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Monthly Archives: März 2011

Seit einigen Jahren sortieren die Hersteller ihre Spiegelreflex Kameras in „Crop“ und „Vollformat“ Kameras. Vollformat steht dabei für Kameras mit Sensoren, deren Größe dem alten Kleinbild Film entsprechen (oder eben tatsächlich Kleinbild Film verwenden). Crop Sensoren (englisch für Ausschnitt) sind etwas kleiner. Bei Nikon sind die beiden Serien (Crop und Vollformat) jeweils an einem Kürzel erkennbar. Mit DX gekennzeichnete Kameras besitzen einen Crop Sensor, während mit FX gekennzeichnete Kameras entweder Kleinbild Film verwenden oder einen Vollformat Sensor besitzen. Bei Objektiven verhält es sich genauso, DX Objektive sind für Crop Kameras geeignet, FX Objektive für Vollformat Kameras.

Durch das verwenden der kleineren Crop Sensoren können die Hersteller nun günstige Objektive herstellen, die eben für Crop Sensoren optimiert wurden. Wehrmutstropfen bei der Geschichte: Es ist von vornherein klar, dass für Crop Sensoren optimierte Objektive nicht ordentlich an Vollformat Kameras funktionieren können, da die Linsen ja nur einen kleineren Bereich ordentlich abdecken.

Nikon F80 mit Objektiven

Links: Nikkor 18-105mm VR DX, mitte: Nikon F80, rechts: Nikkor 35mm FX

Bisher war mir dies alles ziemlich egal. Meine Nikon D80 ist eine DX/Crop Kamera, für die ein riesiges Objektivangebot existiert. Und besser noch: FX/Vollformat Objektive funktionieren wunderbar an einer DX Kamera (nur anders herum ist es problematisch!). Da digitale Vollformat Kameras recht teuer und ungefähr so schwer wie mein Auto sind, kam ich auch gar nicht in Versuchung mir eine solche anzuschaffen. Dann kam was kommen musste. Ich kam günstig an eine Nikon F80. Eine der letzten Nikon Filmkameras – also FX. Schon vor dem Kauf war klar, dass meine Festbrennweiten (35mm f2 und 50mm f1.4) geeignet sind, mein allround-Objektiv aber, das 18-105mm DX, daran gar nicht funktionieren kann. Aber es geht ja nichts über eine gesunde Portion Neugier. Nach einigen Tests mit den Festbrennweiten wurde also das 18-105mm Objektiv montiert. Zuerst einmal muss man sagen: Es passt. Die Kamera misst damit ordentlich die Belichtung, löst aus ohne irgendwas zu zerstören und sogar das VR funktioniert ganz wunderbar. Die Probleme wurden aber auch schnell klar: die Innenwände des Objektivs sind im Sucher sichtbar. Die sind dann natürlich auch auf den fertigen Fotos. Gerade in den kleinen Brennweiten (18-24mm) ist das Objektiv selbst sehr stark als eine Art extreme Vignette zu sehen. Darüber werden die Ergebnisse immer besser. Hier einige Beispiele

Alternative Energien, Nikon F80, 18-105mm DX VR eingestellt auf 18mm. Das Objektiv verdeckt extrem viel des Bildes.

Alternative Energien, Nikon F80, 18-105mm DX VR eingestellt auf 18mm. Das Objektiv verdeckt extrem viel des Bildes.

Alternative Energien, Nikon F80, 18-105mm DX VR eingestellt auf 18mm. Das Objektiv verdeckt extrem viel des Bildes.

Alternative Energien II, Nikon F80, 18-105mm DX VR eingestellt auf 24mm. Bei der Einstellung entsteht eine extrem dunkle, harte Vignette. Sieht aber schon besser als bei 18mm aus.

Fazit: Mindestens das 18-105mm DX Objektiv, vermutlich aber noch viele andere DX Objektive passen an die alten Film Nikons. Aufgrund der Optimierung für kleine Sensoren, ist das Objektiv selbst in kleinen Brennweiten mit auf dem Bild, was man aber mit etwas Übung auch kreativ nutzen kann.

Siegen bei Nacht, Nikon F80, 18-105mm DX VR eingestellt auf 50mm, ca. 10s belichtet. Im Randbereich ist die Vignette erkennbar. Bei 50mm ist sie allerdings kleiner als bei 24mm. Durch die Nachtaufnahme erkennt man sie auf den ersten Blick nur schwer.

Siegen bei Nacht, Nikon F80, 18-105mm DX VR eingestellt auf 50mm, ca. 10s belichtet. Im Randbereich ist die Vignette erkennbar. Bei 50mm ist sie noch kleiner als bei 24mm. Durch die Nachtaufnahme muss man aber auch schon wissen, wonach man sucht.

Nikon FA mit 18-135mm DX

Hier noch eine andere Kombination. Eine Nikon FA mit dem 18-135mm DX Objektiv.

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Handys sind ja sozusagen die Billig-Kameras von heute. Die Optiken sind in der Regel eher schlecht, und die Chips ziemlich klein – jedenfalls im Vergleich zu aktuellen Digitalkameras, von DSLRs ganz zu schweigen. Was bei Tageslicht dank softwareseitiger Optimierug zu ganz passablen Ergebnissen führen kann, wird bei wenig Licht schnell zum Drahtseilakt. Auf der anderen Seite haben Handykameras auch Vorteile: erstens hat man hat sie in der Regel immer dabei (im Gegensatz zu einem Klumpen von DSLR), und zweitens man kann zusätzliche Software installieren, die die aufgenommenen Fotos direkt weiterverarbeitet. Ich habe in letzter Zeit ein wenig mit solcher Software auf meinem Android Telefon experimentiert.

Die Universität Bonn im Retro-Look

Gerade im Bereich der Retrofotografie gibt es eine ganze Reihe von „Äpps“, die Aufnahmen von Retrokameras abzubilden versuchen, etwa die kostenlose Software FxCamera. Bereits vor der Aufnahme kann man sich für verschiedene Effekte entscheiden: z.B. Polaroid, Fischauge, oder Spielzeugkamera. Andere Werkzeuge wie Camera ZOOM FX bieten sogar noch viel mehr Effekte. Die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen. Schließlich sind es gerade ausgeblichene Farben, Unschärfe, Lichtspuren auf dem Film und Vignettierung, die den Charme von Retroaufnahmen ausmachen; und das meiste davon bekommt man mit Handykameras und entsprechender Software locker nachgebildet.

Der Vorteil der oben genannten Software ist dabei eigentlich nur, dass sie die Nachbearbeitung automatisieren. Grundsätzlich könnte man das alles auch hinterher am Rechner machen – die Werkzeuge sparen also in erster Linie dem Fotografen etwas Arbeit und ermöglichen es, aufgehübschte Fotos direkt von Telefon per Email zu verschicken oder auf sein Blog zu stellen. Es gibt aber auch Software, die darüber hinaus auch das Flair von Retrokameras nachbilden will, was ich ausgesprochen spannend finde. Insbesondere die Software Retro Camera hat es mir angetan, da sie einerseits kostenlos (d.h. werbefinanziert) ist, und andererseits sehr liebevoll umgesetzt wurde.

Das Auswahlfeld

Retro Camera simuliert eine Reihe von (vermutlich erfundenen) Retrokameras: die „Bärbl“, die „Little Orange Box“, die „Xolaroid 2000“, eine „Pinhole Camera, sowie die „FudgeCan“. Alle Kameras wenden individuelle Effekte auf die Aufnahmen an, die sich an bekannten Kameramodellen wie Holga und Lomo orientieren. Dabei ist mir nicht so wichtig, in wie weit hier historische Vorbilder akkurat abgebildet werden, und ob die (sehr ansehnlichen) Ergebnisse wirklich vergleichbar sind. Viel spannender finde ich, dass die Nutzerinterfaces der Kameras sehr liebevoll dargestellt werden, und im Gegensatz zu anderen Kameraprogrammen den Großteil des Bildschirms einnehmen. Das kostet zwar Platz, so dass nur ein sehr kleines Sucherfeld übrigbleibt, trägt aber enorm zu dem Retro-Feeling bei, dass sich mir bei der Nutzung der Software einstellt.

Das Nutzerinterface

Außerdem gibt es noch ein weiteres Feature, das ich interessant finde: fertige Aufnahmen werden nicht direkt angezeigt, sondern sind erst zeitverzögert über ein Untermenü zugänglich, der so genannten Dunkelkammer. Die Ergebnisse anzusehen, ist also mit etwas Wartezeit verbunden. Nicht ganz so sehr, wie bei einer richtigen, analogen Filmkamera, aber es ist immerhin so viel Aufwand, dass man in der Praxis nur sehr unregelmäßig hineinschaut. Eigentlich handelt es sich dabei um ein Anti-Feature, da so ein Vorteil digitaler Fotografie – extrem schnelle Ergebnisse – zumindest teilweise ausgeschaltet wird. Dadurch fühlte sich die Retro Camera beim Ausprobieren etwas an wie eine Mischung aus Digital- und Analogfotografie, jedenfalls was die Handhabung der Kamera betrifft. Der einzige Wermutstropfen ist die eingeblendete Werbung; diese lässt sich aber durch Erwerb der kostenpflichtigen Variante ausschalten.

Auch wenn das Gefühl, mit einer „echten“ Spielzeugkamera zu fotografieren, natürlich immer noch etwas ganz anderes ist, finde ich solche Werkzeuge sehr spannend als kleine Spielerei zwischendurch, oder auch als Experiment für eine Fotoserie. Jetzt warte ich auf eine Äpp, die eine Boxkamera möglichst akkurat abbildet: mit fester Verschlusszeit, manuellem Filmtransport und Brilliantsucher-Simulation. Das müsste doch zu machen sein? 🙂