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Category Archives: Box-Kamera

Wie schon in einem älteren Artikel erwähnt, ist die Pinhole Box die zum letzten World Pinhole Day zum Einsatz kam, alles andere als unschlagbar. Dennoch finde ich die Idee für den Umbau noch immer interessant und möchte daher eine kurze Bauanleitung veröffentlichen.
Grundlage für die Modifikation war eine etwa 60 Jahre alte AGFA Box 600 Kamera. Vermutlich funktioniert diese Anleitung aber für verschiedene AGFA Modelle vielleicht auch für einige Boxen anderer Hersteller.
Fertige Pinhole Box mit geöffnetem Verschluss.

Fertige Pinhole Box mit geöffnetem Verschluss.

Ab den 1930ern bis etwa 1960 entwickelten verschiedene Hersteller Box Kameras. Die AGFAs waren eher günstige Modelle, die in großen Stückzahlen produziert wurden. Es sind immer noch relativ viele in funktionsfähigem Zustand erhalten, was wahrscheinlich auch an ihrer einfachen Bauweise liegt. Die AGFA hat durch diese einfache Bauweise eine Art „Macke“, die bei diesem Projekt gerade von Vorteil sein könnte: Der Filmkasten muss, wie auf unten stehendem Bild zu sehen, zum Filmwechsel komplett herausgenommen werden.

AGFA Box 600 mit Filmkasten

Bei der AGFA Box 600 ist auch die Linse (also das Objektiv) selbst in diesem Filmkasten angebracht. Entnimmt man den Filmkasten dem Gehäuse, kann man also recht problemlos an dem „Objektiv“ arbeiten, ohne das fragile Gehäuse der Kamera zu beschädigen. Die Linse sitzt in dem Zylinder und wird von einem Unterlegring und einem Sicherungsring fest gehalten. Mit einer Spitzzange oder einem Messer kann man nun den Sicherungsring an einem Ende fassen und vorsichtig aus der Kamera ziehen. Anschliessend werden der Unterlegring und die Linse vorsichtig von innen aus dem Filmkasten heraus gedrückt. Voilá, Platz für unser neues Objektiv. Der Zylinder in dem sich die Bauteile befinden hat mehrere Vertiefungen, die dem Sicherungsring halt geben. alle Bauteile müssen an diesen Vertiefungen vorbei, was evtl. nicht ganz einfach ist ohne die Linse zu beschädigen.

Ausgebaute Linse, Unterlegring, Sicherungsring

Jetzt wird natürlich ein Pinhole benötigt, das genau den Platz der alten Linse einnimmt. Alufolie bietet sich für Pinholes an. Allerdings benötigt man dann noch einen Träger, der in etwa so groß wie die alte Linse ist. Die dänische Krone (die Münze) passt ziemlich gut an den vorgesehenen Platz und hat sogar schon ein Loch in der Mitte, dass beim zentrieren des Pinholes hilft, daher habe ich mich für die Münze entschieden. Es sollten aber auch Unterlegscheiben oder Ähnliches verwendbar sein. Als nächstes wird das Pinhole und der Träger vorbereitet:

  1. Laut Pinholedesigner muss das Loch 0,44mm sein, damit es zur Brennweite der Box passt. Dazu nehmen wir ein Stück Alufolie und schneiden ein Rundes Stück aus, dass an allen Seiten 5-10mm über das Geldstück übersteht. Einigermassen in der Mitte muss jetzt das Pinhole (0,44mm) angebracht werden.
  2. Die Münze musste außen mit einer handelsüblichen Metallfeile noch etwas kleiner gefeilt werden. Nach einer Weile feilen passte sie perfekt in den Filmkasten. Einfach immer schön rund feilen und ab und zu mal probieren ob sie schon leicht in den Filmkasten passt.
  3. Wenn die Münze passt und die Alufolie fertig sind, legt man die Folie auf den Tisch. Anschliessend wird die Münze daraufgelegt und das Pinhole genau in der Mitte des Münzlochs zentriert. Dann die Alufolie vorsichtig um den Rand der Münze umschlagen. Das wird nun an allen Seiten wiederholt, bis die Folie die Münze am Rand überall umschliesst, so dass die Folie die Münze festhält und nicht mehr verrutschen kann.
Bauteile von links nach rechts: Sprengring, Unterlegring, abgefeilte dänische Krone mit Alufolie und Pinhole, zwei originale dänische Kronen.

Bauteile von links nach rechts: Sprengring, Unterlegring, abgefeilte dänische Krone mit Alufolie und Pinhole, zwei originale dänische Kronen.

Die Pinhole Konstruktion wird jetzt in den Filmkasten eingesetzt. Dann werden Unterlegring und Sprengring vorsichtig wieder angebracht. Die Münze sollte jetzt halbwegs fest im Filmkasten sitzen und nicht mehr herausfallen können. Um Reflektionen in der Kamera durch die Alufolie zu verhindern, sollte die Alufolie mit Hilfe einer rußenden Kerze geschwärzt werden. Leider konnte ich keine auftreiben die stark genug gerußt hat.

Filmkasten mit Pinhole-Krone, Unterlegscheibe und Sprengring.

Filmkasten mit Pinhole-Krone, Unterlegscheibe und Sprengring.

Jetzt kann genau wie im Originalzustand der Film am Fimkasten angebracht werden, anschließend kommt dieser dann wieder in das Gehäuse und dann kann es los gehen. Für die Berechnung der Belichtungszeiten empfiehlt es sich im Pinholedesigner nachzusehen. Diese Version kommt auf eine Blende von f222. Mit Pinholedesigner kann jetzt eine Tabelle mit Belichtungszeiten erzeugt werden. Dabei misst man mit einem Belichtungsmesser oder einer Kamera mit f22, sucht den gemessenen Wert in der Tabelle und kann in der Spalte daneben dann den Wert für f222 ablesen. Für verschiedene Filme gibt es im Pinholedesigner noch eine korrigierte Version der Tabelle.

Ergebnisse, die mit dem Aufbau erzielt wurden sind hier zu sehen.

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Tja, eines kann ich schon vorweg nehmen: Die umgebaute pinhole Box ist alles andere als unschlagbar geworden. Irgendwelche Teile der Box sind im Weg und erzeugen auf dem Bild die fieseste Vignette, die die Menschheit je sah. Die Sucher der Box sind – obwohl nicht modifiziert – auch der letzte Schrott. Und zu allem Überfluss schneidet der Scanner, der mir gerade zur Verfügung steht an den Seiten noch ein paar Millimeter ab *grml*.

Einige der Bilder sind trotzdem ganz schön geworden und durch die riesige Negativ-Fläche (6cm x 9cm) sogar auch einigermaßen scharf.

Dillenburgs landmark and symbol through a pinhole camera

Dillenburgs landmark and symbol through a pinhole camera.

Das obenstehende Bild habe ich dann am Ende auch auf pinholeday.org eingereicht. Es sollte irgendwann unter diesem Link erreichbar sein: http://www.pinholeday.org/gallery/2011/index.php?id=3151

World Pinhole Day 2011 - Amtsgericht, Weilburg

World Pinhole Day 2011 - Amtsgericht, Weilburg.

World Pinhole Day 2011 - Villa Grün, Dillenburg

World Pinhole Day 2011 - Villa Grün, Dillenburg.

Dieses Bild ist jetzt schon etwas älter und irgendwie muss ich vergessen haben es hier mal einzustellen. Bei dem Motiv handelt es sich um eine Box 600 (Synchrobox). Während dieses Foto entstand, war ein Film eingelegt. Ich hoffe ich habe ihn durch den Blitz nicht beschädigt, denn es wurde auch mit der Box unter Studiobedingungen fotografiert. (Nachtrag: Der Film hat durch das fiese anblitzen tatsächlich keinen Schaden genommen. Die Dinger sind besser als man so denkt.)

Abbildung der Box 600 (Synchrobox)

Box 600 (Synchrobox) im Studio fotografiert.

Das Schmuckstück hat übrigens 2,50 € auf Ebay gekostet und sieht aus wie neu.

Heute war mein erster Film aus der Zeiss-Box Tengor abholbereit. Die Box-Kamera von Zeiss Ikon mit der Modelnummer 54/2 stammt vermutlich von ca. 1937 und gehörte damals zu den anspruchsvolleren Modellen. Sie verfügt über ein achromatisches „Goertz-Frontar“ Objektiv mit Lichtstärke 11, was für damalige Verhältnisse ziemlich edel war, und zwei Brilliantsucher für Hoch- und Querformat. Man kann drei verschiedene Lochblenden auswählen (11, 16, 22), und Nahlinsen für die Bereiche 1-2m sowie 2-8m vorschalten (jeweils einstellbar mit Hebeln an der Frontseite). Die Verschlusszeit beträgt ca. 1/25 Sekunde (weshalb Box-Aufnahmen häufig verwackelt sind), oder „Bulb“ für Langzeitbelichtungen und Blitzaufnahmen. Der Auslöser ist arretierbar, und es gibt einen Drahtauslöseranschluss. Die Box mag Rollfilme im Standardformat 120; weitergespult wird mit einem einfachen Drehknopf, wobei ein rotes, verschließbares Sichtfenster am hinteren Teil der Kamera die Fotonummer anzeigt.

In meinem Fall handelte es sich um einen T-Max 100 Rollfilm (schwarz-weiss), der mit dem „normalen“ Farbnegativ-Laborprozess C41 entwickelt wurde. Die 6×9 Negative habe ich mit 1200 DPI eingescannt und nur etwas mit Picasa nachbearbeitet (Kontrastkorrektur, Entfernung von Staub und Kratzern, etc.).

Hier meine Favoriten:

Mein erstes Box-Foto überhaupt. "Stilsicher" leicht verwackelt, mit "Standard"-Verschlusszeit ca. 1/25 mit Blende 16 aus dem Fenster aufgenommen.

Marienstatute, ebenfalls mit 1/25 aus der Hand aufgenommen mit Naheinstellung und Blende 16.

Stilleben auf dem Dachboden. Aufgenommen mit Stativ und Drahtauslöser bei gestoppten 8 Sekunden Belichtungszeit und Blende 11.

Beeindruckend, was mit einem ca. 70 Jahre alten Blechkasten möglich ist. 🙂

Box-Kameras erlebten als erste Massenkameras Ihre Blütezeit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Spartanisch ausgestattet bieten sie in der Regel nur wenige Einstellungsmöglichkeiten. Ein Blitzanschluss wie an der AFGA Box 600 ist geradezu luxuriös und einige Modelle besitzen nicht einmal den üblichen Stativanschluss. Auf der anderen Seite sind die einfachen Kameras nahezu unverwüstlich und bestechen auch heute noch durch ihre Einfachheit, zumal man auch nach mehr als 70 Jahren immer noch problemlos Rollfilme dafür bekommt.

Modelle

Bisher konnten wir drei verschiedene Box-Modelle testen.

  • Zeiss Ikon Tengor I 54/2 (ca. 1937). Feste Verschlusszeit ca. 1/25 oder „Bulb“-modus, drei Blendenstufen (22/16/11) und drei Entfernungsbereiche (1-2m, 2-8m, 8m-unendlich).
  • AGFA Box 50 (ca. 1950). Feste Verschlusszeit (im Netz finden sich Werte von 1/30 bis 1/50 Sekunde) oder Bulb. Zwei Blendenstufen durch Lochblech (vermutlich 8 und 11, auch hier finden sich unterschiedliche Angaben), sowie einen Gelbfilter. Ein Entfernungsbereich 3m-unendlich. Stativanschluss.
  • AGFA Box 600 (Synchro Box) (ca. 195x). Wie Box 50 nur zusätzlich mit Anschluß für ein Blitzgerät. Die Kontakte sind scheinbar nicht kompatibel mit aktuellen Blitzgeräten.

Eine Übersicht findet man z.B. auf Wikipedia, und Camerapedia.

Filme

Box-Kameras sind in der Regel für 120er Rollfilm ausgelegt und belichten im Format 6 cm x 9 cm, was acht Aufnahmen pro Film ergibt. Wegen der ungenauen Belichtung der Kameras bietet es sich an, Negativfilme zu verwenden.

Wir haben bisher mit folgenden Filmen experimentiert:

  • T-Max ISO 100
  • Kodak Portra VC 160
  • Ilford Delta 100

Einige Filme sind noch in der Kamera bzw. in Entwicklung; Ergebnisse werden nachgeliefert! Read More »