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Category Archives: DIY

In bestimmten Situationen kann es Sinn machen eine Kamera automatisiert auszulösen, z.B. bei der Highspeed Fotografie, aber auch für Intervall-Aufnahmen oder Selbstportraits. Die meisten Kameras bieten bereits einen Selbstauslöser oder lassen sich ferngesteuert bedienen wenn man das entsprechende Zusatzzubehör kauft. Alternativ kann man auch selbst etwas basteln und mit Hilfe von Mikrocontroller Boards sogar automatisieren. In einem älteren Blogeintrag habe ich bereits ein mögliches Einsatzszenario skizziert. Hier möchte ich mich jetzt der technischen Seite widmen und ein paar von meinen eigenen Erfahrungen mit der Materie schildern.

Technische Grundlage

Der Elektronikhandel bietet eine breite Palette von so genannten „Mikrocontroller Boards“ an die sich sehr gut zum Fernsteuern von Kameras eignen. Die bekannteste und verbreitetste Variante ist der Arduino der in verschiedenen Formaten erhältlich ist (von „Nano“ bis „Mega“) und sich gezielt an Einsteiger richtet. Das Standardboard, der Arduino Leonardo, ist für etwa 25 EUR erhältlich.

Arduino Uno (der Vorgänger des Leonardo)

Arduino Uno (der Vorgänger des Leonardo)

Arduinos lassen sich per Batterie betreiben und bieten vereinfacht gesagt eine Reihe von digitalen Ein- und Ausgängen, an die sich elektrische Komponenten anschließen und gezielt ansteuern lassen. Damit lassen sich mit einfachen Mitteln sehr spannende Projekte realisieren, wie eine breite Auswahl von Beispielen im Web zeigt.

Um beispielsweise Sensorwerte auszulesen oder Aktoren wie LEDs (oder Kameras, dazu später mehr!) anzusteuern lassen sich die Boards mit Hilfe einer frei erhältlichen Entwicklungsumgebung programmieren. Dabei ist es sehr hilfreich dass es eine sehr aktive Community um den Ardino gibt die neben einfachen Programmierbeispielen auch komfortable Softwarebibliotheken bereitstellt die man in eigene Projekte einbinden kann. Gerade auch für das Ansteuern von Kameras gibt es dort eine breite Auswahl von Beispielprojekten.

Außerdem bieten Hardwarehersteller eine große Palette von Zusatzboards an, so genannte „Shields“, die sich einfach auf den Arduino aufstecken lassen und weitere Funktionalitäten wie Wlan oder Bluetooth bereitstellen.

Die Verbindung zur Kamera

Für das Ansteuern einer Kamera mit einem Arduino Board bestehen grundsätzlich die gleichen Möglichkeiten wie mittels gekauftem Zubehör. Viele Kameras haben beispielsweise einen Infrarot Empfänger für eine Fernbedienung, die sich mittels einen IR Diode vom Arduino auslösen lassen (entsprechende Softwarebibliotheken, die mit verschiedenen Kameramodellen „sprechen“ können, sind sogar bereits vorhanden).

Eine andere Möglichkeit ist die Verbindung per Kabel. Die meisten Kameras lassen sich recht einfach auslösen indem zwei Kontakte (einer für den Autofokus, und ein zweiter für den Auslöser) mit einem Minus Pol kurzgeschlossen werden. Um herauszufinden wie die Steckerpins für die entsprechende Kamera belegt sind lohnt sich eine Recherche im Internet (hier z.B. ein Beispiel für den 10-poligen Stecker einiger Nikon Kameras). Wenn man schon einen Kabelfernauslöser hat kann man das recht einfach nachvollziehen da diese nach dem gleichen Schema funktionieren.

Arduino mit Bluetooth-Shield und angeschlossenem Kamera-Kabel (der Optokoppler ist auf der kleinen Lochrasterplatine unter dem schwarzen Isolierband)

Arduino mit Bluetooth-Shield und angeschlossenem Kamera-Kabel (der Optokoppler ist auf der kleinen Lochrasterplatine unter dem schwarzen Isolierband)

Für das Anschließen an den Arduino kann man ein vorhandenes Kabel nehmen und es mittels Optokopplern an die digitalen Ausgänge des Boards anschließen. Steuert der Arduino die Ausgänge an, schließt der Optokoppler die entsprechenden Stromkreise in der Kamera und es wird ein Foto aufgenommen. Auf ganz ähnliche Art und Weise kann man auch ein Blitzgerät ansteuern, was insbesondere bei der Highspeed Fotografie sinnvoll sein kann wenn die Kamera-Fernauslösung zu träge ist für das Einsatzszenario.

Auslösen per Fernsteuerung

Ist die Kamera erst mal mit dem Arduino verbunden bieten sich eine ganze Reihe von Möglichkeiten für Experimente. So kann man mittels einer IR Diode und einem IR-empfindlichen Lichtsensor eine Lichtschranke bauen und die Kamera auslösen sobald der Mikrocontroller eine Änderung registriert. Oder man schließt ein Mikrofon an, etwa um einen platzenden Ballon im richtigen Moment zu erwischen. Andere Einsatzszenarien sind Intervallaufnahmen oder Langzeitbelichtungen etwa in der Astrofotografie.

Eine weitere Variante ist das Auslösen der Kamera per Funk, etwa mit Hilfe eines Bluetooth-Shields und eines Android-Handys, was ich bereits an anderer Stelle beschrieben habe.

Fazit

Kameras per Mikrocontroller fernzusteuern bietet vielfältige Möglichkeiten insbesondere für die Studiofotografie und erfordert nur geringe finanzielle Ressourcen. Vorerfahrungen in der Elektronik sowie in der Programmierung sind dabei von Vorteil, insbesondere wenn man Kameras per Kabel ansteuern will da hier die Möglichkeit besteht seine teure Hardware durch falsche Verkabelung zu beschädigen. Zudem ist für komplexere Projekte viel Zeit zum Ausprobieren erforderlich, da sich einfache Ergebnisse zwar relativ leicht realisieren lassen, aber der Teufel oft im Detail steckt und viel Feinarbeit erfordern kann. Durch die breite Palette an vorhandenen Beispielprojekten die man Nachbauen oder bei seinen eigenen Versuchen weiterentwickeln kann bieten sich aber auch für Einsteiger gute Lernmöglichkeiten und führen schnell zu ersten Erfolgen.

— Alex

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Manchmal möchte man beim Fotografieren möglichst lange belichten um bestimmte Effekte zu erzielen. So verwandelt sich etwa Wasser in weiche Watte wenn man lange genug belichtet, oder das Licht fahrender Autos zeichnet strahlende Linien entlang der Straßen. Während Lichtstreifenfotografie sich für die Abendstunden anbietet, ist tagsüber häufig ein Graufilter (oder eine Lochkamera) erforderlich um den gewünschten Effekt zu erzielen. Wenn man dann zusätzlich so weit wie möglich abblendet lassen sich auch bei hellem Sonnenschein schöne Wasseraufnahmen machen.

Flow

Graufilter, 1/3s, f25, ISO 100.

Will man noch länger belichten, muss man entweder einen sehr starken Graufilter kaufen oder mehrere aufeinandersetzen. Wem das zu teuer ist, der kann auf alternative Lösungen zurückgreifen, wie etwa auf Schweissglas das im Baumarkt für wenige Euro zu bekommen ist. Damit verliert man zwar die Farbinformationen, dafür kann man aber extrem lange belichten … 30 Sekunden sind auch zur Mittagsstunde kein Problem.

Flow

Schweissglas, 30s, f11, ISO 100, in s/w konvertiert.

Für die Montage auf der Kamera kann man z.B. die Schweissglasscheibe einfach auf einen entsprechenden Vorsatz kleben, etwas mit Gummibändern basteln, oder man benutzt ein kommerzielles Filterhaltersystem.

Wenn man Zugriff auf einen 3D Drucker hat, kann man sich auch einen Filterhalter ausdrucken. Der Badassphotographer Sebastian hat einen entsprechende Vorlage konstruiert und auf Thingiverse zum Download freigegeben. In diese lässt sich eine Schweissglasscheibe einfach einschieben, und der Filter kann danach auf den Standard-Bajonettverschluss eines passenden Objektivs gesetzt werden.

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Filterhalter aus dem 3D Drucker

Die Möglichkeiten zum Basteln und Ausprobieren sind grenzenlos … viel Spaß beim Ausprobieren!

Euer Alex

Fertiger Space Invader

Wer dieses Blog besucht wird sich für das Fotografieren interessieren und vielleicht auch für Fotos. Flickr ist ja auch schön und gut, aber ab und an möchte man vielleicht auch eines der eigenen Bilder an der Wand sehen. Da sich hier im Laufe der Zeit so einiges ansammelt, lässt sich daraus leicht eine Art Mosaik oder Collage herstellen. (Ich bin fest davon überzeugt, dass ich diese Idee exakt so zuvor auf einem anderen Blog gesehen habe. Allerdings ist es mir bis heute nicht gelungen die genaue Quelle ausfindig zu machen. Wenn jemand weiß woher das stammt, würde ich mich über Feedback freuen).

Das Mosaik soll nun einerseits ein paar Fotos zeigen, andererseits selbst eine bestimmte Gestalt besitzen. In diesem Beispiel wurde eine Figur aus dem Computerspiel „Space Invaders“ ausgewählt. Mit kleinen Kacheln wurde die grobe Figur aus dem altertümlichen Computerspiel dargestellt.Die Figur ist dabei wie auf dem Bild zu erkennen so grobschlächtig, dass jeder Pixel der Computergrafik durch ein Foto repräsentiert werden kann. Die folgende Artikel ist eine Anleitung, wie ihr aus euren Bildern einfach selbst ein solches Mosaik anfertigen könnt.

Vorbereitung – Material und Werkzeug für den Bau

Werkzeuge Vorbereiten

  • Messschieber
  • Bohrmaschine + 5mm Holzbohrer
  • Teppichmesser
  • Zollstock/Maßband
  • Hammer
  • Sandpapier – mittlere Körnung, zum entgraten der Sägekanten und Ecken.
  • Wasserwage
  • Holzplatten: 90mm x 90mm x 28mm; Wurden im Baumarkt direkt auf dieses Maß geschnitten. Hier wurden 50 Stück verwendet. Das hängt aber natürlich vom Motiv ab.
  • 1 Dose Sprühkleber (reicht für 50 Kacheln und man hat noch etwas über)
  • Ausbelichtete Fotos in 9x13cm. Am besten ein paar mehr als die Anzahl der Kacheln, falls etwas schief geht.
  • Nägel zum Aufhängen (15mm x 1mm) – möglichst klein. Vermutlich sind Stecknadeln noch besser, hatte aber keine
  • Schnittfeste Unterlage
  • Zeitungspapier

1. Schritt – Fotos herstellen (Wo? Computer + Foto Labor des Vertrauens)
Zuerst einmal beginnt ihr damit, eine Auswahl der Fotos zusammenzustellen, die später euer Mosaik ergeben soll. Da die Fotos beim späteren Arbeiten Schaden nehmen können, ist es sinnvoll ein paar auf Ersatz vorzubereiten (Für den Space Invader wurden 56 Bilder vorbereitet). Da die Kacheln quadratisch werden, sollten natürlich auch Bilder gewählt werden, die im quadratischen Zuschnitt wirken. Der Zuschnitt (quadratisch) kann dann Beispielsweise in Lightroom vorgenommen werden.

Anschließend geht ihr mit euren bearbeiteten Bildern in das lokale Foto Labor und lasst sie in 9 x 13 cm ausbelichten.

2. Schritt – Trägermaterial für die Fotos (Baumarkt)

Nun benötigt ihr ausreichend viele quadratische Holzplatten für euer Motiv. Damit sie zu den Bildern passen, müssen sie Kantenlänge 9 cm haben (Also 9 x 9 cm) Für den Space Invader braucht man 46 Stück. Auch hier bietet es sich allerdings an 2 – 3 auf Reserve zu haben. Die Platten bekommt ihr im Baumarkt. Sie werden auf Anfrage auf dieses Maß geschnitten. Wegen den vielen Sägestellen, waren die Platten erst am nächsten Tag fertig. Das Holz (28mm starke Leimholzplatte) inklusive des Sägens haben etwa 35,- € gekostet.

3. Schritt – Befestigungsmöglichkeit anbringen (Werkstatt)

Mit dem Maßband und Bleistift oder Messschieber markiert ihr nun auf jeder Kachel, wo sich jeweils ein Loch zum Aufhängen befinden soll. In einer ordentlich ausgestatteten Werkstatt kann man sich vielleicht auch eine Bohrschablone basteln, dann kann man sich die viele Markierungsarbeit sparen. Hier wurde jede Platte allerdings mit dem Messschieber markiert. (20mm von oben und 45mm von der Seite – also in der Mitte).

Anschließend bohrt ihr genau an der Markierung in jede der Holzplatten ein Loch. Dabei am besten nicht ganz durchbohren, damit die Fotos auf der Frontseite später gut aufliegen. Die Löcher in den Kacheln des Space Invader sind etwa 10mm tief.

Letzter Schritt zur Vorbereitung der Kacheln: Wenn die Kanten vom Sägen scharf sind, könnt ihr sie vorsichtig mit Sandpapier etwas weicher machen.

4. Schritt – Fotos Aufkleben (Werkstatt)

Aufkleben der Fotos

Hier gibt es einiges zu beachten. Es gibt zwei Techniken mit dem Kleber umzugehen. 1) Beide Seiten einsprühen, antrocknen lassen und dann zusammenkleben. Das ist dann sofort bombenfest und nicht mehr verschiebbar. Deshalb empfiehlt sich Methode Nummer 2) Eine Seite (nämlich die Rückseite des Foto) einsprühen, dann noch feucht auf die Holzplatte legen, positionieren und leicht andrücken. Dabei können immer nur wenige Fotos gleichzeitig mit Kleber besprüht werden, weil er sonst zu schnell trocknet. Die Fläche auf der die Fotos besprüht werden sollte mit Zeitungspapier abgedeckt werden. Alle paar Durchgänge sollte die Zeitung erneuert werden da die Fotos sonst Kleber Reste auf der Motivseite abbekommen können.

Nach dem Andrücken, wird jede Kachel auf die Motivfläche gelegt und mit dem Cutter Messer an der Holzkante entlang abgeschnitten. Jetzt wird also auf einem 9×13 Foto mit weißen Rändern ein 9×9 Foto. Die Kacheln müssen jetzt eine Weile trocknen. Am besten werden diejenigen, die (mit Zeitung dazwischen) aufeinander gestapelt oder anderweitig beschwert werden.

5. Schritt – Aufhängen (Die Zielwand)

Damit das Mosaik wirkt, müsst ihr jetzt einigermaßen genau Nägel oder Nadeln in die Wand schlagen. Hier wurde ein Hilfsmittel verwendet. Auf einem Holzbrett wurden die Abstände der Kacheln mit einem Bleistift markiert (in diesem Fall genau 10cm). Das Brett diente nun für jede Reihe als „Lineal“. Das Brett wurde auf einen kleinen Tisch abgelegt (und mit der Wasserwage ausgerichtet). Dies war die unterste Reihe der Kacheln. Anschließend wurde das Brett für jede Reihe um 10 cm erhöht (mit Büchern, CDs, Kartons, etc. unterbauen) und wiederum an der Wand markiert, wo ein Nagel eine der Kacheln festhalten soll.

Für jede Markierung schlägt man einen Nagel oder eine Nadel in die Wand und kann dann eine Kachel nach eigenem Gusto aufhängen.

 

Viel Spass beim basteln.

— Sebastian

Bei der High-Speed-Fotografie kommt es darauf an, im richtigen Moment die Kamera auszulösen. Wenn dabei Motive zerstört werden (z.B. eine Glühbirne oder ein berstender Ballon), oder das Studio versaut wird (durch Scherben oder Farbspritzer), kann das sehr viel Technik erfordern, da man unter Umständen nur wenige Versuche hat für das Foto. Dafür bieten beispielsweise Arduino Boards vielfältige Möglichkeiten, um Kamera oder Blitzgerät im richtigen Augenblick durch diverse Sensoren auszulösen (das Thema möchte  ich demnächst hier im Blog mal etwas vertiefen).

Wenn man beliebig viele Versuche hat lohnt sich der Aufwand dagegen meist nicht. Obst kann man schließlich beliebig oft ins Wasser schmeissen, und auch Wassertropfen (ein beliebtes Motiv in diesem Bereich) gehen einem in der Regel nicht so schnell aus. Wenn man keinen ohnehin tropfenden Wasserhahn im Haus hat, kann man Wassertropfen leicht mit einem einfachen Apparat erzeugen. Das hat gegenüber einem Assistenten mit einer Pipette auch den Vorteil dass die Frequenz der Tropfen relativ gleichmässig ist und man die Kamera daher leicht im richtigen Moment (bzw. im richtigen Rythmus) auslösen kann.

Der Tropfengenerator (Sprudelflaschen anderer Hersteller funktionieren genau so gut... ;))

Der Aufbau ist einfach und schnell erledigt: man braucht lediglich ein hohes Wassergefäß (eine Flasche ist gut), eine senkrechte Halterung, eine Wäscheklammer und einen dünnen Schlauch (z.B. Schrumpfschlauch). Außerdem braucht man noch eine Schüssel oder irgendein Gefäß, in das man hineintropfen möchte. Wenn man alles zusammengebaut hat kann man mit dem Schlauch das Wasser ansaugen und es kann losgetropft werden. Die Frequenz der Tropfen kann man durch variieren der Höhe des Schlauchendes leicht steuern. Ist der Ausgang zu hoch (über der Wasserfläche in der Flasche) hört das Tropfen ganz auf, wenn er zu niedrig ist fließt das Wasser in einem Strahl. Da die Wassermenge in der Flasche mit der Zeit abnimmt, werden die Abstände zwischen den Tropfen mit der Zeit länger. Für Serien von 20-30 Fotos kann man sich aber sehr gut auf den Rythmus einstellen.

Für das Fotografieren braucht man noch ein Objektiv das einen nah genug an die Wassertropfen heranlässt (für dieses Foto wurde das Nikkor 18-55 DX verwendet). Ein Blitzgerät ist außerdem praktisch um möglichst kurze Verschlusszeiten zu erreichen, aber nicht unbedingt von Nöten.

Watery Figurine

Viel Spaß beim Nachbasteln!

Alex

Wie schon in einem älteren Artikel erwähnt, ist die Pinhole Box die zum letzten World Pinhole Day zum Einsatz kam, alles andere als unschlagbar. Dennoch finde ich die Idee für den Umbau noch immer interessant und möchte daher eine kurze Bauanleitung veröffentlichen.
Grundlage für die Modifikation war eine etwa 60 Jahre alte AGFA Box 600 Kamera. Vermutlich funktioniert diese Anleitung aber für verschiedene AGFA Modelle vielleicht auch für einige Boxen anderer Hersteller.
Fertige Pinhole Box mit geöffnetem Verschluss.

Fertige Pinhole Box mit geöffnetem Verschluss.

Ab den 1930ern bis etwa 1960 entwickelten verschiedene Hersteller Box Kameras. Die AGFAs waren eher günstige Modelle, die in großen Stückzahlen produziert wurden. Es sind immer noch relativ viele in funktionsfähigem Zustand erhalten, was wahrscheinlich auch an ihrer einfachen Bauweise liegt. Die AGFA hat durch diese einfache Bauweise eine Art „Macke“, die bei diesem Projekt gerade von Vorteil sein könnte: Der Filmkasten muss, wie auf unten stehendem Bild zu sehen, zum Filmwechsel komplett herausgenommen werden.

AGFA Box 600 mit Filmkasten

Bei der AGFA Box 600 ist auch die Linse (also das Objektiv) selbst in diesem Filmkasten angebracht. Entnimmt man den Filmkasten dem Gehäuse, kann man also recht problemlos an dem „Objektiv“ arbeiten, ohne das fragile Gehäuse der Kamera zu beschädigen. Die Linse sitzt in dem Zylinder und wird von einem Unterlegring und einem Sicherungsring fest gehalten. Mit einer Spitzzange oder einem Messer kann man nun den Sicherungsring an einem Ende fassen und vorsichtig aus der Kamera ziehen. Anschliessend werden der Unterlegring und die Linse vorsichtig von innen aus dem Filmkasten heraus gedrückt. Voilá, Platz für unser neues Objektiv. Der Zylinder in dem sich die Bauteile befinden hat mehrere Vertiefungen, die dem Sicherungsring halt geben. alle Bauteile müssen an diesen Vertiefungen vorbei, was evtl. nicht ganz einfach ist ohne die Linse zu beschädigen.

Ausgebaute Linse, Unterlegring, Sicherungsring

Jetzt wird natürlich ein Pinhole benötigt, das genau den Platz der alten Linse einnimmt. Alufolie bietet sich für Pinholes an. Allerdings benötigt man dann noch einen Träger, der in etwa so groß wie die alte Linse ist. Die dänische Krone (die Münze) passt ziemlich gut an den vorgesehenen Platz und hat sogar schon ein Loch in der Mitte, dass beim zentrieren des Pinholes hilft, daher habe ich mich für die Münze entschieden. Es sollten aber auch Unterlegscheiben oder Ähnliches verwendbar sein. Als nächstes wird das Pinhole und der Träger vorbereitet:

  1. Laut Pinholedesigner muss das Loch 0,44mm sein, damit es zur Brennweite der Box passt. Dazu nehmen wir ein Stück Alufolie und schneiden ein Rundes Stück aus, dass an allen Seiten 5-10mm über das Geldstück übersteht. Einigermassen in der Mitte muss jetzt das Pinhole (0,44mm) angebracht werden.
  2. Die Münze musste außen mit einer handelsüblichen Metallfeile noch etwas kleiner gefeilt werden. Nach einer Weile feilen passte sie perfekt in den Filmkasten. Einfach immer schön rund feilen und ab und zu mal probieren ob sie schon leicht in den Filmkasten passt.
  3. Wenn die Münze passt und die Alufolie fertig sind, legt man die Folie auf den Tisch. Anschliessend wird die Münze daraufgelegt und das Pinhole genau in der Mitte des Münzlochs zentriert. Dann die Alufolie vorsichtig um den Rand der Münze umschlagen. Das wird nun an allen Seiten wiederholt, bis die Folie die Münze am Rand überall umschliesst, so dass die Folie die Münze festhält und nicht mehr verrutschen kann.
Bauteile von links nach rechts: Sprengring, Unterlegring, abgefeilte dänische Krone mit Alufolie und Pinhole, zwei originale dänische Kronen.

Bauteile von links nach rechts: Sprengring, Unterlegring, abgefeilte dänische Krone mit Alufolie und Pinhole, zwei originale dänische Kronen.

Die Pinhole Konstruktion wird jetzt in den Filmkasten eingesetzt. Dann werden Unterlegring und Sprengring vorsichtig wieder angebracht. Die Münze sollte jetzt halbwegs fest im Filmkasten sitzen und nicht mehr herausfallen können. Um Reflektionen in der Kamera durch die Alufolie zu verhindern, sollte die Alufolie mit Hilfe einer rußenden Kerze geschwärzt werden. Leider konnte ich keine auftreiben die stark genug gerußt hat.

Filmkasten mit Pinhole-Krone, Unterlegscheibe und Sprengring.

Filmkasten mit Pinhole-Krone, Unterlegscheibe und Sprengring.

Jetzt kann genau wie im Originalzustand der Film am Fimkasten angebracht werden, anschließend kommt dieser dann wieder in das Gehäuse und dann kann es los gehen. Für die Berechnung der Belichtungszeiten empfiehlt es sich im Pinholedesigner nachzusehen. Diese Version kommt auf eine Blende von f222. Mit Pinholedesigner kann jetzt eine Tabelle mit Belichtungszeiten erzeugt werden. Dabei misst man mit einem Belichtungsmesser oder einer Kamera mit f22, sucht den gemessenen Wert in der Tabelle und kann in der Spalte daneben dann den Wert für f222 ablesen. Für verschiedene Filme gibt es im Pinholedesigner noch eine korrigierte Version der Tabelle.

Ergebnisse, die mit dem Aufbau erzielt wurden sind hier zu sehen.

Mit Polfiltern kann man nicht nur schönere Landschaftsaufnahmen machen, sondern auch Spektralfarben sichtbar. Dazu wird (klarer) Kunststoff mit polarisiertem Licht durchleuchtet, und dann von der anderen Seite mit einem Polfilter fotografiert. Spannungsverläufe werden dabei als Farbmuster sichtbar (Stichwort: Spannungsoptik). Was in der Werkstoffkunde zur Analyse von Kunststoff-Werkstücken eingesetzt wird, kann man auch für die kreative Fotografie ausnutzen.

Im Web habe ich dazu mal eine Anleitung gefunden, die bei mir ganz gut funktioniert hat. Eigentlich braucht man (abgesehen von einer Kamera, Lichtquelle und einem geeigneten Kunststoff) nur zwei Polfilter. Bei der Aufnahme unten wurde gemäß der Webquelle zudem Seifenlauge in eine Kunststoffschale gefüllt, um ein Motiv für ein Foto zu haben.

Bubbles

Konkret wurde auf einer Glühlampe ein Polfilter platziert, um das Licht zu polarisieren. Auf dem Polfilter wurde dann eine Kunststoffschale (in diesem Fall die Hülle des Polfilters) platziert, die mit Seifenlauge gefüllt war. Die Seifenblasen auf der Oberfläche wurden dann mit einem Makroobjektiv (durch einen 2. Polfilter) fotografiert. Als Sockel für den Filter fungierte übrigens mein guter alter Suppenschüssel-Blitzdiffusor, der sich dafür als sehr praktisch erwies.

DSC_7711.JPG

Durch Drehen des Polfilters ergeben sich verschiedene Farbmuster. Man kann natürlich auch mit verschiedenen Kunststoffen und Lichtquellen, sowie mit den Seifenblasen spielen. Übrigens funktionierte das Experiment bei mir nicht mit allen Kunststoffen, die ich ausprobiert habe; ein wenig Herumexperimentieren kann also nicht schaden. 🙂

Kamera: D80, mit Tamron 90mm/2.8.

Im Web habe ich mal gelesen, dass man mit einer Laser-Linse aus einem DVD-Player leicht ein Makroobjektiv für eine Handykamera basteln kann. Natürlich ist es grundsätzlich keine gute Idee, so ein Gerät aufzumachen und darin herumzustochern; das ist nicht ganz ungefährlich, und das Gerät ist danach Elektroschrott. Da mein alter CD-Player vor einiger Zeit aber ohnehin den Geist aufgegeben hat (und ich weder Stromschläge noch Laserstrahlen fürchte) wollte ich es mir aber nicht nehmen lassen, dieses Experiment todesmutig selbst durchzuführen.

Nach dem Öffnen des Gehäuses war es überraschend einfach, mit den Fingern die Linse samt Einfassung aus dem Laufwerk zu hebeln. Zuerst habe ich die obere Linse (1)  genommen, die am leichtesten zu erreichen war; darunter befand sich bei meinem Laufwerk noch eine weitere Linse (2), die schwerer zu erreichen war, sich jedoch auch mit sanfter Hebelkraft lösen ließ.

Die Einfassung der Linse (1), darunter die Linse (2) noch im Laufwerk.

Mit einem kleinen Messer bzw. zwei Zangen ließen sich die Linsen problemlos aus ihren Fassungen befreien.

Rechts die beiden Linsen (2) und (1); links die Fassung von Linse (2) (diese war einfach aufgeklebt).

Anschließend ließen sich die Linsen mit etwas Tesafilm leicht einigermaßen mittig auf die Handykamera kleben. Nicht schön, aber hält ganz gut.

Handykamera mit Linse (1): Sitzt, wackelt, und hat Luft.

Erste Tests mit den neuen „Objektiven“ sind vielversprechend. Die Vergrößerung ist beeindruckend, insbesondere bei der gewölbten Linse (1), die sehr stark bündelt. Damit war es schwer, überhaupt ein erkennbares Objekt für ein Testfoto zu finden, da man auch bei Münzen nur sehr kleine Ausschnitte erwischt (ca. 2mm x 3mm). Man muss dabei extrem nah an das Objekt herangehen, um ein scharfes Bild zu erhalten (ich vermute genauso nah, wie die Linse vorher zur CD positioniert war, also im Millimeter-Bereich).

England auf einer 1-Euro-Münze (ca. 2mm hoch), hier formatfüllend mit Linse (1) abgelichtet.

Linse (2) kann man leichter handhaben, da sie weniger stark vergrößert und vor allem der Abstand zum Motiv nicht so klein ist. Das fühlt sich mehr nach Makro an als die Mikroskop-Linse (1), und ist vom Einsatzbereich her um einiges vielfältiger.

Linse (1), aufgenommen mit Linse (2). Durchmesser des Motivs ist ca. 6mm.

Leider ist die Qualität meiner Handykamera ziemlich mies; da gibt es sicher bessere Modelle. Unterm Strich kann man so mit sehr einfachen Mitteln Makrofotografie betreiben. Dabei eröffnet die Tiefenschärfe der Handykameras tolle Gestaltungsmöglichkeiten. Außerdem lassen sich ausgemusterte Disk-Men, 4x-CD-Brenner und schrottreife CD-Player so noch für eine sinnvolle Verwendung ausschlachten.

Mal sehen, ob ich es damit schaffe, „gute“ Fotos zu machen! 🙂

Update: Geht.

Heute habe ich mal wieder ein neues Loch für mein Gehäusedeckelobjektiv gebastelt. Diesmal habe ich ein Stück Blech aus einer Erdnuss-Dose ausgeschnitten, und mit einer Nadel vorsichtig ein Loch hineingepiekst (drehend, um es möglichst rund zu bekommen). Dann habe ich beide Seiten des Blechs mit feinem Sandpapier abgeschliffen und eine Seite schwarz angemalt, um Reflektionen zu vermeiden.

Ich glaube es ist ein klein wenig zu groß geworden, aber von der Schärfe der Resultate her ist es bisher mein wohl bester Versuch:

D80 mit Pinhole-Gehäusedeckelobjektiv. 1/4s bei (ca.) f150 und 400 ASA.

Ich glaub ich werd erstmal dabei bleiben und demnächst versuchen, ob ich ansprechende Fotos damit hinbekomme. 🙂

Ich frage mich schon seit einiger Zeit, warum sich Leute in alle Öffentlichkeit mit diesen lächerlich aussehenden (andere empfinden das vielleicht als ‚Profihaft‘) Streulichtblenden montiert umher wandern. Das ist schließlich eine Kamera und keine Muskete.

Auf der anderen Seite ist mir das physikalische Prinzip natürlich klar: Streulicht fällt ein und verändert das Bild zum schlechteren. Aber das heißt ja noch lange nicht, dass ich das auch im Resultat sehe. Oder? Schon seit einigen Wochen frage ich mich ob eine Streulichtblende Sinn macht und wie sie meine Fotos beeinflussen würde – wenn ich eine hätte.

Heute ergab sich dann eine Gelegenheit um das ganze einmal auszuprobieren. Nach gefühlten 3 Jahren Wolken, Nebel und Dunkelheit ließ sich tatsächlich die Sonne blicken. Also schnell die Kamera gezückt. Die Sonne stand so, dass Licht von einem Dachfenster von vorne Links und leicht von oben ins Bild viel. Ich halte mich nicht für einen besonders talentierten Fotografen oder jemanden mit einem guten Auge. Aber selbst mir war auf Anhieb klar, dass etwas nicht stimmt. Die Farben waren total ausgewaschen, fast wie ein grauer Schleier der auf dem Bild lag.

Drinnen, Licht von vorne links oben. Ohne Streulichtblende sind die Farben sehr verwaschen.

Also schnell mit der linken Hand die Sonnenblende simuliert indem ich sie wie einen halben Trichter vorne an das Objektiv ansetzte und damit einen halben Bogen über dem Objektiv erhielt. Im Sucher der Kamera wurde sofort klar, dass es eine ziemlich gute Idee war. Plötzlich kamen die Farben wieder und das Bild sah etwa so aus wie ich es mir Vorstellte.

Drinnen, Licht von vorne links oben. Mit der Linken Hand eine Streulichtblende simuliert.

Wie gut der Effekt einer gekauften Streulichtblende ist, kann ich immer noch nicht sagen, aber eins ist mir klar geworden: Je nach Lichtverhältnissen kann es vielleicht das Bild retten. Im Zweifelsfall werde ich bei Sonne jedenfalls öfters mal die Hand über das Objektiv halten… Vielleicht kann man auch durch gezieltes weg lassen interessante kreative Effekte erzeugen.

PS: Die Bilder sind leider etwas unterschiedlich fokussiert, es gibt schönere Motive auf unserem Planeten und ja, ich sollte meine Bude mal wieder aufräumen. Ich hoffe man kann dennoch erkennen was ich sagen möchte 😉

Nach einer längeren Pause habe ich mich mal wieder mit Lochkameras beschäftigt; immerhin rückt der PinholeDay immer näher, und Vorbereitung ist bekanntermaßen alles. Also hab ich wieder mal etwas gebastelt.

Um die ideale Größe des Lochs für meine Kamera zu ermitteln, habe ich mich des Tools PinholeDesigner bedient, das hier vor kurzem schon angesprochen wurde. Das Tool läuft übrigens praktischerweise hervorragend mit Wine unter Mac OS (und vermutlich auch Linux).

Bei der Nikon D80 beträgt der Abstand vom Sensor bis zur Lochebene ziemlich genau 4,5 cm. Diesen Wert habe ich in das Tool eingegeben, was mir eine optimale Lochgröße von ca. 0,3 mm zurücklieferte. In der Idealen Kombination ergibt das eine Blende von f150.

Das Interface des PinholeDesigners.

Mangels eines geeigneten Bohrers habe ich wieder mit Alufolie und einer Nadel gearbeitet (ich sollte wirklich mal einen 0,3 mm Bohrer besorgen und auf Kupferblech umsteigen). Da meine dünnste Nadel mit ca. 0,5 mm immer noch viel zu dick ist für mein Gehäusedeckel-Objektiv, habe ich die Alufolie diesmal nur leicht mit der Spitze durchstoßen. Nachgemessen wurde wieder mit dem Scanner (1200 dpi) und Photoshop, was eine optimale Lochgröße von ca. 0,03 cm ergab. Yay!

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