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Monthly Archives: Juni 2011

Wie schon in einem älteren Artikel erwähnt, ist die Pinhole Box die zum letzten World Pinhole Day zum Einsatz kam, alles andere als unschlagbar. Dennoch finde ich die Idee für den Umbau noch immer interessant und möchte daher eine kurze Bauanleitung veröffentlichen.
Grundlage für die Modifikation war eine etwa 60 Jahre alte AGFA Box 600 Kamera. Vermutlich funktioniert diese Anleitung aber für verschiedene AGFA Modelle vielleicht auch für einige Boxen anderer Hersteller.
Fertige Pinhole Box mit geöffnetem Verschluss.

Fertige Pinhole Box mit geöffnetem Verschluss.

Ab den 1930ern bis etwa 1960 entwickelten verschiedene Hersteller Box Kameras. Die AGFAs waren eher günstige Modelle, die in großen Stückzahlen produziert wurden. Es sind immer noch relativ viele in funktionsfähigem Zustand erhalten, was wahrscheinlich auch an ihrer einfachen Bauweise liegt. Die AGFA hat durch diese einfache Bauweise eine Art „Macke“, die bei diesem Projekt gerade von Vorteil sein könnte: Der Filmkasten muss, wie auf unten stehendem Bild zu sehen, zum Filmwechsel komplett herausgenommen werden.

AGFA Box 600 mit Filmkasten

Bei der AGFA Box 600 ist auch die Linse (also das Objektiv) selbst in diesem Filmkasten angebracht. Entnimmt man den Filmkasten dem Gehäuse, kann man also recht problemlos an dem „Objektiv“ arbeiten, ohne das fragile Gehäuse der Kamera zu beschädigen. Die Linse sitzt in dem Zylinder und wird von einem Unterlegring und einem Sicherungsring fest gehalten. Mit einer Spitzzange oder einem Messer kann man nun den Sicherungsring an einem Ende fassen und vorsichtig aus der Kamera ziehen. Anschliessend werden der Unterlegring und die Linse vorsichtig von innen aus dem Filmkasten heraus gedrückt. Voilá, Platz für unser neues Objektiv. Der Zylinder in dem sich die Bauteile befinden hat mehrere Vertiefungen, die dem Sicherungsring halt geben. alle Bauteile müssen an diesen Vertiefungen vorbei, was evtl. nicht ganz einfach ist ohne die Linse zu beschädigen.

Ausgebaute Linse, Unterlegring, Sicherungsring

Jetzt wird natürlich ein Pinhole benötigt, das genau den Platz der alten Linse einnimmt. Alufolie bietet sich für Pinholes an. Allerdings benötigt man dann noch einen Träger, der in etwa so groß wie die alte Linse ist. Die dänische Krone (die Münze) passt ziemlich gut an den vorgesehenen Platz und hat sogar schon ein Loch in der Mitte, dass beim zentrieren des Pinholes hilft, daher habe ich mich für die Münze entschieden. Es sollten aber auch Unterlegscheiben oder Ähnliches verwendbar sein. Als nächstes wird das Pinhole und der Träger vorbereitet:

  1. Laut Pinholedesigner muss das Loch 0,44mm sein, damit es zur Brennweite der Box passt. Dazu nehmen wir ein Stück Alufolie und schneiden ein Rundes Stück aus, dass an allen Seiten 5-10mm über das Geldstück übersteht. Einigermassen in der Mitte muss jetzt das Pinhole (0,44mm) angebracht werden.
  2. Die Münze musste außen mit einer handelsüblichen Metallfeile noch etwas kleiner gefeilt werden. Nach einer Weile feilen passte sie perfekt in den Filmkasten. Einfach immer schön rund feilen und ab und zu mal probieren ob sie schon leicht in den Filmkasten passt.
  3. Wenn die Münze passt und die Alufolie fertig sind, legt man die Folie auf den Tisch. Anschliessend wird die Münze daraufgelegt und das Pinhole genau in der Mitte des Münzlochs zentriert. Dann die Alufolie vorsichtig um den Rand der Münze umschlagen. Das wird nun an allen Seiten wiederholt, bis die Folie die Münze am Rand überall umschliesst, so dass die Folie die Münze festhält und nicht mehr verrutschen kann.
Bauteile von links nach rechts: Sprengring, Unterlegring, abgefeilte dänische Krone mit Alufolie und Pinhole, zwei originale dänische Kronen.

Bauteile von links nach rechts: Sprengring, Unterlegring, abgefeilte dänische Krone mit Alufolie und Pinhole, zwei originale dänische Kronen.

Die Pinhole Konstruktion wird jetzt in den Filmkasten eingesetzt. Dann werden Unterlegring und Sprengring vorsichtig wieder angebracht. Die Münze sollte jetzt halbwegs fest im Filmkasten sitzen und nicht mehr herausfallen können. Um Reflektionen in der Kamera durch die Alufolie zu verhindern, sollte die Alufolie mit Hilfe einer rußenden Kerze geschwärzt werden. Leider konnte ich keine auftreiben die stark genug gerußt hat.

Filmkasten mit Pinhole-Krone, Unterlegscheibe und Sprengring.

Filmkasten mit Pinhole-Krone, Unterlegscheibe und Sprengring.

Jetzt kann genau wie im Originalzustand der Film am Fimkasten angebracht werden, anschließend kommt dieser dann wieder in das Gehäuse und dann kann es los gehen. Für die Berechnung der Belichtungszeiten empfiehlt es sich im Pinholedesigner nachzusehen. Diese Version kommt auf eine Blende von f222. Mit Pinholedesigner kann jetzt eine Tabelle mit Belichtungszeiten erzeugt werden. Dabei misst man mit einem Belichtungsmesser oder einer Kamera mit f22, sucht den gemessenen Wert in der Tabelle und kann in der Spalte daneben dann den Wert für f222 ablesen. Für verschiedene Filme gibt es im Pinholedesigner noch eine korrigierte Version der Tabelle.

Ergebnisse, die mit dem Aufbau erzielt wurden sind hier zu sehen.

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Irgendwann möchte jeder von uns seine Ausrüstung erweitern und steht irgendwann vor der Frage:“Welches Objektiv wäre eine sinvolle Ergänzung“ , gerade bei Zoom- und Weitwinkelobjektiven ist das ja auch eine Preisfrage.

Hier kommen M42 Objektive ins Spiel. Das M42 Format stammt aus der Zeit als die Kamerahersteller ihre Kunden noch nicht durch einen speziellen Bajonettanschluss binden wollten. Der Markt war voll von Objektiven, die man mehr oder weniger beliebig an seiner Kamera verwenden konnte. In den 70ern verschwanden viele der Objektive in Schränken und auf Dachböden, da sie an den speziellen Bajonettanschlüßen nun nicht mehr zu gebrauchen waren…außer in der ehemaligen DDR und im Rest des Ostblocks. Hier wurden M42er noch bis weit in die 80er produziert. Aus Russland kommen noch heute recht gute M42er Objektive.

Wo liegt der Vorteil…Von M42ern gibt es heute eine Menge Objektive die sehr Lichtstark, hochwertig verarbeitet und mit einer robusten Arbeitsblende ausgestattet sind. Gerade Objektive aus der ehemaligen DDR und der UDSSR sind hier nicht zu verachten (z.B. Carl Zeiss Jena, Pentacon, Jupiter, Industar, Heliios, Biotar…). Und als Hauptargument…sie sind günstig zu erstehen.

Als mir vor einiger Zeit einige M42 Objektive in die Hände fielen, dachte ich sofort darüber nach, sie zu nutzen, aber mein Nikonbajonett is ja nunmal kein M42 Schraubanschluss. Also brauchte ich eine Alternative, aber extra eine M42 Kamera ersteigern kam für mich nicht in Frage. Also nahm ich den Brennerkatalog zur Hand und blätterte mich durch die Seiten mit den Adaptern…Ich entschied mich letztendlich für einen M42 Adapter der Firma Leinox mit Ausgleichslinse. Bei den Adaptern gibt es ein paar Dinge zu beachten. Deswegen möchte ich hier eine kleine Orientierung geben worauf es ankommt.

Im Grunde gibt es 2 verschiedene Versionen des Objektivadapters.

Die Eine ist ein einfacher Metalladapter…Vorteil: schon ab 11€ erhältlich, Nachteil: keine Unendlichkeitseinstellung.

Die zweite Version ist ein höherwertiger Metalladapter. Dieser hat zusätzlich eine Ausgleichslinse die eine Einstellung auf Unendlich zulässt. Fotografen mit Nikonkameras müssen diesen Adapter sowieso nehmen, da bei Nikon die Film/ Sensorebene weiter hinten ist als bei M42- Kameras. Diese Differenz wird durch die Linse ausgeglichen. Der Adapter kostet rund 25€ und ist im Internet oder bei Foto Brenner zu haben.

M42- Adapter im Einsatz

Das Prinzip ist erschreckend einfach:

Am einfachsten ist es, das M42- Objektiv zuerst in den Adapter zu schrauben und das Ganze nicht mehr als Handfest anzuziehen. Danach wird die Kombi wie ein normales Objektiv angesetzt (hier roter auf weißer Punkt). Wichtig ist, dass der Adapterring richtig einrastet (bei Nikon: deutliches Klicken des Arretierungsstifts am Bajonettanschluß).

Im folgenden noch ein paar Worte zur Handhabung. Leider ist es so, dass man alle Einstellungen von Hand machen muss. Keine Kameraprogramme, keine Automatik, kein Autofokus…Der Adapter gestattet nur manuelle Einstellung und Fokussierung…Da ich überwiegend so arbeite, war es für mich keine große Umstellung und die Funktion der Arbeitsblende hilft einem sehr gut bei Bildkompositionen. Überrascht war ich auch als ich mit den Objektiven ein Bild im Live View Modus hatte. Mit meinen Nikkor Objektiven ging das bisher nicht.

Ach ja… hier sind noch Probeaufnahmen die ich mit zwei M42 Objektiven gemacht habe.

Aufgenommen mit einem Soligor 1:2,8 / f= 28mm

Aufgenommen mit einem M-Travenar 1:2,8/ f = 50mm Macro1:1

Da dieses Objektiv schon sehr alt ist und lange Zeit in einem Schrank zugebracht hat ist es leider sehr verstaubt…

Fazit:

M42er Objektive sind kostengünstige Alternativen von hoher Qualität (altersbedingte Mängel können natürlich wie bei allen mechanischen Geräten vorkommen), die an allen digitalen- sowie analogen Spiegelreflexkameras mit einem entsprechenden Adapter funktioniern und gute Ergebnisse liefern.

Bis dahin,

Gut Licht…

Christian