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Monthly Archives: Oktober 2010

 

Farnsy, (der für den gesamten praktischen Teil dieses Artikels verantwortlich ist) beschäftigt sich jetzt schon eine Weile mit der Entwicklung von Filmen. Eines Abends erzählte er mir davon, dass ein paar Chemiker in den 90ern versucht hätten alternative, günstige Entwickler zu finden. Sie wurden fündig: Mit Hilfe von Baumrinde, Minztee und eben Instant Kaffee, sowie ein paar Modifikationen sollten sich angeblich belichtete Filme entwickeln lassen. Scheinbar sind hier Stoffe am Werk, die einem Standard Entwickler für den Schwarz Weiß Prozess ganz ähnlich sind. Die bekannteste Variante die aus diesem Ansatz entstand kennt man heute im Netz als Coffenol (Cofenol oder Caffenol). Er wurde in erster Linie zur Entwicklung von Papieren hergestellt, funktioniert aber auch wunderbar für Schwarz-Weiß Negativfilme.

Coffenol Negativ

In den Tiefen des Netzes finden sich dutzende ähnliche Artikel, welche die Entwicklung mit Coffenol zeigen. Hier wollen wir unsere Erfahrungen damit los werden. Also: Wie kommt man mit wenig Geld zu brauchbaren Ergebnissen? (Toll ist vermutlich etwas anderes, aber ich habe von Film auch keine Ahnung.) Coffenol wird zwar immer wieder als low-cost Entwickler angepriesen, aber ich finde das als Motivation für Experimente etwas seltsam, da die meisten Erfahrungsberichte dann am Ende doch einen 5€ teuren Delta 100 oder ähnliches in die Mixtur schmissen. Dafür war ich einfach zu geizig und entsprechend haben wir mit Rollei Retro 80s und 100 gearbeitet. Im Vorratspack bekommt man die für etwa 1,50€ das Stück. Darüberhinaus war das Ziel auch nicht die dauerhafte Entwicklung mit Coffenol anzustreben, sondern eine für uns neue, kreative Art der Fotografie zu entdecken.

Coffenol Rezepte allgemein

Wie ich von Farnsy immer wieder eingehämmert bekam, ist die SW Entwicklung eher etwas ungenau und wenig standardisiert. Man macht das eben so, wie man seine Ergebnisse haben möchte. Bei Coffenol sieht die Sache noch dramatischer aus. Der Entwickler muss aus verschiedenen Pulverförmigen Substanzen und Wasser angerührt werden. Was dabei in den Mischbecher kommt hängt davon ab, wie das Resultat aussehen soll.

Als Coffenol wird das Grundrezept bezeichnet. Damit kann man Filme durchaus entwickeln, allerdings kann es zu seltsamen Verläufen kommen (so die Quellen im Netz). Der Entwickler besteht nur aus Instant Kaffee (kein entkoffeinierter) und Waschsoda.

Der Coffenol-C genannte Entwickler ist eine Variante von Coffenol. Er beruht auf dem Grundrezept, doch es wird etwas Ascorbinsäure (Vitamin C) zugesetzt. Die Entwicklung geht hier deutlich schneller (Bei Coffenol sind dies zwischen 30 und 60 Minuten. Bei Coffenol-C 7 bis 20 Minuten).

Eine Weitere Variante des Entwicklers ist Coffenol-LC wobei LC für Low Contrast steht.

Das badassphotographers default Rezept

Eigentlich sollte ich das Rezept nicht so nennen, da es in unzähligen Quellen genannt wird. Leider hat dem Ding niemand einen Namen gegeben. Wir haben uns für unsere Experimente für Coffenol-C entschieden. Das war mehr Zufall als geplant, da wir noch einen Rest Ascorbinsäure im Haus hatten (was man so alles findet). Hier das Rezept für den Entwickler und die Liste der anderen Benötigten Chemikalien.

  • 220ml Wasser (für die 2-er Dose einer JOBO Rollenentwicklermaschine. Für Handentwicklung benötigt man vermutlich mehr, dann müsst ihr natürlich auch die anderen Mengen umrechnen.)
  • 4tl Instant Kaffee, nicht entkoffeiniert. Möglichst billiger – je mehr Kaffee-Säure desto besser
  • 2,5tl Waschsoda (Das gibt es auch Flüssig. Wir hatten nur mit Pulver Erfolg. Waschsoda erhält man in der Drogerie in 500g Packungen für ca. 1-2 Euro.)
  • 1gr Ascorbinsäure
Anmischen des Entwicklers

Anmischen des Entwicklers

Das Rezept lässt sich am leichtesten anrühren, wenn man drei kleine Behälter nimmt und dort jeweils etwas destilliertes Wasser mit dem jeweiligen Pulver mischt. So kann man sicherstellen, dass sich das Zeug auch ordentlich aufgelöst hat. Bleiben Festteile übrig, könnten sich diese auf dem Film absetzen. Diese Stellen würden dann vielleicht nicht oder nicht richtig entwickelt. Nachdem die drei Flüssigkeiten vorbereitet sind, schüttet man sie zusammen und rührt noch ein paar mal um. Durch den Kaffee bildet sich eine Art Schaum. Es macht Sinn das Gebräu ein paar Minuten stehen zu lassen bis sich der Schaum gesetzt hat. Sobald man Soda und Kaffee zusammen bringt stinkt das Zeug übrigens ganz erbärmlich.

Der badassphotographers Entwicklungsprozess

Wir haben mittlerweile einige Filme nach diesem Vorgehen entwickelt. Das Rezept blieb dabei immer gleich, allerdings haben wir mit den Entwicklungszeiten experimentiert um einen guten Startwert für eine Standardentwicklung zu finden. Hier die Übersicht. Zuerst einmal wird der Film im Wechselsack aus der Dose genommen und in die Spirale gespult. Die Spiralen kommen dann in die Entwicklugnsdose.

  1. Entwickeln: Dauer: 13 Minuten bei 21°C. (Der Entwickler hatte bei unseren Experimenten meist 21°C, manchmal auch 20°C.)
  2. Stoppen: Medium: Destilliertes Wasser, Dauer: 1 Minute, Durchgänge: 2. (Bei Coffenol wird eigentlich nicht gestoppt, sondern nur zwischengewässert. Daher auch kein Stoppbad sondern nur Wasser. Nach einer Minute mit Wasser auf der Rollenmaschine haben wir das Wasser einfach gewechselt und noch eine Runde gedreht.)
  3. Fixieren: Fixierer: Rollei RXA, Dauer: 3 Minuten (Hier wird handelsüblicher Fixierer für den jeweiligen Film genutzt.)
  4. Wetting Agent: Dauer 5 Minuten (Dieser Schritt muss nicht durchgeführt werden. Wetting Agent sorgt dafür, dass Filme z.B. zum scannen schön plan liegen und sich nicht so stark wölben.)

Das war es aber nun endgültig. Jetzt haben wir den Film im Bad aus der Dose genommen, noch eine Weile unter fließendem Wasser duchgespült und dann auf der Wäscheleine zum trocknen aufgehängt. Auf den ersten Blick sahen die Negative sehr schön aus. Kräftig, ohne Grauschleier, aber mit erkennbaren Gradiationen – tolles Gefühl.

Entwickeln mit Coffenol (rechts oben: Filmreste, links unten: Entwicklungsmaschine, links oben, Auswaschen des Films)

Entwickeln mit Coffenol (rechts oben: Filmreste, links unten: Entwicklungsmaschine, links oben, Auswaschen des Films)

Ergebnisse

Unser erster Versuch fand mit einem AGFA APX 100 statt, den wir 20 Minuten entwickelt haben. Hier war praktisch nichts mehr übrig. Vielleicht war der Film zu lange entwickelt. Später hatten wir einen anderen 100er Film 17 Minuten lang entwickelt. Dieser sah eigentlich so aus wie man sich das vorstellt. Den ersten Rollei Retro 80s entwickelten wir dann – immer auf der Suche nach der perfekten Zeit – nur noch 16 Minuten. Auch diese Ergebnisse sahen gut aus. Mittlerweile sind wir für Rollei Retro 80s und 100 bei 13 Minuten angelangt. Die Negative sehen dabei normalerweise für mein laienhaftes Auge gut aus und die Bilder werden ganz ordentlich. In letzter Zeit haben wir noch weitere Filme ausprobiert. Einerseits waren dass der Ilford Delta 100 (12 Minuten – der 400er ist auf coffenol.org mit 9 Minuten angegeben, aber das hatten wir uns nicht getraut). Später kamen dann noch Ilford FP4 und HP5 dazu, die wir auch alle 12 oder 13 Minuten entwickelt haben.

Mein Ziel war es, die Bilder grundsätzlich mit einem Scanner zu digitalisieren. Dabei sind uns noch ein paar Dinge aufgefallen. Auf dem Minolta Dimage Scanner von Farnsy hatten die Bilder einen unglaublich hohen Kontrast. Einige Bilder sahen damit toll aus, andere waren definitiv kaputt. Erst später habe ich einen Filmstreifen auf einem Epson gescannt und der Kontrast war deutlich neutraler. Der Tonwertumfang war diesmal auch scheinbar größer. Hier ein paar der Ergebnisse:

Grabstein; Rollei Retro 80s, Minolta Scanner

Grabstein; Rollei Retro 80s, Minolta Scanner

Fake Cannon; Rollei Retro 80s; Epson Scanner

Fake Cannon; Rollei Retro 80s; Epson Scanner

AGFA Billy, Rolleo Retro 80s, Epson Scanner

AGFA Billy, Rollei Retro 80s, Epson Scanner

Ruine, Rollei Retro 100, Epson Scanner

Ruine, Rollei Retro 100, Epson Scanner

Erfahrungen und Gerüchte

Heute habe ich um mehrere Ecken wieder etwas neues über Coffenol erfahren. Angeblich soll sich die Mischung aus Kaffee (enthält Kaffee-Säure) und Soda (eine Lauge) nach einer Weile selbst regulieren. Nach meinem Verständnis bedeutet dies, dass der Entwickler irgendwann einfach nicht mehr weiter entwickelt. Es kommt also vielleicht nicht so sehr auf die angewendeten Zeiten an (12 – 16 Minuten mit praktisch gleichen Ergebnissen fand ich schon erstaunlich), sondern auf das Mischungsverhältnis und Konzentrationsstärke der Mixtur. Falls uns in der Zukunft langweillig mit unseren Coffenol Bildern wird, experimentieren wir damit bestimmt etwas…

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Mit Polfiltern kann man nicht nur schönere Landschaftsaufnahmen machen, sondern auch Spektralfarben sichtbar. Dazu wird (klarer) Kunststoff mit polarisiertem Licht durchleuchtet, und dann von der anderen Seite mit einem Polfilter fotografiert. Spannungsverläufe werden dabei als Farbmuster sichtbar (Stichwort: Spannungsoptik). Was in der Werkstoffkunde zur Analyse von Kunststoff-Werkstücken eingesetzt wird, kann man auch für die kreative Fotografie ausnutzen.

Im Web habe ich dazu mal eine Anleitung gefunden, die bei mir ganz gut funktioniert hat. Eigentlich braucht man (abgesehen von einer Kamera, Lichtquelle und einem geeigneten Kunststoff) nur zwei Polfilter. Bei der Aufnahme unten wurde gemäß der Webquelle zudem Seifenlauge in eine Kunststoffschale gefüllt, um ein Motiv für ein Foto zu haben.

Bubbles

Konkret wurde auf einer Glühlampe ein Polfilter platziert, um das Licht zu polarisieren. Auf dem Polfilter wurde dann eine Kunststoffschale (in diesem Fall die Hülle des Polfilters) platziert, die mit Seifenlauge gefüllt war. Die Seifenblasen auf der Oberfläche wurden dann mit einem Makroobjektiv (durch einen 2. Polfilter) fotografiert. Als Sockel für den Filter fungierte übrigens mein guter alter Suppenschüssel-Blitzdiffusor, der sich dafür als sehr praktisch erwies.

DSC_7711.JPG

Durch Drehen des Polfilters ergeben sich verschiedene Farbmuster. Man kann natürlich auch mit verschiedenen Kunststoffen und Lichtquellen, sowie mit den Seifenblasen spielen. Übrigens funktionierte das Experiment bei mir nicht mit allen Kunststoffen, die ich ausprobiert habe; ein wenig Herumexperimentieren kann also nicht schaden. 🙂

Kamera: D80, mit Tamron 90mm/2.8.

Beim Cross-Entwickeln wird z.B. ein Diafilm mit dem C41 Prozess für Farbfotos entwickelt (oder umgekehrt). Dabei kommt es u.a. zu Farbveränderungen die ein interessantes kreatives Element für die Fotografie darstellen – jedenfalls wenn man unvorhersehbare Effekte mag.

Bisher scheiterte ein Versuch immer an meiner Sorge, dabei einen Film in den Sand zu setzen, aber letztes Wochenende war es dann doch so weit: ich habe mutig zwei Fuji Sensia 200 zum Fotohändler meines Vertrauens gebracht, und um eine Cross-Entwicklung gebeten.

Hier einige Ergebnisse. Alle Aufnahmen wurden mit einer Nikon FA gemacht, vom Negativ (bzw. Cross-Dia) digitalisiert und nur leicht bearbeitet (hauptsächlich Kontrastanpassung).

:2010-10-12 FujiSensia200-CP+1 NikonFA 1200-23.jpg

Dieses Foto habe ich absichtlich um eine Blende überbelichtet. Im Web hatte ich schon gesehen, dass Sensia 200 beim Cross-Entwickeln zum Grünstich neigt. Durch die Überbelichtung ist es dann eher hellgrün geworden (das Kreuz ist eigentlich grau).

2010-10-12 FujiSensia200-CP NikonFA 1200-108.jpg

Hier ein Foto mit „normaler“ Belichtung. Schön, dass das Rot trotzdem so kräftig geblieben ist (auf anderen Fotos wirkte es teilweise eher ausgeblichen). Auch hier war der Hintergrund des Graffitis eigentlich grau.

2010-10-12 FujiSensia200-CP NikonFA 1200-101.jpg

Bei diesem Foto wirkt der Effekt besonders spannend. Wirkt fast wie eine nachkolorierte, historische Postkarte, mit den verfälschten Farben und den harten Kontrasten. Himmelblau scheint mit Sensia 200 auch ganz gut zu funktionieren, auf einigen anderen Landschaftsaufnahmen war es schön gesättigt und wesentlich dunkler als auf diesem Beispiel.

Ich habe auch ein paar Fotos mit Kunstlicht versucht. Dabei wird Halogenlicht sehr gelb, was einen interessanten Effekt ergibt. Energiesparlampen werden ebenfalls grün.

Insgesamt ist der Effekt bei vielen Bildern nicht so stark, wie ich erwartet hatte; bei einigen Bildern ist er jedoch sehr deutlich. Gut gefallen hat mir der Effekt besonders bei Portraitfotos, die dadurch eine ganz eigentümliche Stimmung erhalten.

Unterm Strich eine spannende Sache, die ich sicher mal wieder versuchen werde (evt. dann mit einem anderen Film, da sich die Ergebnisse von Film zu Film stark unterscheiden können. Sensia 100 soll z.B. eher zu Rot tendieren).