ich belichte auf meinen Filmen die ersten 4 Bilder immer als „Opferbilder“. Diese 4 Bilder schneide ich ab und lade sie in die erste Spule, um eine Probeentwicklung damit zu machen. Spule in die Entwicklungsdose, Dose zu und fertig.
Den eigentlichen Film in die 2. Spule laden und ab damit in die lichtdichte Dose.

Jetzt könnt ihr das Licht wieder anmachen.

Wenn ich nicht sofort entwickle, dann mach ich zur Erinnerung ein Post- it mit dem Filmtypen und dem Datum an die Dose.

Schritt 2: Chemie

Dazu:

Das große Gefäß mit Wasser füllen. Das Wasser sollte so 20°C- 22°C haben, da es sich im Laufe der Entwicklung abkühlen kann (ich messe so alle 10 min mit dem Laborthermometer nach).

Wichtiges für den Umgang mit den Chemikalien:

Entwickler und Fixierer dürfen NICHT zusammen kommen.
Ich verwende für Fixierer und Entwickler getrennte Messbecher und Trichter, damit die Chemikalien nicht zusammen kommen können.

Handschuhe tragen!!!

Vergossene Chemikalien mit reichlich Wasser abwischen.

Die Mengenangaben für die Entwicklung lassen sich aus den Mischverhältnissen und der Größe des Entwicklungstanks ableiten.

Ein Beispiel:
Mein AP- Tank benötigt für einen 135er film 375 ml Arbeitslösung.

Tetenal Ultrafin liquid im Verhältnis 1+10= 11 Anteile

Menge des Entwicklers:
375 ml : 11 Anteile= 34 ml

Menge des Wassers:
375 ml- 34 ml Entwickler= 341 ml

Der Fixierer wird genauso berechnet.


Wie irgendwann im Chemieunterricht mal gelernt, wird nun erst das Wasser und dann die Chemie in die Chemieflaschen gefüllt.
Nicht schütteln, da sich sonst Schaum bildet der sich auf dem Film ablegen kann.

Schritt 3: Die Entwicklung der Probebilder

Tipp: Für die meisten Filme bekommt man die Entwicklungszeiten im Internet.

Uhr stellen (ideal ist ein Handy mit Countdownfunktion).

Entwickler in den Tank füllen, Countdown starten, Deckel drauf und konstant 60 Sekunden lang kippen, damit der gesamte Film mit Entwickler benetzt wird. Eine Kippbewegung (180°) sollte gleichmäßig und langsam (ca. 2 Sekunden) durchgeführt werden.
Nach Ablauf der 60 Sek die Dose einmal etwas fester aufsetzen (aufdotzen), damit sich eventuelle Bläschen vom Film lösen.

Immer um 180° und schöööön gelichmäßig

Soweit der Film nicht während der gesamten Entwicklungszeit durchgängig gekippt werden muss, sollte man die Standzeit beachten. Die gängigsten sind 60 Sek, 30 Sek, 3 Sek, das heißt, dass die Dose z.B. alle 60, 30 oder 3 Sek gekippt werden muss.

Entwicklungsablauf: 2- mal kippen, aufdotzen Stehen lassen; 2- mal kippen, aufdotzen Stehen lassen; 2- mal kippen, aufdotzen…

Nach Beendigung der Entwicklungszeit den Entwickler aus der Dose zurück in die Chemieflasche kippen (den brauchen wir noch). Lasst die Dose so 10 Sek. lang auslaufen.

Zwischenwässern:
Mit dem Joghurtbecher frisches Wasser aus dem 20° C- Topf in die Entwicklungsdose füllen und 5-mal Kippen, auch so 10 Sek. auslaufen lassen.
Das ganze 3-mal wiederholen.

Fixieren:
Fixierer einfüllen und 60 Sek. lang kippen und „aufdotzen“.
Anschließend alle 60 Sek kippen und aufdotzen. Fixierzeit ist so 3- 4 Min.

Nach der Fixierzeit den Fixierer in einer Chemieflasche auffangen (den brauchen wir auch noch).

Abschlusswässerung:
Mit dem Joghurtbecher Wasser einfüllen und nach folgendem Rhythmus wässern.

Wasser einfüllen 3- mal kippen ausgießen
Wasser einfüllen 6- mal kippen ausgießen
Wasser einfüllen 12- mal kippen ausgießen
Wasser einfüllen 24- mal kippen ausgießen

Schritt 4: Hauptentwicklung

Den Probestreifen kontrollieren, erst dann den Hauptfilm entwickeln.
Experimentiert einfach mit den Zeiten etwas rum. Längere Entwicklungszeit erhöht zum Beispiel die Kontraste.

Den Hauptfilm wieder in absoluter Dunkelheit in die Entwicklungsdose einlegen und wie oben beschrieben entwickeln.
Nach der letzten Wässerung muss der Film mit Netzmittel behandelt werden, damit es keine Wasserflecken gibt.

Als Netzmittel verwende ich Spüli, dafür fülle ich eine Ladung Wasser und einen seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr kleinen Tropfen Spülmittel in die Dose. Das ganze lasse ich 1 Minute stehen.

Jetzt kann der Film raus und wird mit Wäscheklammern aufgehängt. Als Gewicht häng ich ein 2Euro- Stück mit dran. Idealer Ort ist das Badezimmer.

Sollte der Film nach dem Trocknen noch Wasserflecken haben, kann er noch einmal in 20°C warmen Wasser und wieder mit einem seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr kleinen Tropfen Spülmittel gebadet werden.

Ich dokumentiere meine Ergebnisse, um daraus ähnliche Entwicklungen abzuleiten. Zusammen mit den „Opferbildern“ kommt man relativ schnell auf gute Negative.

Als nächstes geht es in die Dunkelkammer…

Ah, eins noch. Die Chemikalien sollten nicht unbedingt ins Klo gekippt werden, besser ist ein Kanister, den man zur Entsorgung bringen kann.

Viel Spaß beim Nachkochen