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Die Dunkelkammer:

Nachdem ich in den Bereichen analoge Fotografie und eigene Negativentwicklung gute Fortschritte gemacht hatte, keimte in mir der Wunsch meine Bilder nicht nur aufzunehmen und die Negative selbst zu entwickeln, sondern in der Dunkelkammer auch selbst auszuarbeiten…zu meinem Glück gab es die Grundausrüstung noch im Keller der Familie, so hatte ich nicht viel Anschaffungskosten. Darüber hinaus bekommt man eine gute Grundausrüstung schon, das Internet macht’s möglich, ab € 60 – € 120.

 Was braucht man für den Anfang?…Lust und Ausdauer, ein paar Gerätschaften und Chemie. Ausdauer deshalb, weil die Bedingungen in einer Dunkelkammer nicht immer die tollsten sind. Warm, Essigduft etc. Man kann ja nicht mal eben ein Fenster aufmachen. Hat man sich jedoch daran gewöhnt und macht genügend Pausen (was man am Anfang echt schnell vergessen kann), dann macht die Arbeit im Rotlicht echt spaß.

Welche Geräte und Chemie braucht man?…Natürlich eine Kammer ohne Lichteinfall mit schwarzen Wänden. Ich habe ein altes Badezimmer im Keller meiner Eltern gewählt, bei dem ich alle möglichen Ritzen (Lüftungsgitter, Türschlösser etc.) mit schwarzem Klebeband verschlossen habe. Auf schwarze Wände habe ich dabei verzichtet, wer will schon ein schwarzes Badezimmer. Eine Heizung ist gut, aber nicht von Nöten. Dafür aber eine Steckdose sowie fließendes Wasser (warm und kalt). Wichtig ist, dass ihr Trocken- und  Nassbereich trennt.

Die Chemie:

Entwickler, Stoppbad, Fixierer und Wasser. Ich verwende wie bei der Negativentwicklung die Produkte von Tetenal.

Entwickler: Tetenal Eukobrom

Mischung: 1+9= (für einen Liter Lösung gerechnet) 100ml Entwickler+900ml Wasser (20°C).

Stoppbad mische ich selbst aus Wasser und Essigessenz an.

Mischung: 950mlWasser (20°C) +50ml 20% Essigessenz.

Fixierer: Tetenal Superfix

Mischung je nach Fixiergeschwindigkeit: 1+3- 1+9

= (für einen Liter Lösung gerechnet) bei 1+9 (Fixiergeschwindigkeit ca. 2-3 min) 100ml Fixierer+900ml Wasser (ihr ahnt es schon 20°C).

Wasser für die Schlusswässerung: (natürlich 20°C). Für die Schlusswässerung lasse ich mir einfache ein Waschbecken, oder die Badewanne ein, da man so das Wasser immer mal wieder problemlos und ohne viel Aufwand austauschen kann.

Die Geräte:

–          ein Vergrößerer mit Opallampe (Neuere haben auch Halogenlampen), Objektiv, Belichtungsuhr und Bildbühne. Wichtig ist ein einschwenkbarer Rotfilter. Einen guten Artikel zu dem Thema findet ihr hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Vergr%C3%B6%C3%9Ferungsger%C3%A4t#Schwarzwei.C3.9F-Vergr.C3.B6.C3.9Ferungen

–          Vier Entwicklungsschalen mit je einer Entwicklungszange.

–          Messbecher, Schalenthermometer, ein Trichter pro Schale in der sich    Chemie befindet.

–          Eine Lampenfassung mit einer roten Duka- Leuchte.

–          1 Bleistift, 1 Schere, Küchenrolle, 1 Wäscheleine, Wäscheklammern,  1 Mehrfachstecker, 2 Arbeitsflächen (Tischplatten oder ähnliches), ein Kanister für die Fotochemie, Handschuhe zum Ansetzen der Chemie.

–          Fotopapier: Ich verwende Tetenal Work PE- Papier und Ilford Barytpapier. Den Unterschied erkläre ich später genauer.

Die Geräte und die Entwicklungsschalen so aufbauen, dass ein Work- Flow entsteht. Ich bin Linkshänder und so komme ich am Besten mit dem Ablauf von links nach rechts klar. Ganz links das Papier, dann der Vergrößerer und anschließend auch die Schalen von links nach rechts aufgebaut. Muss jeder für sich selbst herausfinden.

Wie mache ich einen Positivabzug?…Erst einmal die Chemie ansetzen und die Schalen richtig aufstellen: Entwickler Stoppbad Fixierer Schlusswässerung.

Zwischen Vergrößerer und Steckdose muss die Belichtungsuhr geschaltet werden. Über diese Belichtungsuhr kann jetzt die Lampe des Vergößerers gesteuert werden.

Licht aus, Rotlicht an. Beachtet, dass es eine spezielle Dunkelkammerlampe sein muss deren Wellenlänge nicht mit dem empfindlichen Fotomaterial reagiert. Es kann durchaus sein, dass ihr ein Papier erwischt welches auch mit grün- gelbem Licht verarbeitet werden kann, der Vorteil ist, dass es wesentlich heller in der Dunkelkammer ist. Steht aber alles auf den Verpackungen der Papiere.

Über die Belichtungsuhr den Vergößerer anschalten und den Rotlichtfilter vor das Licht schwenken. Aus einem Blatt Fotopapier jetzt mehrere Streifen schneiden, die braucht man zur Ermittlung der Belichtung. Achtet darauf, dass ihr das Papier nur im Rotlicht öffnet, da beim kleinsten „echten“ Lichtstrahl das Papier sofort angegriffen wird.

In die Bildbühne jetzt das gewünschte Negativ einlegen und ausrichten. Auf der Rückseite eines Fotopapiers kann man jetzt die Größe des Negativs oder eines Ausschnitts einstellen. Anschließend die Schärfe einstellen.Das Einstellen ist bei Rotlicht nicht ganz so einfach, hierfür gibt es spezielle Lupen. Die kosten aber auch dementsprechend. Einfacher ist es meiner Meinung nach die Rückseite von einem Blatt Fotopapier zu nehmen und die Schärfe eben bei Vergrößererlicht ohne Rotfilter einzustellen und dann den Rotfilter wieder vorzuschwenken.

Jetzt einen der vorbereiteten Streifen nehmen und mit dem Bleistift in 4- 6 Felder aufteilen (nehmt dafür keinen Filzstift, da dieser sich in der Entwicklungschemie auswäscht).

Dazu ein Blatt dunkles Papier nehmen. An der Belichtungsuhr 2 Sek. einstellen. Licht des Vergößeres ausschalten, Rotfilter wegschwenken, erstes Feld mit 2 Sek. belichten, dabei mit dem Blatt Papier den Rest abdecken. Dann das erste und das zweite Feld mit 2 sek. belichten usw. bis der gesamte Streifen belichtet ist. Das erste Feld ist jetzt mit insgesamt 8 Sek. belichtet, das zweite mit 6 Sek., das dritte mit 4 Sek. usw. So ist auf dem Teststreifen ein breites Belichtungsspektrum.

Den Streifen in den Entwickler legen. Bei der Entwicklung darauf achten, dass die Wanne leicht gewiegt wird, damit ein mögliches Konzentrationsgefälle im Wasser umgangen wird…hin und her, hin und her…bis ihr das Motiv auf dem Streifen erkennen könnt. Ab ins Stoppbad, ca. 10 Mal hin und her wiegen. In den Fixierer für 3- 4 min. Schlusswässern…Fertig.

Auf dem Streifen erkennt ihr jetzt wie das Motiv mit verschiedenen Zeiten belichtet aussieht, oder ob ihr eventuell doch kürzer oder länger belichten müsst. Die 2 Sek. sind eine grobe Peilmarke von mir. Je heller das Negativ, desto dunkler das Bild. Also muss die Belichtungszeit entsprechend kurz sein. Bei dunklen Negativen ist dann natürlich das Gegenteil der Fall, lange Belichtung, damit das Licht gut durchscheinen kann.

Entwicklung eines zu dunklen Negativs...23 Minuten

Wenn ihr eine Belichtungszeit ermittelt habt, geht es ans Ausbelichten.

Als erstes den Rotfilter vorschwenken, Vergößererlicht an, Fotopapier auslegen, Zeit einstellen, Licht aus, Rotfilter wegschwenken, Bild belichten, Fotopapier entwickeln…Fertig.

Wenn der Negativfilm auf allen Bildern gleich belichtet wurde (also z.B. 36 Aufnahmen bei 100 ASA), muss man nicht unbedingt für jedes Positiv einen Belichtungstest machen. Sobald ein Film mit einer anderen ASA- Zahl entwickelt werden soll, oder ein besonderes Motiv auf dem Film ist, lohnt sich ein neuer Teststreifen.

Pause nicht vergessen

Am Ende der Dunkelkammerarbeit kann man noch einen Kontaktbogen erstellen. Dazu einfach die verwendeten Negative eines Films auf einen Bogen Fotopapier legen und belichten (so lange wie ihr auch die Negative belichtet habt), entwickeln…Fertig.

Noch ein kleiner Praxistipp: Alle Vergrößererobjektive haben Blendenringe mit denen ihr wie beim Fotografieren auch Belichtungszeit und Schärfentiefe des Positivs beeinflussen könnt, so können mitunter kleinere Unschärfen behoben werden.

Noch ein paar Worte zu Fotopapier und Entwicklung.

Barytpapier…enthält eine Schicht aus Bariumsulfat, welches das Papier vor einsinken der Entwicklungsemulsion in die tieferen Schichten schützen soll. Dabei hellt das Bariumsulfat das Papier aufgrund seiner Eigenschaften auch noch auf. Barytpapier ist ein recht edles Papier, da es sich durch besonders hohe Qualität mit reinem Weiß, tiefem Schwarz und guten Grauwerten auszeichnet. Ein weiterer Vorteil von Baryt ist die längere Haltbarkeit von bis zu 100 Jahren. Leider lässt sich Barytpapier nur sehr mühselig verarbeiten, denn das Papier saugt sich mit Chemie voll und muss danach lange und intensiv gewässert werden (ich leg es in die Badewanne), außerdem verzieht es sich beim trocknen, weshalb früher Barytpressen verwendet wurden.

PE- Papiere…sind mit einer Schicht Polyäthylen umgeben die verhindern soll, dass die Entwicklungsemulsion in das Papier eindringt. Die korrekte Bezeichnung lautet PE- RC Papier (RC= resin coated). So muss das Papier nur kurz gewässert werden, da die Chemie nicht tief in das Papier eindringen kann. Zudem lässt es sich schneller trocknen, da es nur relativ kurz mit Flüssigkeit in Berührung kommt.

Fotochemie…irgendwann ist auch mal die schönste Suppe kalt und schlecht, genauso ist es mit der Fotochemie. Achtet bei dem Umgang mit den angesetzten Lösungen darauf, dass sie nicht unter 20°C fallen da sich dadurch die Entwicklungszeiten extrem verändern. Des Weitern wird irgendwann die Chemie keine Wirkung mehr haben, dann ist der PH- Wert (Entwickler: 10- 11,5, Fixierer: 4,10 – 4,30) überschritten und das heißt, keine wirklich gute Entwicklung mehr. Abhilfe schaffen da PH- Wert- Teststreifen, mit denen man jederzeit messen kann. Mit einem Liter Entwicklersuppe komme ich bei konstant 20°C ungefähr auf 15-20 A4- Bilder. Die Teststreifen für das Fixierbad zeigen dazu noch den Silbergehalt im Fixierer an. Fixierbäder können nur eine begrenzte Menge an Silberkonzentration aufnehmen bis sie erschöpfen.

So das war es erst einmal, ich hoffe ihr könnt was damit anfangen.

 

Allseits gut Licht und viel Spaß beim Nachkochen.

 

 

Christian

 

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6 Comments

  1. Super gemacht – lieber Christian Sohn. Freut mich riesig, dass es Dir soviel Freude macht die alte Ausrüstung noch einmal zum Leben zu erwecken. Und Du machst es richtig gut … naja, in Wiederbelebung bist Du ja auch beruflich ein Profi 🙂 … und nun bin ich gespannt auf die erste Ausstellung. Wenn Du das „Vergrößern“ mal richtig ausleben willst, frage ich im Fotoforum mal nach Schalen in der Größe 60x80cm … Gut Rotlicht !!!

    • hmmm, das wär garnicht so schlecht…ich überleg, ob ich eventuell irgendwo mal einen kellerraum bekommen könnte, den ich zu ner dauerhaften dunkelkammer ausbauen kann. mal schauen.

  2. Interessant und anschaulich geschriebener Artikel, gratuliere! 🙂 Da fällt mir ein dass ich hier auch noch so nen Gutschein rumfliegen habe …

    • Sei mein Gast…

  3. Sehr schöner Artikel!

    Der „DuKa“ Virus greift wieder um sich 🙂
    Hast Du schon mal probiert Stopbäder auf Zitronensäurebasis einzusetzen?
    Das minimiert die Geruchsbelästigung in der DuKa ungemein… Es gibt auch neutrale
    Fixierer die sich besser auswaschen lassen und fast neutral riechen.

    Kleiner Tipp für die Pausen: Ich hab die Senseo in der DuKa stehen 🙂

    Gruß
    Andi

  4. danke für den tipp, wird bei der nächsten aktion umgesetzt…aber in einem 2qm badezimmer bei 20 grad ist es nicht nur der fixierer… 🙂


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