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Category Archives: analog

Photographer’s Notebook: Neues Design.

Bei der analogen Fotografie muss man sich die Kameraeinstellungen notieren wenn man später, wenn der Film entwickelt ist, noch wissen möchte unter welchen Bedingungen das Foto entstanden ist. Dazu verwendet man in der Regel ein Notizbuch, in das die Werte mit Datum und Fotonummer versehen eingetragen werden können. Ein einfacher Zettel tut es im Prinzip natürlich auch.

Ich selbst bin schrecklich undiszipliniert was die Dokumentation meiner analogen Foto-Experimente angeht, unter anderem auch weil ich das Hantieren mit Notizbuch und Bleistift „im Feld“ eher unpraktisch finde. Vor einigen Jahren brachte uns ein Blogeintrag eines Fotografen im Internet auf die Idee, dass man die Metadaten von Fotos ja auch mittels einer App auf dem Handy notieren könnte. Das hat den Vorteil mit einer Hand bedienbar zu sein, und die Daten liegen direkt in einem digitalen Format vor — was insbesondere dann praktisch ist wenn man die Fotos später scannen möchte. Die Idee zu „Photographer’s Notebook“ war geboren.

Nach mehreren Jahren Entwicklungsarbeit mit Unterstützung einer studentischen Projektgruppe an der Universität Siegen ist die App mittlerweile fertig im Play Store sowie bei F-Droid für Android Geräte erhältlich. Es handelt sich ausdrücklich um eine Beta Version die auch aktuell (mangels Zeit) nicht weiterentwickelt wird. Das meiste funktioniert aber ganz gut, und da die App Open Source ist kann sich jeder mit Zeit und Android-Know How gern an der Weiterentwicklung beteiligen (Repository: https://bitbucket.org/sdraxler/photographers-notebook/).

Viel Spaß beim Ausprobieren, vielleicht kann ja der ein oder andere etwas damit anfangen.

Euer Alex

Update:

Wir haben’s nicht lassen können und doch in den letzten Wochen noch etwas an der App gearbeitet. Insbesondere sieht die App jetzt mehr nach Android aus (mit HOLO-Theme und Action Bar), viele Funktionen sind jetzt besser erreichbar als vorher, und das Design wurde aufgehübscht mit dynamisch generierten Film-Icons statt der wenig intuitiven Foto-Preview. Ausserdem haben wir bei der Gelegenheit noch den Code etwas aufgeräumt und eine Reihe von Bugs gefunden und repariert.

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Wein (provinzlateinisch vino aus lat. vinum und darüber hinaus vermutlich ein Wanderwort, das aus den semitischen in die indogermanischen Sprachen gelangt ist) ist ein alkoholisches Getränk, das aus dem vergorenen Saft von Weinbeeren hergestellt wird….jajaja…

Für mich ist Wein seit heute in erster Linie eine super Alternative in der Negativentwicklung.

Nach diversen Ausflügen in die Dunkelkammer und die eigene Negativentwicklung, nach Experimenten mit Kaffee und verschiedenen Filmen in der Rotationsentwicklung schrie mein Laborherz nach neuen Aufgaben…Diese Aufgabe entdeckte ich im Zauberwort Wineol.

Wineol ist ein alternativer Negativentwickler auf der Basis von billigem…und wirklich furchtbar billigem…Rotwein…und nein, der war wirklich nicht zu schade dafür. Das Rezept fand ich auf der Seite von Kwerfeldein und wurde dort von Tobias Pohl erwähnt.

Bei Wineol macht man sich genau wie bei Caffenol die Säure zu nutzen, gute Ansätze hatte Tobias Pohl schon bei diversen Filmen und Entwicklungsmethoden gemacht. So entschloss ich mich eine von Ihm bereits getestete Kombi mit (einem meiner Favoriten) dem Ilford FP4+ nachzukochen. Allerdings lagen nur Erfahrungswerte für die Kippentwicklung vor. Deswegen legte ich die Faustregel 1/3 weniger Entwicklungszeit bei gleicher Temperatur fest, die ich aus eigener Rotationserfahrung ableiten konnte.

 

Das Rezept:

 

 

 

 

 

450 ml Rotwein, hier empfielt sich der Merlot pays d’oc 2010 vom Aldi. Spätere Versuche mit noch billigerem Wein aus dem Tetrapack waren weniger ergiebig im Ergebnis.

45 g Waschsoda

2-4 g Ascorbinsäure

Das ganze Mixen und die Nase dabei zuhalten, was dabei rauskommt ist schwarz/blau und stinkt wie die Pest.

Wie bereits erwähnt entschied ich mich für die Rotationsentwicklung bei 21 Grad C und 30 Minuten.

Alles wie gehabt, Testfilm einspulen, vorwässern, Wineol (beim Einfüllen habe ich ein Sieb benutzt um eventuellen Weingrieß oder ähnliches auf dem Film zu vermeiden), wässern, fixieren, schlußwässern, fertig…und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Details in den Regentropfen und Himmel gut sichtbar.

Der Himmel ist verhältnismäßig gut ausdefiniert.

 

Das Nagativ ist gut entwickelt,leichte Körnung, details sind vorhanden. Ich hätte mit einer Rotfärbung gerechnet, statt dessen haben die Negative einen ganz leichten Sepiaton der beim Scannen jedoch weitgehend verschwindet.

 

Ich werde weitere Test machen, da ich den Ilford FP4+ im Prinzip liebe, er aber nicht soooo gut auf Wein anspringt wie ich mir das gedacht habe, ist wohl eher ein Weißweintrinker 😉 …naja, mag auch an dem modernen Trägermaterial liegen.

Hab da noch ne Einladung auf  ein bis zwei Gläser mit einem Rollei Retro 80s. Mal schauen wie die Entwicklung ausfällt da es sich bei dem Retro ja um einen Film mit klassischen Trägermaterial handelt, welches nach meiner Erfahrung besser auf alternative Entwickler reagiert.

 

Oder doch mit Urin versuchen? Naja…

 

Bis dahin

 

Gut Licht und Prost

 

Christian

 

Die Dunkelkammer:

Nachdem ich in den Bereichen analoge Fotografie und eigene Negativentwicklung gute Fortschritte gemacht hatte, keimte in mir der Wunsch meine Bilder nicht nur aufzunehmen und die Negative selbst zu entwickeln, sondern in der Dunkelkammer auch selbst auszuarbeiten…zu meinem Glück gab es die Grundausrüstung noch im Keller der Familie, so hatte ich nicht viel Anschaffungskosten. Darüber hinaus bekommt man eine gute Grundausrüstung schon, das Internet macht’s möglich, ab € 60 – € 120.

 Was braucht man für den Anfang?…Lust und Ausdauer, ein paar Gerätschaften und Chemie. Ausdauer deshalb, weil die Bedingungen in einer Dunkelkammer nicht immer die tollsten sind. Warm, Essigduft etc. Man kann ja nicht mal eben ein Fenster aufmachen. Hat man sich jedoch daran gewöhnt und macht genügend Pausen (was man am Anfang echt schnell vergessen kann), dann macht die Arbeit im Rotlicht echt spaß.

Welche Geräte und Chemie braucht man?…Natürlich eine Kammer ohne Lichteinfall mit schwarzen Wänden. Ich habe ein altes Badezimmer im Keller meiner Eltern gewählt, bei dem ich alle möglichen Ritzen (Lüftungsgitter, Türschlösser etc.) mit schwarzem Klebeband verschlossen habe. Auf schwarze Wände habe ich dabei verzichtet, wer will schon ein schwarzes Badezimmer. Eine Heizung ist gut, aber nicht von Nöten. Dafür aber eine Steckdose sowie fließendes Wasser (warm und kalt). Wichtig ist, dass ihr Trocken- und  Nassbereich trennt.

Die Chemie:

Entwickler, Stoppbad, Fixierer und Wasser. Ich verwende wie bei der Negativentwicklung die Produkte von Tetenal.

Entwickler: Tetenal Eukobrom

Mischung: 1+9= (für einen Liter Lösung gerechnet) 100ml Entwickler+900ml Wasser (20°C).

Stoppbad mische ich selbst aus Wasser und Essigessenz an.

Mischung: 950mlWasser (20°C) +50ml 20% Essigessenz.

Fixierer: Tetenal Superfix

Mischung je nach Fixiergeschwindigkeit: 1+3- 1+9

= (für einen Liter Lösung gerechnet) bei 1+9 (Fixiergeschwindigkeit ca. 2-3 min) 100ml Fixierer+900ml Wasser (ihr ahnt es schon 20°C).

Wasser für die Schlusswässerung: (natürlich 20°C). Für die Schlusswässerung lasse ich mir einfache ein Waschbecken, oder die Badewanne ein, da man so das Wasser immer mal wieder problemlos und ohne viel Aufwand austauschen kann.

Die Geräte:

–          ein Vergrößerer mit Opallampe (Neuere haben auch Halogenlampen), Objektiv, Belichtungsuhr und Bildbühne. Wichtig ist ein einschwenkbarer Rotfilter. Einen guten Artikel zu dem Thema findet ihr hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Vergr%C3%B6%C3%9Ferungsger%C3%A4t#Schwarzwei.C3.9F-Vergr.C3.B6.C3.9Ferungen

–          Vier Entwicklungsschalen mit je einer Entwicklungszange.

–          Messbecher, Schalenthermometer, ein Trichter pro Schale in der sich    Chemie befindet.

–          Eine Lampenfassung mit einer roten Duka- Leuchte.

–          1 Bleistift, 1 Schere, Küchenrolle, 1 Wäscheleine, Wäscheklammern,  1 Mehrfachstecker, 2 Arbeitsflächen (Tischplatten oder ähnliches), ein Kanister für die Fotochemie, Handschuhe zum Ansetzen der Chemie.

–          Fotopapier: Ich verwende Tetenal Work PE- Papier und Ilford Barytpapier. Den Unterschied erkläre ich später genauer.

Die Geräte und die Entwicklungsschalen so aufbauen, dass ein Work- Flow entsteht. Ich bin Linkshänder und so komme ich am Besten mit dem Ablauf von links nach rechts klar. Ganz links das Papier, dann der Vergrößerer und anschließend auch die Schalen von links nach rechts aufgebaut. Muss jeder für sich selbst herausfinden.

Wie mache ich einen Positivabzug?…Erst einmal die Chemie ansetzen und die Schalen richtig aufstellen: Entwickler Stoppbad Fixierer Schlusswässerung.

Zwischen Vergrößerer und Steckdose muss die Belichtungsuhr geschaltet werden. Über diese Belichtungsuhr kann jetzt die Lampe des Vergößerers gesteuert werden.

Licht aus, Rotlicht an. Beachtet, dass es eine spezielle Dunkelkammerlampe sein muss deren Wellenlänge nicht mit dem empfindlichen Fotomaterial reagiert. Es kann durchaus sein, dass ihr ein Papier erwischt welches auch mit grün- gelbem Licht verarbeitet werden kann, der Vorteil ist, dass es wesentlich heller in der Dunkelkammer ist. Steht aber alles auf den Verpackungen der Papiere.

Über die Belichtungsuhr den Vergößerer anschalten und den Rotlichtfilter vor das Licht schwenken. Aus einem Blatt Fotopapier jetzt mehrere Streifen schneiden, die braucht man zur Ermittlung der Belichtung. Achtet darauf, dass ihr das Papier nur im Rotlicht öffnet, da beim kleinsten „echten“ Lichtstrahl das Papier sofort angegriffen wird.

In die Bildbühne jetzt das gewünschte Negativ einlegen und ausrichten. Auf der Rückseite eines Fotopapiers kann man jetzt die Größe des Negativs oder eines Ausschnitts einstellen. Anschließend die Schärfe einstellen.Das Einstellen ist bei Rotlicht nicht ganz so einfach, hierfür gibt es spezielle Lupen. Die kosten aber auch dementsprechend. Einfacher ist es meiner Meinung nach die Rückseite von einem Blatt Fotopapier zu nehmen und die Schärfe eben bei Vergrößererlicht ohne Rotfilter einzustellen und dann den Rotfilter wieder vorzuschwenken.

Jetzt einen der vorbereiteten Streifen nehmen und mit dem Bleistift in 4- 6 Felder aufteilen (nehmt dafür keinen Filzstift, da dieser sich in der Entwicklungschemie auswäscht).

Dazu ein Blatt dunkles Papier nehmen. An der Belichtungsuhr 2 Sek. einstellen. Licht des Vergößeres ausschalten, Rotfilter wegschwenken, erstes Feld mit 2 Sek. belichten, dabei mit dem Blatt Papier den Rest abdecken. Dann das erste und das zweite Feld mit 2 sek. belichten usw. bis der gesamte Streifen belichtet ist. Das erste Feld ist jetzt mit insgesamt 8 Sek. belichtet, das zweite mit 6 Sek., das dritte mit 4 Sek. usw. So ist auf dem Teststreifen ein breites Belichtungsspektrum.

Den Streifen in den Entwickler legen. Bei der Entwicklung darauf achten, dass die Wanne leicht gewiegt wird, damit ein mögliches Konzentrationsgefälle im Wasser umgangen wird…hin und her, hin und her…bis ihr das Motiv auf dem Streifen erkennen könnt. Ab ins Stoppbad, ca. 10 Mal hin und her wiegen. In den Fixierer für 3- 4 min. Schlusswässern…Fertig.

Auf dem Streifen erkennt ihr jetzt wie das Motiv mit verschiedenen Zeiten belichtet aussieht, oder ob ihr eventuell doch kürzer oder länger belichten müsst. Die 2 Sek. sind eine grobe Peilmarke von mir. Je heller das Negativ, desto dunkler das Bild. Also muss die Belichtungszeit entsprechend kurz sein. Bei dunklen Negativen ist dann natürlich das Gegenteil der Fall, lange Belichtung, damit das Licht gut durchscheinen kann.

Entwicklung eines zu dunklen Negativs...23 Minuten

Wenn ihr eine Belichtungszeit ermittelt habt, geht es ans Ausbelichten.

Als erstes den Rotfilter vorschwenken, Vergößererlicht an, Fotopapier auslegen, Zeit einstellen, Licht aus, Rotfilter wegschwenken, Bild belichten, Fotopapier entwickeln…Fertig.

Wenn der Negativfilm auf allen Bildern gleich belichtet wurde (also z.B. 36 Aufnahmen bei 100 ASA), muss man nicht unbedingt für jedes Positiv einen Belichtungstest machen. Sobald ein Film mit einer anderen ASA- Zahl entwickelt werden soll, oder ein besonderes Motiv auf dem Film ist, lohnt sich ein neuer Teststreifen.

Pause nicht vergessen

Am Ende der Dunkelkammerarbeit kann man noch einen Kontaktbogen erstellen. Dazu einfach die verwendeten Negative eines Films auf einen Bogen Fotopapier legen und belichten (so lange wie ihr auch die Negative belichtet habt), entwickeln…Fertig.

Noch ein kleiner Praxistipp: Alle Vergrößererobjektive haben Blendenringe mit denen ihr wie beim Fotografieren auch Belichtungszeit und Schärfentiefe des Positivs beeinflussen könnt, so können mitunter kleinere Unschärfen behoben werden.

Noch ein paar Worte zu Fotopapier und Entwicklung.

Barytpapier…enthält eine Schicht aus Bariumsulfat, welches das Papier vor einsinken der Entwicklungsemulsion in die tieferen Schichten schützen soll. Dabei hellt das Bariumsulfat das Papier aufgrund seiner Eigenschaften auch noch auf. Barytpapier ist ein recht edles Papier, da es sich durch besonders hohe Qualität mit reinem Weiß, tiefem Schwarz und guten Grauwerten auszeichnet. Ein weiterer Vorteil von Baryt ist die längere Haltbarkeit von bis zu 100 Jahren. Leider lässt sich Barytpapier nur sehr mühselig verarbeiten, denn das Papier saugt sich mit Chemie voll und muss danach lange und intensiv gewässert werden (ich leg es in die Badewanne), außerdem verzieht es sich beim trocknen, weshalb früher Barytpressen verwendet wurden.

PE- Papiere…sind mit einer Schicht Polyäthylen umgeben die verhindern soll, dass die Entwicklungsemulsion in das Papier eindringt. Die korrekte Bezeichnung lautet PE- RC Papier (RC= resin coated). So muss das Papier nur kurz gewässert werden, da die Chemie nicht tief in das Papier eindringen kann. Zudem lässt es sich schneller trocknen, da es nur relativ kurz mit Flüssigkeit in Berührung kommt.

Fotochemie…irgendwann ist auch mal die schönste Suppe kalt und schlecht, genauso ist es mit der Fotochemie. Achtet bei dem Umgang mit den angesetzten Lösungen darauf, dass sie nicht unter 20°C fallen da sich dadurch die Entwicklungszeiten extrem verändern. Des Weitern wird irgendwann die Chemie keine Wirkung mehr haben, dann ist der PH- Wert (Entwickler: 10- 11,5, Fixierer: 4,10 – 4,30) überschritten und das heißt, keine wirklich gute Entwicklung mehr. Abhilfe schaffen da PH- Wert- Teststreifen, mit denen man jederzeit messen kann. Mit einem Liter Entwicklersuppe komme ich bei konstant 20°C ungefähr auf 15-20 A4- Bilder. Die Teststreifen für das Fixierbad zeigen dazu noch den Silbergehalt im Fixierer an. Fixierbäder können nur eine begrenzte Menge an Silberkonzentration aufnehmen bis sie erschöpfen.

So das war es erst einmal, ich hoffe ihr könnt was damit anfangen.

 

Allseits gut Licht und viel Spaß beim Nachkochen.

 

 

Christian

 

Wie schon in einem älteren Artikel erwähnt, ist die Pinhole Box die zum letzten World Pinhole Day zum Einsatz kam, alles andere als unschlagbar. Dennoch finde ich die Idee für den Umbau noch immer interessant und möchte daher eine kurze Bauanleitung veröffentlichen.
Grundlage für die Modifikation war eine etwa 60 Jahre alte AGFA Box 600 Kamera. Vermutlich funktioniert diese Anleitung aber für verschiedene AGFA Modelle vielleicht auch für einige Boxen anderer Hersteller.
Fertige Pinhole Box mit geöffnetem Verschluss.

Fertige Pinhole Box mit geöffnetem Verschluss.

Ab den 1930ern bis etwa 1960 entwickelten verschiedene Hersteller Box Kameras. Die AGFAs waren eher günstige Modelle, die in großen Stückzahlen produziert wurden. Es sind immer noch relativ viele in funktionsfähigem Zustand erhalten, was wahrscheinlich auch an ihrer einfachen Bauweise liegt. Die AGFA hat durch diese einfache Bauweise eine Art „Macke“, die bei diesem Projekt gerade von Vorteil sein könnte: Der Filmkasten muss, wie auf unten stehendem Bild zu sehen, zum Filmwechsel komplett herausgenommen werden.

AGFA Box 600 mit Filmkasten

Bei der AGFA Box 600 ist auch die Linse (also das Objektiv) selbst in diesem Filmkasten angebracht. Entnimmt man den Filmkasten dem Gehäuse, kann man also recht problemlos an dem „Objektiv“ arbeiten, ohne das fragile Gehäuse der Kamera zu beschädigen. Die Linse sitzt in dem Zylinder und wird von einem Unterlegring und einem Sicherungsring fest gehalten. Mit einer Spitzzange oder einem Messer kann man nun den Sicherungsring an einem Ende fassen und vorsichtig aus der Kamera ziehen. Anschliessend werden der Unterlegring und die Linse vorsichtig von innen aus dem Filmkasten heraus gedrückt. Voilá, Platz für unser neues Objektiv. Der Zylinder in dem sich die Bauteile befinden hat mehrere Vertiefungen, die dem Sicherungsring halt geben. alle Bauteile müssen an diesen Vertiefungen vorbei, was evtl. nicht ganz einfach ist ohne die Linse zu beschädigen.

Ausgebaute Linse, Unterlegring, Sicherungsring

Jetzt wird natürlich ein Pinhole benötigt, das genau den Platz der alten Linse einnimmt. Alufolie bietet sich für Pinholes an. Allerdings benötigt man dann noch einen Träger, der in etwa so groß wie die alte Linse ist. Die dänische Krone (die Münze) passt ziemlich gut an den vorgesehenen Platz und hat sogar schon ein Loch in der Mitte, dass beim zentrieren des Pinholes hilft, daher habe ich mich für die Münze entschieden. Es sollten aber auch Unterlegscheiben oder Ähnliches verwendbar sein. Als nächstes wird das Pinhole und der Träger vorbereitet:

  1. Laut Pinholedesigner muss das Loch 0,44mm sein, damit es zur Brennweite der Box passt. Dazu nehmen wir ein Stück Alufolie und schneiden ein Rundes Stück aus, dass an allen Seiten 5-10mm über das Geldstück übersteht. Einigermassen in der Mitte muss jetzt das Pinhole (0,44mm) angebracht werden.
  2. Die Münze musste außen mit einer handelsüblichen Metallfeile noch etwas kleiner gefeilt werden. Nach einer Weile feilen passte sie perfekt in den Filmkasten. Einfach immer schön rund feilen und ab und zu mal probieren ob sie schon leicht in den Filmkasten passt.
  3. Wenn die Münze passt und die Alufolie fertig sind, legt man die Folie auf den Tisch. Anschliessend wird die Münze daraufgelegt und das Pinhole genau in der Mitte des Münzlochs zentriert. Dann die Alufolie vorsichtig um den Rand der Münze umschlagen. Das wird nun an allen Seiten wiederholt, bis die Folie die Münze am Rand überall umschliesst, so dass die Folie die Münze festhält und nicht mehr verrutschen kann.
Bauteile von links nach rechts: Sprengring, Unterlegring, abgefeilte dänische Krone mit Alufolie und Pinhole, zwei originale dänische Kronen.

Bauteile von links nach rechts: Sprengring, Unterlegring, abgefeilte dänische Krone mit Alufolie und Pinhole, zwei originale dänische Kronen.

Die Pinhole Konstruktion wird jetzt in den Filmkasten eingesetzt. Dann werden Unterlegring und Sprengring vorsichtig wieder angebracht. Die Münze sollte jetzt halbwegs fest im Filmkasten sitzen und nicht mehr herausfallen können. Um Reflektionen in der Kamera durch die Alufolie zu verhindern, sollte die Alufolie mit Hilfe einer rußenden Kerze geschwärzt werden. Leider konnte ich keine auftreiben die stark genug gerußt hat.

Filmkasten mit Pinhole-Krone, Unterlegscheibe und Sprengring.

Filmkasten mit Pinhole-Krone, Unterlegscheibe und Sprengring.

Jetzt kann genau wie im Originalzustand der Film am Fimkasten angebracht werden, anschließend kommt dieser dann wieder in das Gehäuse und dann kann es los gehen. Für die Berechnung der Belichtungszeiten empfiehlt es sich im Pinholedesigner nachzusehen. Diese Version kommt auf eine Blende von f222. Mit Pinholedesigner kann jetzt eine Tabelle mit Belichtungszeiten erzeugt werden. Dabei misst man mit einem Belichtungsmesser oder einer Kamera mit f22, sucht den gemessenen Wert in der Tabelle und kann in der Spalte daneben dann den Wert für f222 ablesen. Für verschiedene Filme gibt es im Pinholedesigner noch eine korrigierte Version der Tabelle.

Ergebnisse, die mit dem Aufbau erzielt wurden sind hier zu sehen.

Tja, eines kann ich schon vorweg nehmen: Die umgebaute pinhole Box ist alles andere als unschlagbar geworden. Irgendwelche Teile der Box sind im Weg und erzeugen auf dem Bild die fieseste Vignette, die die Menschheit je sah. Die Sucher der Box sind – obwohl nicht modifiziert – auch der letzte Schrott. Und zu allem Überfluss schneidet der Scanner, der mir gerade zur Verfügung steht an den Seiten noch ein paar Millimeter ab *grml*.

Einige der Bilder sind trotzdem ganz schön geworden und durch die riesige Negativ-Fläche (6cm x 9cm) sogar auch einigermaßen scharf.

Dillenburgs landmark and symbol through a pinhole camera

Dillenburgs landmark and symbol through a pinhole camera.

Das obenstehende Bild habe ich dann am Ende auch auf pinholeday.org eingereicht. Es sollte irgendwann unter diesem Link erreichbar sein: http://www.pinholeday.org/gallery/2011/index.php?id=3151

World Pinhole Day 2011 - Amtsgericht, Weilburg

World Pinhole Day 2011 - Amtsgericht, Weilburg.

World Pinhole Day 2011 - Villa Grün, Dillenburg

World Pinhole Day 2011 - Villa Grün, Dillenburg.

 

 

Ein kleines Rezept

Man nehme:

1 Entwicklungsdose mit zwei Selbstladespulen (ich verwende einen AP- Tank, günstig und gut)

1 lichtdichte Dose (ich benutze einen alten JOBO- Tank)

1 Eimer oder großen Topf für ca. 5Liter Wasser mit einem Messbecher zum Wasser schöpfen

1 Laborthermometer

1 Waschbecken und eine Chemikalienfeste Unterlage

2 Chemikalienflaschen (gibt es auch im Reformhaus als Apothekerflaschen),
2 Messbecher und 2 Trichter aus dem Kaufhaus (die Messbecher sollten eine Millilitereinteilung und bis zu 500 ml Fassungsvermögen haben)

2 große Joghurtbecher für die Wässerungen

1 Paar Gummihandschuhe oder Einmalhandschuhe

3 Wäscheklammern pro Film mit einem kleinen Gewicht, eine Schere, ein Stift, ein Blatt Papier.

Schließlich kommen noch der Entwickler, Fixierer, 20°C warmes Wasser und ein seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr kleiner Tropfen Spülmittel dazu.

Gesamtkosten ca. € 80

Schritt 1: totale Dunkelheit

Ideal sind fensterlose Kammern. Ich habe am Anfang die Tür meiner Abstellkammer mit einer dunklen Decke abgehangen. Sehr gut geeignet ist natürlich ein Wechselsack.

Stellt euch im Hellen alles so hin, dass ihr im Dunklen nicht lange suchen müsst. Und spielt den Ablauf einmal trocken durch.

Dann LICHT AUS!!!!

Die Filmdose ganz aufbiegen, damit der Film beim rausziehen nicht verkratzt.

Ein kleiner Tipp: Ich belichte auf meinen Filmen die ersten 4 Bilder immer als „Opferbilder“. Diese 4 Bilder schneide ich ab und lade sie in die erste Spule, um eine Probeentwicklung damit zu machen. Spule in die Entwicklungsdose, Dose zu und fertig.
Den eigentlichen Film in die 2. Spule laden und ab damit in die lichtdichte Dose.

Jetzt könnt ihr das Licht wieder anmachen.

Wenn ich nicht sofort entwickle, dann mach ich zur Erinnerung ein Post- it mit dem Filmtypen und dem Datum an die Dose.

Schritt 2: Chemie

Dazu:

Das große Gefäß mit Wasser füllen. Das Wasser sollte so 20°C- 22°C haben, da es sich im Laufe der Entwicklung abkühlen kann (ich messe so alle 10 min mit dem Laborthermometer nach).

Wichtiges für den Umgang mit den Chemikalien:

Entwickler und Fixierer dürfen NICHT zusammen kommen.
Ich verwende für Fixierer und Entwickler getrennte Messbecher und Trichter, damit die Chemikalien nicht zusammen kommen können.

Handschuhe tragen!!!

Vergossene Chemikalien mit reichlich Wasser abwischen.

Die Mengenangaben für die Entwicklung lassen sich aus den Mischverhältnissen und der Größe des Entwicklungstanks ableiten.

Ein Beispiel:
Mein AP- Tank benötigt für einen 135er film 375 ml Arbeitslösung.

Tetenal Ultrafin liquid im Verhältnis 1+10= 11 Anteile

Menge des Entwicklers:
375 ml : 11 Anteile= 34 ml

Menge des Wassers:
375 ml- 34 ml Entwickler= 341 ml

Der Fixierer wird genauso berechnet.


Wie irgendwann im Chemieunterricht mal gelernt, wird nun erst das Wasser und dann die Chemie in die Chemieflaschen gefüllt.
Nicht schütteln, da sich sonst Schaum bildet der sich auf dem Film ablegen kann.

Schritt 3: Die Entwicklung der Probebilder

Tipp: Für die meisten Filme bekommt man die Entwicklungszeiten im Internet.

Uhr stellen (ideal ist ein Handy mit Countdownfunktion).

Entwickler in den Tank füllen, Countdown starten, Deckel drauf und konstant 60 Sekunden lang kippen, damit der gesamte Film mit Entwickler benetzt wird. Eine Kippbewegung (180°) sollte gleichmäßig und langsam (ca. 2 Sekunden) durchgeführt werden.
Nach Ablauf der 60 Sek die Dose einmal etwas fester aufsetzen (aufdotzen), damit sich eventuelle Bläschen vom Film lösen.

Immer um 180° und schöööön gelichmäßig

Soweit der Film nicht während der gesamten Entwicklungszeit durchgängig gekippt werden muss, sollte man die Standzeit beachten. Die gängigsten sind 60 Sek, 30 Sek, 3 Sek, das heißt, dass die Dose z.B. alle 60, 30 oder 3 Sek gekippt werden muss.

Entwicklungsablauf: 2- mal kippen, aufdotzen Stehen lassen; 2- mal kippen, aufdotzen Stehen lassen; 2- mal kippen, aufdotzen…

Nach Beendigung der Entwicklungszeit den Entwickler aus der Dose zurück in die Chemieflasche kippen (den brauchen wir noch). Lasst die Dose so 10 Sek. lang auslaufen.

Zwischenwässern:
Mit dem Joghurtbecher frisches Wasser aus dem 20° C- Topf in die Entwicklungsdose füllen und 5-mal Kippen, auch so 10 Sek. auslaufen lassen.
Das ganze 3-mal wiederholen.

Fixieren:
Fixierer einfüllen und 60 Sek. lang kippen und „aufdotzen“.
Anschließend alle 60 Sek kippen und aufdotzen. Fixierzeit ist so 3- 4 Min.

Nach der Fixierzeit den Fixierer in einer Chemieflasche auffangen (den brauchen wir auch noch).

Abschlusswässerung:
Mit dem Joghurtbecher Wasser einfüllen und nach folgendem Rhythmus wässern.

Wasser einfüllen 3- mal kippen ausgießen
Wasser einfüllen 6- mal kippen ausgießen
Wasser einfüllen 12- mal kippen ausgießen
Wasser einfüllen 24- mal kippen ausgießen

Schritt 4: Hauptentwicklung

Den Probestreifen kontrollieren, erst dann den Hauptfilm entwickeln.
Experimentiert einfach mit den Zeiten etwas rum. Längere Entwicklungszeit erhöht zum Beispiel die Kontraste.

Den Hauptfilm wieder in absoluter Dunkelheit in die Entwicklungsdose einlegen und wie oben beschrieben entwickeln.
Nach der letzten Wässerung muss der Film mit Netzmittel behandelt werden, damit es keine Wasserflecken gibt.

Als Netzmittel verwende ich Spüli, dafür fülle ich eine Ladung Wasser und einen seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr kleinen Tropfen Spülmittel in die Dose. Das ganze lasse ich 1 Minute stehen.

Jetzt kann der Film raus und wird mit Wäscheklammern aufgehängt. Als Gewicht häng ich ein 2Euro- Stück mit dran. Idealer Ort ist das Badezimmer.

Sollte der Film nach dem Trocknen noch Wasserflecken haben, kann er noch einmal in 20°C warmen Wasser und wieder mit einem seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr kleinen Tropfen Spülmittel gebadet werden.

Ich dokumentiere meine Ergebnisse, um daraus ähnliche Entwicklungen abzuleiten. Zusammen mit den „Opferbildern“ kommt man relativ schnell auf gute Negative.

Als nächstes geht es in die Dunkelkammer…

Ah, eins noch. Die Chemikalien sollten nicht unbedingt ins Klo gekippt werden, besser ist ein Kanister, den man zur Entsorgung bringen kann.

Viel Spaß beim Nachkochen

Beim Cross-Entwickeln wird z.B. ein Diafilm mit dem C41 Prozess für Farbfotos entwickelt (oder umgekehrt). Dabei kommt es u.a. zu Farbveränderungen die ein interessantes kreatives Element für die Fotografie darstellen – jedenfalls wenn man unvorhersehbare Effekte mag.

Bisher scheiterte ein Versuch immer an meiner Sorge, dabei einen Film in den Sand zu setzen, aber letztes Wochenende war es dann doch so weit: ich habe mutig zwei Fuji Sensia 200 zum Fotohändler meines Vertrauens gebracht, und um eine Cross-Entwicklung gebeten.

Hier einige Ergebnisse. Alle Aufnahmen wurden mit einer Nikon FA gemacht, vom Negativ (bzw. Cross-Dia) digitalisiert und nur leicht bearbeitet (hauptsächlich Kontrastanpassung).

:2010-10-12 FujiSensia200-CP+1 NikonFA 1200-23.jpg

Dieses Foto habe ich absichtlich um eine Blende überbelichtet. Im Web hatte ich schon gesehen, dass Sensia 200 beim Cross-Entwickeln zum Grünstich neigt. Durch die Überbelichtung ist es dann eher hellgrün geworden (das Kreuz ist eigentlich grau).

2010-10-12 FujiSensia200-CP NikonFA 1200-108.jpg

Hier ein Foto mit „normaler“ Belichtung. Schön, dass das Rot trotzdem so kräftig geblieben ist (auf anderen Fotos wirkte es teilweise eher ausgeblichen). Auch hier war der Hintergrund des Graffitis eigentlich grau.

2010-10-12 FujiSensia200-CP NikonFA 1200-101.jpg

Bei diesem Foto wirkt der Effekt besonders spannend. Wirkt fast wie eine nachkolorierte, historische Postkarte, mit den verfälschten Farben und den harten Kontrasten. Himmelblau scheint mit Sensia 200 auch ganz gut zu funktionieren, auf einigen anderen Landschaftsaufnahmen war es schön gesättigt und wesentlich dunkler als auf diesem Beispiel.

Ich habe auch ein paar Fotos mit Kunstlicht versucht. Dabei wird Halogenlicht sehr gelb, was einen interessanten Effekt ergibt. Energiesparlampen werden ebenfalls grün.

Insgesamt ist der Effekt bei vielen Bildern nicht so stark, wie ich erwartet hatte; bei einigen Bildern ist er jedoch sehr deutlich. Gut gefallen hat mir der Effekt besonders bei Portraitfotos, die dadurch eine ganz eigentümliche Stimmung erhalten.

Unterm Strich eine spannende Sache, die ich sicher mal wieder versuchen werde (evt. dann mit einem anderen Film, da sich die Ergebnisse von Film zu Film stark unterscheiden können. Sensia 100 soll z.B. eher zu Rot tendieren).

Inzwischen ist auch der (seit 2006 abgelaufene) Kodak Elite Color 400 fertig, den ich am Pinhole Day in einer zur Lochkamera umfunktionierten Nikon FA hatte. Von den Ergebnissen bin ich im Vergleich zu den digitalen Aufnahmen weniger begeistert; allerdings habe ich auch nicht selbst gescannt, sondern bisher nur die unbearbeiteten Scans des Fotolabors angesehen. Außerdem macht es wohl die Masse, denn digital habe ich ungefähr drei Mal so viele Aufnahmen gemacht, wie analog. Und es ist eben insbesondere auch der Ausschnitt, der das Foto macht, und das erfordert mangels Sucherbild eben Glück und daher viele Versuche. Egal, ein paar sind jedenfalls auch ganz gut geworden, wie ich finde:

Die Rahmendaten der Aufnahmen sind die gleichen wie bei den digitalen Pendants im letzten Blogeintrag: Pinhole Größe 0,3 mm, f150, „Brennweite“ 45mm. Im Unterschied zu den digitalen habe ich mich bei der FA jedoch auf den eingebauten Belichtungsmesser verlassen. Die FA hat nämlich (im Gegegnsatz zur D80 und meines Wissens den meisten Spiegelreflexkameras) ein so genanntes closed loop Belichtungssystem. Das bedeutet grob gesagt, dass die Kamera die Belichtung (nochmal) nach dem Auslösen misst, wenn das Objektiv bereits abgeblendet wurde. Daher ist die FA bei der Belichtungsmessung nicht darauf angewiesen, die am Objektiv eingestellte Blende zu kennen, weshalb sie auch auch mit einem Pinhole tadellos funktioniert (nur die Vorschau der Belichtungszeit funktioniert natürlich nicht). Praktisch!