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Bildbearbeitungsprogramme eröffnen Fotografen heute Möglichkeiten, von denen (zumindest Amateure) früher nur träumen konnten. Vor einigen Jahren bin ich beim Ausprobieren auf den Orton-Effekt gestoßen, der Fotos eine unwirkliche, feenhafte Atmosphäre verleiht. Da mir die Originaltechnik, die bereits  in vielen Tutorials im Netz beschrieben wurde, meist etwas übertrieben kitschig erschien, habe ich herumexperimentiert und die grundsätzliche Idee etwas modifiziert.

Der modifizierte Orton-Effekt eignet sich besonders für kontrastreiche Aufnahmen, bei denen das Motiv vor einem dunklen Hintergrund klar herausstechen soll. Durch die Bearbeitung werden die Kontraste zusäzlich verstärkt. Das Motiv wird so noch deutlicher hervorgehoben, und mit einer leichten, fast nicht wahrnehmbaren „Aura“ versehen. Diese hebt den Kitschfaktor unauffällig, ohne ihn zu übertreiben.

Als Beispiel habe ich das Foto einer Seerose genommen, das im Botanischen Garten Bonn aufgenommen wurde.

Ausgangsbild

Für die Bearbeitung nutze ich die Ebeneneffekte in Photoshop aus. Über den Menüpunkt „Ebene -> Ebene Duplizieren“ wird eine neue, identische Ebene über das Hintergrundbild gelegt. Dann wird in der Ebenenpalette  für die neue Ebene der Modus „Weiches Licht“ festgelegt (s.u.).

Man kann gut mit den Verschiedenen Modi experimentieren, um das optimale Ergebnis zu erzielen. In diesem Fall habe ich mich für „Hartes Licht“ entschieden, weil so bei dem Foto die Kontraste noch besser hervortreten und die Blüte vor dem Hintergrund abheben.

Als nächster Schritt wird der Filter „Gaußscher Weichzeichner“ auf die neue Ebene angewendet über den Menüpunkt „Filter -> Weichzeichnungsfilter -> Gaußscher Weichzeichner“ (s.u.). Dadurch erhält das Motiv eine leichte Aura (dadurch dass die darübergelegte Ebene nun sehr unscharf ist).

Auch hier sollte wieder mit der Einstellung (dem Pixelradius) experimentiert werden. Das Ergebnis ist Abhängig vom Motiv, und von der Auflösung des Fotos. Man sieht sehr schön, wie sich die Einstellungen auswirken, wenn man einfach ein bisschen mit dem Regler spielt.

Zuletzt kann man noch die Deckkraft der neuen Ebene etwas reduzieren, wenn der Kontrast zu stark wirkt (mit dem Regler recht neben der Auswahl der Ebenen-Modi), und die Ebenen auf den Hintergrund reduzieren. Dann scharfzeichnen, evt. noch Kontrast anpassen, und voila:

Ergebnis

Man sieht den Unterschied recht gut, wenn man die beiden Fotos direkt nebeneinanderlegt.

Hier nochmal kurz der Ablauf:

1.) Ausgangsebene duplizieren
2.) Ebenenmodus auf „Weiches Licht“ o.ä. einstellen
3.) Neue Ebene weichzeichnen
4.) Evt. Ebenendeckkraft verringern (wenn der Kontrast zu stark wird)
5.) Auf Hintergrundebene reduzieren
6.) Scharfzeichnen (optional)

Viel Spass beim Ausprobieren! 🙂

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10 Comments

  1. das ist interessant,aber ich bin immer noch zu sehr puristin um solche moeglichkeiten ohne ganz besonderen grund anzuwenden,ich glaube immer noch das ein foto aus sich selbst herraus leben muss,so wie es gemacht wurde.
    Aber das ist ein sehr schwiriges thema…
    🙂

    • Hey, danke für den Kommentar! Ist natürlich so gesehen ein wenig geschummelt … wobei sich mir die Frage stellt, wie puristisch man mit den heutigen, mit Software vollgestopften Digitalkameras überhaupt noch fotografieren kann. Ist vermutlich Geschmackssache! 😉

  2. oh sind die schöööön! das bringt gleich einen tick frühling in das gruselige grau!

  3. auch wenn es niemand sagt ist in der analogfotrafie dauernt geschummelt worden,nachbelichten,abwedeln,ein anderes chemisches sueppchen,kontrasst hoch,weiches papier und und und…..
    die frage wann ein foto faelschung wird bleibt interessesant….danach duerfen wir alles,ganz puristisch 🙂
    bis dann regido

  4. Hallo ihr lieben Foristen!
    Richtig schön geschummelt ;-)!!
    Ich wünsche Euch Mut zum Weitermachen und sage: Fotokünstler dürfen das.
    Die wichtigste Regel in der Kunst ist: „Breche von Zeit zu Zeit mal die Regeln!“
    Nur wer vom ausgetretenen Pfad abweicht findet neue Pfade. Ich kenne die Orton-Methode übrigens bisher nur mit „Ebenen Multiplizieren“.
    Das wirkt dann ähnlich wie früher das Übereinanderlegen von 2 Dias. Ich denke, dass man mit „Weiches Licht“ und „Deckkraft 100%“ nur eine Ebene siehe (die obere). Muss ich unbedingt mal ausprobieren.
    Gut Licht und sauberen Chip!!
    HE

    • Hey, danke! 🙂 Ich persönlich hab auch kein Problem mit Bildbearbeitung. Wie snady heute schon treffend feststellte: die Kamera sieht eh immer anders als das Auge, also so what?

      Übrigens sieht man auch bei „Weiches Licht“ beide Ebenen, die werden nur nach einer anderen Logik übereinandergelegt.

      Viele Grüße
      A.

      • Habe gerade etwas passendes dazu gelesen: „Die naturgetreue Farbwiedergabe liegt sicherlich immer noch irgendwo zwischen den beiden Filmtypen [Kodachrome 64 und Fujichrome]. Bis heute gibt es keinen Film, der die Farben so wiedergibt, wie wir sie wahrnehmen. Fotografen müssen die Farbcharakteristik ihrer bevorzugten Filmmaterialien unter verschiedenen Lichtverhältnissen austesten“ – Martha Hill (Naturfotografie, 1989, Christian Verlag GmbH)

      • Oder denk mal an den ganzen Kram in dieser Ansel Adams Reportage … wahnsinn, was der alles angestellt hat, um seine berühmten Fotografien hinzubekommen… 😉 Muss den Link nochmal raussuchen und irgendwie mal hier posten …

  5. War die Anleitung eigentlich nachvollziehbar? Man könnte das vielleicht auch als Video reinstellen.

    • Gute Idee! Vielleicht können wir mal nen Screencast machen. Du hattest da doch mal so ne Software?


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