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„Ich hasse Fotografie…Ich hasse was sie mit mir macht“.

Image-1So war das vor einiger Zeit, ich war hobbytechnisch ausgebrannt. Ich hatte den Bagger echt voll von: goldener Schnitt, Lichtsetzung nach Rembrandt, Zonensystem, Fotoprojekte, Technik und all dem Schnick Schnack. Mal im ernst who the fXXX is Rembrandt. Ich hatte so Gedanken wie „16 Schweine beseitigen eine Leiche von 200 Pfund in etwa 8 Minuten? Wie lang brauchen die wohl für meine Fotoausrüstung“. Also lies ich alles liegen und betrachtete meine Kamera eher mit den Augen eines Ex-Freundes der seine Verflossene mit nem neuen Typen wieder sieht. Wenn ich Ihr gestattete mich zu begleiten, dann waren das eher lustlose Aktionen ohne jeglichen Output.

Dann keimten die Fragen in mir hoch…

Mal im Ernst, wir Menschen brauchen Fortschritt und Entwicklung, ich z.B. stehe auf das was Mobiltelefone heute können und probiere mit Begeisterung Apps aus. Wir schauen uns andauernd nach neuen HDirgendwas Fernsehern, schnelleren Computern, sparsameren Autos, 4k Gedöns um…Alles Entwickelt sich. Aber die Fotografie bleibt in ihren Gestaltungsprinzipien ein konservatives, angestaubtes Ungetüm im Sinne der großen Meister. Klar, Grundlagen sind wichtig…Das meine ich auch nicht. Ich empfehle jedem der mich fragt, was für eine DSRL er sich holen soll, erst mal ne analoge Kamera in die Hand zu nehmen um ein Gefühl für Fotografie zu bekommen. Nein, ich empfand es eher als Ballast auf meine fotografische Ausrichtung zu achten und bei jedem Bild gestalterisch zu überlegen ob DAS jetzt alles so richtig ist. Zudem erdrückte mich der ganze Technikfirlefanz und die Suche nach dem Besonderen. Vielleicht ist die Lomographie eine Alternative? Aber mich nervt die Präsentation von JEDEM „Griff ins Klo“ den ich fotografiere. Also weg damit. Experimentelle Fotografie? Was soll das sein?fotografie ist doch immer ein Experiment…Alles war falsch…Die jungen Wilden? Die wilde Seite der Fotografie?…Alles BlaBla. Ich wollte nicht zu einem Phantom hinter einer Kamera verkommen, dass ein Bild macht um des Bildes willen, um es dann jedem aufs Auge zu kleben. Einhorndenken ist nicht so meins.

Zahltag…

Ich musste mich irgendwie digital und hobbyistisch reinigen. ALLES flog raus, verschenkt…Weg damit, Leck mich. Alles bis auf meine FE2, die ich wirklich liebe. Flickr? raus…Facebook? raus…Ich setzte mich an meinen Rechner und löschte alles so zusammen, dass ich jetzt nur noch 200 Bilder besitze. Negativtaschen gingen in den Besitz der örtlichen Müllentsorgung über. Das Reinigen ging soweit, dass ich alte Kassetten wieder aus den Tiefen meiner Schubladen kramte und alte Songs hörte…Ich hatte vergessen was „The Cult“ für ne geile Band sind und dass der Song „Dead on Time“ von Queen ein echter Kracher ist? Dann hatte ich einen Zustand erreicht in dem ich kreativ wieder atmen konnte und es tat so unglaublich gut. In der Zeit entdeckte ich langsam mein Telefon als Fotomaschine. Ich trieb mich auf Instagram und auf der Straße rum, setzte mich mit der einfachsten Fotografie auseinander. Und so langsam beantworteten sich meine Fragen:

Im tiefsten Herzen war, bin und werde ich immer ein Punk sein und so im Geiste der Musikbewegung des NYHC handeln: „DIY- breche mit Konventionen, wenn dir die Regeln nicht passen dann mach es selbst“. Der fotografische Fortschritt ist mir eigentlich Sch…egal, wenn die Fotografie sich nicht entwickeln will und weiter auf Gestaltungsprinzipien von vor 30 Jahren und mehr aufbaut, dann soll sie das tun. Braucht dabei aber nicht auf mich zu zählen, denn ich entwickle mich weiter. Die Internetpräsenz von „Kwerfeldein“ hat mir dabei sehr geholfen.

Mein Motto wurde wieder: „Egal, da hab ich aber Bock drauf“.

Und da war sie wieder…Die Kreativität und klopfte in meinem Hirn wieder an die Tür mit der Aufschrift: Fotografie. Ich gestatte der FE2 mich wieder zu begleiten und fing an. Jedoch nicht ohne auf die innere Stimme zu hören…die zu mir sagte, nein mich anschrie: WEITER GEHEN…GEH WEITER und kein Stress mein Freund, es ist nur ein Hobby.

Und so versuche ich seit dem einen bescheidenen, aber mutigen Stil zu entwickeln, der immer neue Tore aufstoßen soll um Bilder, auch fern aller fotografischen Gesetzmäßigkeiten zu machen. Ich möchte wieder einen besonderen Aspekt, etwas abstraktes in meine Bilder bringen, so wie damals in der 10. Klasse im Kunstunterricht, als ich anfing zu fotografieren und  Bilder machen konnte auf die ich Lust hatte. Ich bin auf nem guten Weg dahin, glaub ich. Auch wieder digital ;).

Ja, hat also doch alles irgendwie ein gutes Ende genommen, zumal ich erkannt habe, was mir abhanden gekommen war, nämlich der Wille zur Entwicklung und die Bewertung von Gesetzmäßigkeit, die ich nicht immer ernst nehme…

Ich bedanke mich fürs zuhör…nein fürs lesen natürlich. Mir war es ein Bedürfnis auch mal diese Seite der Fotografie zu beleuchten.

Zum Ende dieses Blogposts das Motto der Band Youth of Today: „Break down the Walls“.

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PremierPhotoCommunity

Der Erfolg von Flickr, 500px und anderen Foto Communities ist ungebrochen. Ich hatte mich vor einigen Jahren für Flickr entschieden und war etwa 3 Jahre lang zahlendes Mitglied. Nach all der Zeit mehr oder weniger fleißiger Beteiligung, frage ich mich nun:

Warum tue ich mir diese Online Foto Communities eigentlich an?

Die schiere Masse an Bilder lässt Schätze zu schnell untergehen und die reine Präsentation auf dem Bildschirm lässt meine Motivation in neue Tiefen sinken. Ein Gutteil der Flickr Nutzer wird wohl auch weiterhin Bilder mit „Great Shot!“ bewerten, weil die Auflagen der Gruppe in der sie posten das Kommentieren anderer Werke erfordert. Was das mit Community und Austausch zu tun hat, wird mir ewig ein Rätsel bleiben. Sicher, es gibt auch einige unglaublich nette Leute, die konstruktive Kritik anbringen und mit viel Freude und Leidenschaft.

Ich bekomme dagegen immer mehr Lust darauf, meine Bilder aufs Papier zu bringen, an die Wand zu hängen oder in dieser Form mit anderen zu vergleichen und bewerten. Alles begann mit einem kleinen Foto Wettbewerb, zu dem ein befreundeter Maler aufgerufen hatte. Bei einem Glas Wein, hatte er im Spaß dazu angestachelt, unsere Toskana Fotos zu vergleichen. Plötzlich wurde die Sache ernst, denn schnell hatte sich eine Jury zusammengerottet, die uns nun (beide) tatsächlich dazu zwang unsere Bilder zu zeigen. Aus einem Urlaub mit über tausend Bildern, mussten also drei Bilder ausgewählt werden. Die Auswahl trieb mich in den Wahnsinn, weil ich mich natürlich nicht entscheiden konnte. Außerdem sollte jedes Bild mit einer Passepartout versehen werden. Wir hatten recht verschiedene und keine davon war einfach weiß oder schwarz. Der Abend des Wettbewerbs kam irgendwann. Der Stress war verflogen und mir begann die Sache immer mehr Spaß zu machen. So viel Spaß, dass ich etwas ähnliches später gerne wiederholen wollte. Doch einerseits wollte ich nicht regelmäßig Freunde mit meinen kreativen Unfällen erquicken, andererseits interessierte es mich auch was Menschen zu den Bildern sagen, die selbst fotografieren.

Was nun? 

Schon vor einem Jahr hatte ich erfahren, dass es einen lokalen Foto Club gibt. Bisher dato ich keine Motivation aufgebracht diesen zu besuchen. Jetzt allerdings bekam ich Lust darauf, mir die Sache genauer anzusehen. Tatsächlich wurden gleich am ersten Abend Bilder in Passepartout an die Wand gehängt, bewertet und diskutiert. Manchmal vielleicht etwas harsch, nicht immer nachvollziehbar, oft aber auch sehr nett und durch großartige Kommentare und Vorschläge unterstützt. Nach mehr als einem halben Jahr, hänge ich meine Bilder ab und an ebenfalls auf und versuche mich an der Diskussion zu beteiligen. Bisher bereitet die Sache viel Freude. Ich kann jedem der von Flickr & Co. müde ist nur empfehlen, sich den lokalen Foto Club einmal etwas genauer anzuschauen.

 

— Sebastian

Wein (provinzlateinisch vino aus lat. vinum und darüber hinaus vermutlich ein Wanderwort, das aus den semitischen in die indogermanischen Sprachen gelangt ist) ist ein alkoholisches Getränk, das aus dem vergorenen Saft von Weinbeeren hergestellt wird….jajaja…

Für mich ist Wein seit heute in erster Linie eine super Alternative in der Negativentwicklung.

Nach diversen Ausflügen in die Dunkelkammer und die eigene Negativentwicklung, nach Experimenten mit Kaffee und verschiedenen Filmen in der Rotationsentwicklung schrie mein Laborherz nach neuen Aufgaben…Diese Aufgabe entdeckte ich im Zauberwort Wineol.

Wineol ist ein alternativer Negativentwickler auf der Basis von billigem…und wirklich furchtbar billigem…Rotwein…und nein, der war wirklich nicht zu schade dafür. Das Rezept fand ich auf der Seite von Kwerfeldein und wurde dort von Tobias Pohl erwähnt.

Bei Wineol macht man sich genau wie bei Caffenol die Säure zu nutzen, gute Ansätze hatte Tobias Pohl schon bei diversen Filmen und Entwicklungsmethoden gemacht. So entschloss ich mich eine von Ihm bereits getestete Kombi mit (einem meiner Favoriten) dem Ilford FP4+ nachzukochen. Allerdings lagen nur Erfahrungswerte für die Kippentwicklung vor. Deswegen legte ich die Faustregel 1/3 weniger Entwicklungszeit bei gleicher Temperatur fest, die ich aus eigener Rotationserfahrung ableiten konnte.

 

Das Rezept:

 

 

 

 

 

450 ml Rotwein, hier empfielt sich der Merlot pays d’oc 2010 vom Aldi. Spätere Versuche mit noch billigerem Wein aus dem Tetrapack waren weniger ergiebig im Ergebnis.

45 g Waschsoda

2-4 g Ascorbinsäure

Das ganze Mixen und die Nase dabei zuhalten, was dabei rauskommt ist schwarz/blau und stinkt wie die Pest.

Wie bereits erwähnt entschied ich mich für die Rotationsentwicklung bei 21 Grad C und 30 Minuten.

Alles wie gehabt, Testfilm einspulen, vorwässern, Wineol (beim Einfüllen habe ich ein Sieb benutzt um eventuellen Weingrieß oder ähnliches auf dem Film zu vermeiden), wässern, fixieren, schlußwässern, fertig…und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Details in den Regentropfen und Himmel gut sichtbar.

Der Himmel ist verhältnismäßig gut ausdefiniert.

 

Das Nagativ ist gut entwickelt,leichte Körnung, details sind vorhanden. Ich hätte mit einer Rotfärbung gerechnet, statt dessen haben die Negative einen ganz leichten Sepiaton der beim Scannen jedoch weitgehend verschwindet.

 

Ich werde weitere Test machen, da ich den Ilford FP4+ im Prinzip liebe, er aber nicht soooo gut auf Wein anspringt wie ich mir das gedacht habe, ist wohl eher ein Weißweintrinker 😉 …naja, mag auch an dem modernen Trägermaterial liegen.

Hab da noch ne Einladung auf  ein bis zwei Gläser mit einem Rollei Retro 80s. Mal schauen wie die Entwicklung ausfällt da es sich bei dem Retro ja um einen Film mit klassischen Trägermaterial handelt, welches nach meiner Erfahrung besser auf alternative Entwickler reagiert.

 

Oder doch mit Urin versuchen? Naja…

 

Bis dahin

 

Gut Licht und Prost

 

Christian

 

 

 

Ein kleines Rezept

Man nehme:

1 Entwicklungsdose mit zwei Selbstladespulen (ich verwende einen AP- Tank, günstig und gut)

1 lichtdichte Dose (ich benutze einen alten JOBO- Tank)

1 Eimer oder großen Topf für ca. 5Liter Wasser mit einem Messbecher zum Wasser schöpfen

1 Laborthermometer

1 Waschbecken und eine Chemikalienfeste Unterlage

2 Chemikalienflaschen (gibt es auch im Reformhaus als Apothekerflaschen),
2 Messbecher und 2 Trichter aus dem Kaufhaus (die Messbecher sollten eine Millilitereinteilung und bis zu 500 ml Fassungsvermögen haben)

2 große Joghurtbecher für die Wässerungen

1 Paar Gummihandschuhe oder Einmalhandschuhe

3 Wäscheklammern pro Film mit einem kleinen Gewicht, eine Schere, ein Stift, ein Blatt Papier.

Schließlich kommen noch der Entwickler, Fixierer, 20°C warmes Wasser und ein seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr kleiner Tropfen Spülmittel dazu.

Gesamtkosten ca. € 80

Schritt 1: totale Dunkelheit

Ideal sind fensterlose Kammern. Ich habe am Anfang die Tür meiner Abstellkammer mit einer dunklen Decke abgehangen. Sehr gut geeignet ist natürlich ein Wechselsack.

Stellt euch im Hellen alles so hin, dass ihr im Dunklen nicht lange suchen müsst. Und spielt den Ablauf einmal trocken durch.

Dann LICHT AUS!!!!

Die Filmdose ganz aufbiegen, damit der Film beim rausziehen nicht verkratzt.

Ein kleiner Tipp: Ich belichte auf meinen Filmen die ersten 4 Bilder immer als „Opferbilder“. Diese 4 Bilder schneide ich ab und lade sie in die erste Spule, um eine Probeentwicklung damit zu machen. Spule in die Entwicklungsdose, Dose zu und fertig.
Den eigentlichen Film in die 2. Spule laden und ab damit in die lichtdichte Dose.

Jetzt könnt ihr das Licht wieder anmachen.

Wenn ich nicht sofort entwickle, dann mach ich zur Erinnerung ein Post- it mit dem Filmtypen und dem Datum an die Dose.

Schritt 2: Chemie

Dazu:

Das große Gefäß mit Wasser füllen. Das Wasser sollte so 20°C- 22°C haben, da es sich im Laufe der Entwicklung abkühlen kann (ich messe so alle 10 min mit dem Laborthermometer nach).

Wichtiges für den Umgang mit den Chemikalien:

Entwickler und Fixierer dürfen NICHT zusammen kommen.
Ich verwende für Fixierer und Entwickler getrennte Messbecher und Trichter, damit die Chemikalien nicht zusammen kommen können.

Handschuhe tragen!!!

Vergossene Chemikalien mit reichlich Wasser abwischen.

Die Mengenangaben für die Entwicklung lassen sich aus den Mischverhältnissen und der Größe des Entwicklungstanks ableiten.

Ein Beispiel:
Mein AP- Tank benötigt für einen 135er film 375 ml Arbeitslösung.

Tetenal Ultrafin liquid im Verhältnis 1+10= 11 Anteile

Menge des Entwicklers:
375 ml : 11 Anteile= 34 ml

Menge des Wassers:
375 ml- 34 ml Entwickler= 341 ml

Der Fixierer wird genauso berechnet.


Wie irgendwann im Chemieunterricht mal gelernt, wird nun erst das Wasser und dann die Chemie in die Chemieflaschen gefüllt.
Nicht schütteln, da sich sonst Schaum bildet der sich auf dem Film ablegen kann.

Schritt 3: Die Entwicklung der Probebilder

Tipp: Für die meisten Filme bekommt man die Entwicklungszeiten im Internet.

Uhr stellen (ideal ist ein Handy mit Countdownfunktion).

Entwickler in den Tank füllen, Countdown starten, Deckel drauf und konstant 60 Sekunden lang kippen, damit der gesamte Film mit Entwickler benetzt wird. Eine Kippbewegung (180°) sollte gleichmäßig und langsam (ca. 2 Sekunden) durchgeführt werden.
Nach Ablauf der 60 Sek die Dose einmal etwas fester aufsetzen (aufdotzen), damit sich eventuelle Bläschen vom Film lösen.

Immer um 180° und schöööön gelichmäßig

Soweit der Film nicht während der gesamten Entwicklungszeit durchgängig gekippt werden muss, sollte man die Standzeit beachten. Die gängigsten sind 60 Sek, 30 Sek, 3 Sek, das heißt, dass die Dose z.B. alle 60, 30 oder 3 Sek gekippt werden muss.

Entwicklungsablauf: 2- mal kippen, aufdotzen Stehen lassen; 2- mal kippen, aufdotzen Stehen lassen; 2- mal kippen, aufdotzen…

Nach Beendigung der Entwicklungszeit den Entwickler aus der Dose zurück in die Chemieflasche kippen (den brauchen wir noch). Lasst die Dose so 10 Sek. lang auslaufen.

Zwischenwässern:
Mit dem Joghurtbecher frisches Wasser aus dem 20° C- Topf in die Entwicklungsdose füllen und 5-mal Kippen, auch so 10 Sek. auslaufen lassen.
Das ganze 3-mal wiederholen.

Fixieren:
Fixierer einfüllen und 60 Sek. lang kippen und „aufdotzen“.
Anschließend alle 60 Sek kippen und aufdotzen. Fixierzeit ist so 3- 4 Min.

Nach der Fixierzeit den Fixierer in einer Chemieflasche auffangen (den brauchen wir auch noch).

Abschlusswässerung:
Mit dem Joghurtbecher Wasser einfüllen und nach folgendem Rhythmus wässern.

Wasser einfüllen 3- mal kippen ausgießen
Wasser einfüllen 6- mal kippen ausgießen
Wasser einfüllen 12- mal kippen ausgießen
Wasser einfüllen 24- mal kippen ausgießen

Schritt 4: Hauptentwicklung

Den Probestreifen kontrollieren, erst dann den Hauptfilm entwickeln.
Experimentiert einfach mit den Zeiten etwas rum. Längere Entwicklungszeit erhöht zum Beispiel die Kontraste.

Den Hauptfilm wieder in absoluter Dunkelheit in die Entwicklungsdose einlegen und wie oben beschrieben entwickeln.
Nach der letzten Wässerung muss der Film mit Netzmittel behandelt werden, damit es keine Wasserflecken gibt.

Als Netzmittel verwende ich Spüli, dafür fülle ich eine Ladung Wasser und einen seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr kleinen Tropfen Spülmittel in die Dose. Das ganze lasse ich 1 Minute stehen.

Jetzt kann der Film raus und wird mit Wäscheklammern aufgehängt. Als Gewicht häng ich ein 2Euro- Stück mit dran. Idealer Ort ist das Badezimmer.

Sollte der Film nach dem Trocknen noch Wasserflecken haben, kann er noch einmal in 20°C warmen Wasser und wieder mit einem seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr kleinen Tropfen Spülmittel gebadet werden.

Ich dokumentiere meine Ergebnisse, um daraus ähnliche Entwicklungen abzuleiten. Zusammen mit den „Opferbildern“ kommt man relativ schnell auf gute Negative.

Als nächstes geht es in die Dunkelkammer…

Ah, eins noch. Die Chemikalien sollten nicht unbedingt ins Klo gekippt werden, besser ist ein Kanister, den man zur Entsorgung bringen kann.

Viel Spaß beim Nachkochen

Nachdem die Entwicklung von Schwarz-Weiß Filmen in Coffenol konstant brauchbare Ergebnisse hervorbringt, wird es wieder einmal Zeit etwas Neues auszuprobieren. Seit einer Weile schon experimentieren wir (Farnsy als Chefentwickler ;)) damit, Farbfilme in Coffenol zu entwickeln. Insbesondere alter abgelaufene Nagativ Filme sind auf Ebay manchmal wirklich günstig zu haben. Genau das sollte uns als Grundlage dienen. In diesem Fall haben wir einen Ferrania Solaris 200 ganz normal verknipst und anschließend in Coffenol-C entwickelt. Wir haben die Ascorbinsäure gegenüber unserem Standardrezept verdoppelt und etwa 20 Minuten lang bei 21°C entwickelt. Die Verdopplung der Ascorbinsäure war ein Test. Wir hatten zuvor schon einmal solch einen Film mit dem Standard Rezept entwickelt. Die Version mit der doppelten Ascorbinsäure lies sich allerdings besser scannen. Das ist hier ein wichtiger Faktor, da der Film-Träger relativ trübe bleibt. Eine Version des Entwicklers mit doppelten Kaffee und Soda führte zu Überentwicklung.

Seeufer - Ferrania Solaris 200 in Coffenol-C

Seeufer - Ferrania Solaris 200 in Coffenol-C

 

Farnsy, (der für den gesamten praktischen Teil dieses Artikels verantwortlich ist) beschäftigt sich jetzt schon eine Weile mit der Entwicklung von Filmen. Eines Abends erzählte er mir davon, dass ein paar Chemiker in den 90ern versucht hätten alternative, günstige Entwickler zu finden. Sie wurden fündig: Mit Hilfe von Baumrinde, Minztee und eben Instant Kaffee, sowie ein paar Modifikationen sollten sich angeblich belichtete Filme entwickeln lassen. Scheinbar sind hier Stoffe am Werk, die einem Standard Entwickler für den Schwarz Weiß Prozess ganz ähnlich sind. Die bekannteste Variante die aus diesem Ansatz entstand kennt man heute im Netz als Coffenol (Cofenol oder Caffenol). Er wurde in erster Linie zur Entwicklung von Papieren hergestellt, funktioniert aber auch wunderbar für Schwarz-Weiß Negativfilme.

Coffenol Negativ

In den Tiefen des Netzes finden sich dutzende ähnliche Artikel, welche die Entwicklung mit Coffenol zeigen. Hier wollen wir unsere Erfahrungen damit los werden. Also: Wie kommt man mit wenig Geld zu brauchbaren Ergebnissen? (Toll ist vermutlich etwas anderes, aber ich habe von Film auch keine Ahnung.) Coffenol wird zwar immer wieder als low-cost Entwickler angepriesen, aber ich finde das als Motivation für Experimente etwas seltsam, da die meisten Erfahrungsberichte dann am Ende doch einen 5€ teuren Delta 100 oder ähnliches in die Mixtur schmissen. Dafür war ich einfach zu geizig und entsprechend haben wir mit Rollei Retro 80s und 100 gearbeitet. Im Vorratspack bekommt man die für etwa 1,50€ das Stück. Darüberhinaus war das Ziel auch nicht die dauerhafte Entwicklung mit Coffenol anzustreben, sondern eine für uns neue, kreative Art der Fotografie zu entdecken.

Coffenol Rezepte allgemein

Wie ich von Farnsy immer wieder eingehämmert bekam, ist die SW Entwicklung eher etwas ungenau und wenig standardisiert. Man macht das eben so, wie man seine Ergebnisse haben möchte. Bei Coffenol sieht die Sache noch dramatischer aus. Der Entwickler muss aus verschiedenen Pulverförmigen Substanzen und Wasser angerührt werden. Was dabei in den Mischbecher kommt hängt davon ab, wie das Resultat aussehen soll.

Als Coffenol wird das Grundrezept bezeichnet. Damit kann man Filme durchaus entwickeln, allerdings kann es zu seltsamen Verläufen kommen (so die Quellen im Netz). Der Entwickler besteht nur aus Instant Kaffee (kein entkoffeinierter) und Waschsoda.

Der Coffenol-C genannte Entwickler ist eine Variante von Coffenol. Er beruht auf dem Grundrezept, doch es wird etwas Ascorbinsäure (Vitamin C) zugesetzt. Die Entwicklung geht hier deutlich schneller (Bei Coffenol sind dies zwischen 30 und 60 Minuten. Bei Coffenol-C 7 bis 20 Minuten).

Eine Weitere Variante des Entwicklers ist Coffenol-LC wobei LC für Low Contrast steht.

Das badassphotographers default Rezept

Eigentlich sollte ich das Rezept nicht so nennen, da es in unzähligen Quellen genannt wird. Leider hat dem Ding niemand einen Namen gegeben. Wir haben uns für unsere Experimente für Coffenol-C entschieden. Das war mehr Zufall als geplant, da wir noch einen Rest Ascorbinsäure im Haus hatten (was man so alles findet). Hier das Rezept für den Entwickler und die Liste der anderen Benötigten Chemikalien.

  • 220ml Wasser (für die 2-er Dose einer JOBO Rollenentwicklermaschine. Für Handentwicklung benötigt man vermutlich mehr, dann müsst ihr natürlich auch die anderen Mengen umrechnen.)
  • 4tl Instant Kaffee, nicht entkoffeiniert. Möglichst billiger – je mehr Kaffee-Säure desto besser
  • 2,5tl Waschsoda (Das gibt es auch Flüssig. Wir hatten nur mit Pulver Erfolg. Waschsoda erhält man in der Drogerie in 500g Packungen für ca. 1-2 Euro.)
  • 1gr Ascorbinsäure
Anmischen des Entwicklers

Anmischen des Entwicklers

Das Rezept lässt sich am leichtesten anrühren, wenn man drei kleine Behälter nimmt und dort jeweils etwas destilliertes Wasser mit dem jeweiligen Pulver mischt. So kann man sicherstellen, dass sich das Zeug auch ordentlich aufgelöst hat. Bleiben Festteile übrig, könnten sich diese auf dem Film absetzen. Diese Stellen würden dann vielleicht nicht oder nicht richtig entwickelt. Nachdem die drei Flüssigkeiten vorbereitet sind, schüttet man sie zusammen und rührt noch ein paar mal um. Durch den Kaffee bildet sich eine Art Schaum. Es macht Sinn das Gebräu ein paar Minuten stehen zu lassen bis sich der Schaum gesetzt hat. Sobald man Soda und Kaffee zusammen bringt stinkt das Zeug übrigens ganz erbärmlich.

Der badassphotographers Entwicklungsprozess

Wir haben mittlerweile einige Filme nach diesem Vorgehen entwickelt. Das Rezept blieb dabei immer gleich, allerdings haben wir mit den Entwicklungszeiten experimentiert um einen guten Startwert für eine Standardentwicklung zu finden. Hier die Übersicht. Zuerst einmal wird der Film im Wechselsack aus der Dose genommen und in die Spirale gespult. Die Spiralen kommen dann in die Entwicklugnsdose.

  1. Entwickeln: Dauer: 13 Minuten bei 21°C. (Der Entwickler hatte bei unseren Experimenten meist 21°C, manchmal auch 20°C.)
  2. Stoppen: Medium: Destilliertes Wasser, Dauer: 1 Minute, Durchgänge: 2. (Bei Coffenol wird eigentlich nicht gestoppt, sondern nur zwischengewässert. Daher auch kein Stoppbad sondern nur Wasser. Nach einer Minute mit Wasser auf der Rollenmaschine haben wir das Wasser einfach gewechselt und noch eine Runde gedreht.)
  3. Fixieren: Fixierer: Rollei RXA, Dauer: 3 Minuten (Hier wird handelsüblicher Fixierer für den jeweiligen Film genutzt.)
  4. Wetting Agent: Dauer 5 Minuten (Dieser Schritt muss nicht durchgeführt werden. Wetting Agent sorgt dafür, dass Filme z.B. zum scannen schön plan liegen und sich nicht so stark wölben.)

Das war es aber nun endgültig. Jetzt haben wir den Film im Bad aus der Dose genommen, noch eine Weile unter fließendem Wasser duchgespült und dann auf der Wäscheleine zum trocknen aufgehängt. Auf den ersten Blick sahen die Negative sehr schön aus. Kräftig, ohne Grauschleier, aber mit erkennbaren Gradiationen – tolles Gefühl.

Entwickeln mit Coffenol (rechts oben: Filmreste, links unten: Entwicklungsmaschine, links oben, Auswaschen des Films)

Entwickeln mit Coffenol (rechts oben: Filmreste, links unten: Entwicklungsmaschine, links oben, Auswaschen des Films)

Ergebnisse

Unser erster Versuch fand mit einem AGFA APX 100 statt, den wir 20 Minuten entwickelt haben. Hier war praktisch nichts mehr übrig. Vielleicht war der Film zu lange entwickelt. Später hatten wir einen anderen 100er Film 17 Minuten lang entwickelt. Dieser sah eigentlich so aus wie man sich das vorstellt. Den ersten Rollei Retro 80s entwickelten wir dann – immer auf der Suche nach der perfekten Zeit – nur noch 16 Minuten. Auch diese Ergebnisse sahen gut aus. Mittlerweile sind wir für Rollei Retro 80s und 100 bei 13 Minuten angelangt. Die Negative sehen dabei normalerweise für mein laienhaftes Auge gut aus und die Bilder werden ganz ordentlich. In letzter Zeit haben wir noch weitere Filme ausprobiert. Einerseits waren dass der Ilford Delta 100 (12 Minuten – der 400er ist auf coffenol.org mit 9 Minuten angegeben, aber das hatten wir uns nicht getraut). Später kamen dann noch Ilford FP4 und HP5 dazu, die wir auch alle 12 oder 13 Minuten entwickelt haben.

Mein Ziel war es, die Bilder grundsätzlich mit einem Scanner zu digitalisieren. Dabei sind uns noch ein paar Dinge aufgefallen. Auf dem Minolta Dimage Scanner von Farnsy hatten die Bilder einen unglaublich hohen Kontrast. Einige Bilder sahen damit toll aus, andere waren definitiv kaputt. Erst später habe ich einen Filmstreifen auf einem Epson gescannt und der Kontrast war deutlich neutraler. Der Tonwertumfang war diesmal auch scheinbar größer. Hier ein paar der Ergebnisse:

Grabstein; Rollei Retro 80s, Minolta Scanner

Grabstein; Rollei Retro 80s, Minolta Scanner

Fake Cannon; Rollei Retro 80s; Epson Scanner

Fake Cannon; Rollei Retro 80s; Epson Scanner

AGFA Billy, Rolleo Retro 80s, Epson Scanner

AGFA Billy, Rollei Retro 80s, Epson Scanner

Ruine, Rollei Retro 100, Epson Scanner

Ruine, Rollei Retro 100, Epson Scanner

Erfahrungen und Gerüchte

Heute habe ich um mehrere Ecken wieder etwas neues über Coffenol erfahren. Angeblich soll sich die Mischung aus Kaffee (enthält Kaffee-Säure) und Soda (eine Lauge) nach einer Weile selbst regulieren. Nach meinem Verständnis bedeutet dies, dass der Entwickler irgendwann einfach nicht mehr weiter entwickelt. Es kommt also vielleicht nicht so sehr auf die angewendeten Zeiten an (12 – 16 Minuten mit praktisch gleichen Ergebnissen fand ich schon erstaunlich), sondern auf das Mischungsverhältnis und Konzentrationsstärke der Mixtur. Falls uns in der Zukunft langweillig mit unseren Coffenol Bildern wird, experimentieren wir damit bestimmt etwas…