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Monthly Archives: Dezember 2013

In bestimmten Situationen kann es Sinn machen eine Kamera automatisiert auszulösen, z.B. bei der Highspeed Fotografie, aber auch für Intervall-Aufnahmen oder Selbstportraits. Die meisten Kameras bieten bereits einen Selbstauslöser oder lassen sich ferngesteuert bedienen wenn man das entsprechende Zusatzzubehör kauft. Alternativ kann man auch selbst etwas basteln und mit Hilfe von Mikrocontroller Boards sogar automatisieren. In einem älteren Blogeintrag habe ich bereits ein mögliches Einsatzszenario skizziert. Hier möchte ich mich jetzt der technischen Seite widmen und ein paar von meinen eigenen Erfahrungen mit der Materie schildern.

Technische Grundlage

Der Elektronikhandel bietet eine breite Palette von so genannten „Mikrocontroller Boards“ an die sich sehr gut zum Fernsteuern von Kameras eignen. Die bekannteste und verbreitetste Variante ist der Arduino der in verschiedenen Formaten erhältlich ist (von „Nano“ bis „Mega“) und sich gezielt an Einsteiger richtet. Das Standardboard, der Arduino Leonardo, ist für etwa 25 EUR erhältlich.

Arduino Uno (der Vorgänger des Leonardo)

Arduino Uno (der Vorgänger des Leonardo)

Arduinos lassen sich per Batterie betreiben und bieten vereinfacht gesagt eine Reihe von digitalen Ein- und Ausgängen, an die sich elektrische Komponenten anschließen und gezielt ansteuern lassen. Damit lassen sich mit einfachen Mitteln sehr spannende Projekte realisieren, wie eine breite Auswahl von Beispielen im Web zeigt.

Um beispielsweise Sensorwerte auszulesen oder Aktoren wie LEDs (oder Kameras, dazu später mehr!) anzusteuern lassen sich die Boards mit Hilfe einer frei erhältlichen Entwicklungsumgebung programmieren. Dabei ist es sehr hilfreich dass es eine sehr aktive Community um den Ardino gibt die neben einfachen Programmierbeispielen auch komfortable Softwarebibliotheken bereitstellt die man in eigene Projekte einbinden kann. Gerade auch für das Ansteuern von Kameras gibt es dort eine breite Auswahl von Beispielprojekten.

Außerdem bieten Hardwarehersteller eine große Palette von Zusatzboards an, so genannte „Shields“, die sich einfach auf den Arduino aufstecken lassen und weitere Funktionalitäten wie Wlan oder Bluetooth bereitstellen.

Die Verbindung zur Kamera

Für das Ansteuern einer Kamera mit einem Arduino Board bestehen grundsätzlich die gleichen Möglichkeiten wie mittels gekauftem Zubehör. Viele Kameras haben beispielsweise einen Infrarot Empfänger für eine Fernbedienung, die sich mittels einen IR Diode vom Arduino auslösen lassen (entsprechende Softwarebibliotheken, die mit verschiedenen Kameramodellen „sprechen“ können, sind sogar bereits vorhanden).

Eine andere Möglichkeit ist die Verbindung per Kabel. Die meisten Kameras lassen sich recht einfach auslösen indem zwei Kontakte (einer für den Autofokus, und ein zweiter für den Auslöser) mit einem Minus Pol kurzgeschlossen werden. Um herauszufinden wie die Steckerpins für die entsprechende Kamera belegt sind lohnt sich eine Recherche im Internet (hier z.B. ein Beispiel für den 10-poligen Stecker einiger Nikon Kameras). Wenn man schon einen Kabelfernauslöser hat kann man das recht einfach nachvollziehen da diese nach dem gleichen Schema funktionieren.

Arduino mit Bluetooth-Shield und angeschlossenem Kamera-Kabel (der Optokoppler ist auf der kleinen Lochrasterplatine unter dem schwarzen Isolierband)

Arduino mit Bluetooth-Shield und angeschlossenem Kamera-Kabel (der Optokoppler ist auf der kleinen Lochrasterplatine unter dem schwarzen Isolierband)

Für das Anschließen an den Arduino kann man ein vorhandenes Kabel nehmen und es mittels Optokopplern an die digitalen Ausgänge des Boards anschließen. Steuert der Arduino die Ausgänge an, schließt der Optokoppler die entsprechenden Stromkreise in der Kamera und es wird ein Foto aufgenommen. Auf ganz ähnliche Art und Weise kann man auch ein Blitzgerät ansteuern, was insbesondere bei der Highspeed Fotografie sinnvoll sein kann wenn die Kamera-Fernauslösung zu träge ist für das Einsatzszenario.

Auslösen per Fernsteuerung

Ist die Kamera erst mal mit dem Arduino verbunden bieten sich eine ganze Reihe von Möglichkeiten für Experimente. So kann man mittels einer IR Diode und einem IR-empfindlichen Lichtsensor eine Lichtschranke bauen und die Kamera auslösen sobald der Mikrocontroller eine Änderung registriert. Oder man schließt ein Mikrofon an, etwa um einen platzenden Ballon im richtigen Moment zu erwischen. Andere Einsatzszenarien sind Intervallaufnahmen oder Langzeitbelichtungen etwa in der Astrofotografie.

Eine weitere Variante ist das Auslösen der Kamera per Funk, etwa mit Hilfe eines Bluetooth-Shields und eines Android-Handys, was ich bereits an anderer Stelle beschrieben habe.

Fazit

Kameras per Mikrocontroller fernzusteuern bietet vielfältige Möglichkeiten insbesondere für die Studiofotografie und erfordert nur geringe finanzielle Ressourcen. Vorerfahrungen in der Elektronik sowie in der Programmierung sind dabei von Vorteil, insbesondere wenn man Kameras per Kabel ansteuern will da hier die Möglichkeit besteht seine teure Hardware durch falsche Verkabelung zu beschädigen. Zudem ist für komplexere Projekte viel Zeit zum Ausprobieren erforderlich, da sich einfache Ergebnisse zwar relativ leicht realisieren lassen, aber der Teufel oft im Detail steckt und viel Feinarbeit erfordern kann. Durch die breite Palette an vorhandenen Beispielprojekten die man Nachbauen oder bei seinen eigenen Versuchen weiterentwickeln kann bieten sich aber auch für Einsteiger gute Lernmöglichkeiten und führen schnell zu ersten Erfolgen.

— Alex

PremierPhotoCommunity

Der Erfolg von Flickr, 500px und anderen Foto Communities ist ungebrochen. Ich hatte mich vor einigen Jahren für Flickr entschieden und war etwa 3 Jahre lang zahlendes Mitglied. Nach all der Zeit mehr oder weniger fleißiger Beteiligung, frage ich mich nun:

Warum tue ich mir diese Online Foto Communities eigentlich an?

Die schiere Masse an Bilder lässt Schätze zu schnell untergehen und die reine Präsentation auf dem Bildschirm lässt meine Motivation in neue Tiefen sinken. Ein Gutteil der Flickr Nutzer wird wohl auch weiterhin Bilder mit „Great Shot!“ bewerten, weil die Auflagen der Gruppe in der sie posten das Kommentieren anderer Werke erfordert. Was das mit Community und Austausch zu tun hat, wird mir ewig ein Rätsel bleiben. Sicher, es gibt auch einige unglaublich nette Leute, die konstruktive Kritik anbringen und mit viel Freude und Leidenschaft.

Ich bekomme dagegen immer mehr Lust darauf, meine Bilder aufs Papier zu bringen, an die Wand zu hängen oder in dieser Form mit anderen zu vergleichen und bewerten. Alles begann mit einem kleinen Foto Wettbewerb, zu dem ein befreundeter Maler aufgerufen hatte. Bei einem Glas Wein, hatte er im Spaß dazu angestachelt, unsere Toskana Fotos zu vergleichen. Plötzlich wurde die Sache ernst, denn schnell hatte sich eine Jury zusammengerottet, die uns nun (beide) tatsächlich dazu zwang unsere Bilder zu zeigen. Aus einem Urlaub mit über tausend Bildern, mussten also drei Bilder ausgewählt werden. Die Auswahl trieb mich in den Wahnsinn, weil ich mich natürlich nicht entscheiden konnte. Außerdem sollte jedes Bild mit einer Passepartout versehen werden. Wir hatten recht verschiedene und keine davon war einfach weiß oder schwarz. Der Abend des Wettbewerbs kam irgendwann. Der Stress war verflogen und mir begann die Sache immer mehr Spaß zu machen. So viel Spaß, dass ich etwas ähnliches später gerne wiederholen wollte. Doch einerseits wollte ich nicht regelmäßig Freunde mit meinen kreativen Unfällen erquicken, andererseits interessierte es mich auch was Menschen zu den Bildern sagen, die selbst fotografieren.

Was nun? 

Schon vor einem Jahr hatte ich erfahren, dass es einen lokalen Foto Club gibt. Bisher dato ich keine Motivation aufgebracht diesen zu besuchen. Jetzt allerdings bekam ich Lust darauf, mir die Sache genauer anzusehen. Tatsächlich wurden gleich am ersten Abend Bilder in Passepartout an die Wand gehängt, bewertet und diskutiert. Manchmal vielleicht etwas harsch, nicht immer nachvollziehbar, oft aber auch sehr nett und durch großartige Kommentare und Vorschläge unterstützt. Nach mehr als einem halben Jahr, hänge ich meine Bilder ab und an ebenfalls auf und versuche mich an der Diskussion zu beteiligen. Bisher bereitet die Sache viel Freude. Ich kann jedem der von Flickr & Co. müde ist nur empfehlen, sich den lokalen Foto Club einmal etwas genauer anzuschauen.

 

— Sebastian