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Monthly Archives: Februar 2010

Ich frage mich schon seit einiger Zeit, warum sich Leute in alle Öffentlichkeit mit diesen lächerlich aussehenden (andere empfinden das vielleicht als ‚Profihaft‘) Streulichtblenden montiert umher wandern. Das ist schließlich eine Kamera und keine Muskete.

Auf der anderen Seite ist mir das physikalische Prinzip natürlich klar: Streulicht fällt ein und verändert das Bild zum schlechteren. Aber das heißt ja noch lange nicht, dass ich das auch im Resultat sehe. Oder? Schon seit einigen Wochen frage ich mich ob eine Streulichtblende Sinn macht und wie sie meine Fotos beeinflussen würde – wenn ich eine hätte.

Heute ergab sich dann eine Gelegenheit um das ganze einmal auszuprobieren. Nach gefühlten 3 Jahren Wolken, Nebel und Dunkelheit ließ sich tatsächlich die Sonne blicken. Also schnell die Kamera gezückt. Die Sonne stand so, dass Licht von einem Dachfenster von vorne Links und leicht von oben ins Bild viel. Ich halte mich nicht für einen besonders talentierten Fotografen oder jemanden mit einem guten Auge. Aber selbst mir war auf Anhieb klar, dass etwas nicht stimmt. Die Farben waren total ausgewaschen, fast wie ein grauer Schleier der auf dem Bild lag.

Drinnen, Licht von vorne links oben. Ohne Streulichtblende sind die Farben sehr verwaschen.

Also schnell mit der linken Hand die Sonnenblende simuliert indem ich sie wie einen halben Trichter vorne an das Objektiv ansetzte und damit einen halben Bogen über dem Objektiv erhielt. Im Sucher der Kamera wurde sofort klar, dass es eine ziemlich gute Idee war. Plötzlich kamen die Farben wieder und das Bild sah etwa so aus wie ich es mir Vorstellte.

Drinnen, Licht von vorne links oben. Mit der Linken Hand eine Streulichtblende simuliert.

Wie gut der Effekt einer gekauften Streulichtblende ist, kann ich immer noch nicht sagen, aber eins ist mir klar geworden: Je nach Lichtverhältnissen kann es vielleicht das Bild retten. Im Zweifelsfall werde ich bei Sonne jedenfalls öfters mal die Hand über das Objektiv halten… Vielleicht kann man auch durch gezieltes weg lassen interessante kreative Effekte erzeugen.

PS: Die Bilder sind leider etwas unterschiedlich fokussiert, es gibt schönere Motive auf unserem Planeten und ja, ich sollte meine Bude mal wieder aufräumen. Ich hoffe man kann dennoch erkennen was ich sagen möchte 😉

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Mittels Doppelbelichtungen ist es möglich verschiedene Motive in einem Bild zu vereinen. Heute passiert dies vermutlich eher mit Hilfe von Photoshop und eher selten direkt in der Kamera. An dieser Stelle hörte mein Verständnis dieser Technik bisher auf und damit war das Thema Doppelbelichtungen für mich erst einmal als uninteressant abgehakt.

Nach einem Hinweis in einem Buch zum Thema Belichtung (Peterson 1990) war klar: Es gibt auch Situationen die mit Photoshop nicht so einfach möglich sind. Beispielsweise erzeugen Lichter interessante Effekte (Zerstreuungskreise?), wenn sie nicht im Fokus sind. Die Idee ist nun dies auszunutzen. Es werden nicht zwei verschiedene Motive per Doppelbelichtung zusammengeschnitten. Statt dessen wird ein Motiv mehrfach abgelichtet ohne die Kamera zu bewegen. Dabei wird das Motiv einmal ordentlich fokussiert und beim zweiten Durchgang manuell so fokussiert, dass alles ordentlich verschwommen ist. Wurde die Kamera nicht bewegt überlagern sich die Bilder und es entsteht ein ätherischer Schein um die aufgenommenen Personen/Objekte.

Mehrfachbelichtung (1. Objekte im Fokus, 2. Fokus so verschoben, dass die Lichter ordentliche Zerstreuungskreise erzeugen)

Das Beispielbild wurde mit einer Nikon D80 aufgenommen, die eine Untertützung für Doppelbelichtungen bietet (irgendwo im Menü). Das Bild wurde nicht nachbearbeitet.

Peterson, B., 1990. Understanding Exposure: How to Shoot Great Photographs, Amphoto Books.

Eigentlich wollte ich ja noch ein paar analoge Vergleichsfotos zu den digitalen Pinhole-Aufnahmen aus dem letzten Artikel hochladen. Heute kam der Film aus der Entwicklung, aber irgendwie … naja, seht selbst:

Irgendwie alles ziemlich purpurn, nicht wahr? Das hat man davon, wenn man einfach den Superia 400 Film nimmt, der schon seit Jahren in der Kamera schlummert (die ersten Fotos dürften noch von 2006 oder so sein). Und den hatte ich davor schon ne Weile in der Schublade statt im Kühlschrank.

Egal, die Vergleichsfotos sind zwar nichts geworden, aber mit abgelaufenen Filmen experimentieren stand eh auf der Agenda.

Zuerst hab ich mich ganz schön gewundert, weil die Abzüge vom Labor nämlich relativ normal aussehen. Da hat das Labor bei der Ausbelichtung wohl automatisch die Farben korrigiert, denn auf meinen Scans ist alles purpurn (und ganz schön körnig). Das scheint beim Superia „normal“ zu sein, denn wenn man z.B. auf Flickr nach „superia expired“ sucht, dann findet man recht schnell viele schöne purpurne Aufnahmen. Erst dachte ich aber, mein Scanner würde spinnen.

Was mich noch wundert ist nur die starke Körnung, die mir im Vergleich zu älteren Aufnahmen mit dem Superia 400 relativ stark vorkommt. Vielleicht tritt die Körnung durch die verfälschten Farben etwas deutlicher hervor als normalerweise?

Tja, jedenfalls wirds hier wohl bald noch mehr in der Richtung zu sehen geben; wir haben nämlich bei eBay ne ganze Tüte voller abgelaufener Filme ersteigert… fast alles Farbdiafilme. Und die wollen demnächst alle durch die Kameras gejagt werden, sobald es draußen wieder etwas farbenfroher zugeht.

Schönes Wochende! 🙂

Nach einer längeren Pause habe ich mich mal wieder mit Lochkameras beschäftigt; immerhin rückt der PinholeDay immer näher, und Vorbereitung ist bekanntermaßen alles. Also hab ich wieder mal etwas gebastelt.

Um die ideale Größe des Lochs für meine Kamera zu ermitteln, habe ich mich des Tools PinholeDesigner bedient, das hier vor kurzem schon angesprochen wurde. Das Tool läuft übrigens praktischerweise hervorragend mit Wine unter Mac OS (und vermutlich auch Linux).

Bei der Nikon D80 beträgt der Abstand vom Sensor bis zur Lochebene ziemlich genau 4,5 cm. Diesen Wert habe ich in das Tool eingegeben, was mir eine optimale Lochgröße von ca. 0,3 mm zurücklieferte. In der Idealen Kombination ergibt das eine Blende von f150.

Das Interface des PinholeDesigners.

Mangels eines geeigneten Bohrers habe ich wieder mit Alufolie und einer Nadel gearbeitet (ich sollte wirklich mal einen 0,3 mm Bohrer besorgen und auf Kupferblech umsteigen). Da meine dünnste Nadel mit ca. 0,5 mm immer noch viel zu dick ist für mein Gehäusedeckel-Objektiv, habe ich die Alufolie diesmal nur leicht mit der Spitze durchstoßen. Nachgemessen wurde wieder mit dem Scanner (1200 dpi) und Photoshop, was eine optimale Lochgröße von ca. 0,03 cm ergab. Yay!

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Bildbearbeitungsprogramme eröffnen Fotografen heute Möglichkeiten, von denen (zumindest Amateure) früher nur träumen konnten. Vor einigen Jahren bin ich beim Ausprobieren auf den Orton-Effekt gestoßen, der Fotos eine unwirkliche, feenhafte Atmosphäre verleiht. Da mir die Originaltechnik, die bereits  in vielen Tutorials im Netz beschrieben wurde, meist etwas übertrieben kitschig erschien, habe ich herumexperimentiert und die grundsätzliche Idee etwas modifiziert.

Der modifizierte Orton-Effekt eignet sich besonders für kontrastreiche Aufnahmen, bei denen das Motiv vor einem dunklen Hintergrund klar herausstechen soll. Durch die Bearbeitung werden die Kontraste zusäzlich verstärkt. Das Motiv wird so noch deutlicher hervorgehoben, und mit einer leichten, fast nicht wahrnehmbaren „Aura“ versehen. Diese hebt den Kitschfaktor unauffällig, ohne ihn zu übertreiben.

Als Beispiel habe ich das Foto einer Seerose genommen, das im Botanischen Garten Bonn aufgenommen wurde.

Ausgangsbild

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Heute war mein erster Film aus der Zeiss-Box Tengor abholbereit. Die Box-Kamera von Zeiss Ikon mit der Modelnummer 54/2 stammt vermutlich von ca. 1937 und gehörte damals zu den anspruchsvolleren Modellen. Sie verfügt über ein achromatisches „Goertz-Frontar“ Objektiv mit Lichtstärke 11, was für damalige Verhältnisse ziemlich edel war, und zwei Brilliantsucher für Hoch- und Querformat. Man kann drei verschiedene Lochblenden auswählen (11, 16, 22), und Nahlinsen für die Bereiche 1-2m sowie 2-8m vorschalten (jeweils einstellbar mit Hebeln an der Frontseite). Die Verschlusszeit beträgt ca. 1/25 Sekunde (weshalb Box-Aufnahmen häufig verwackelt sind), oder „Bulb“ für Langzeitbelichtungen und Blitzaufnahmen. Der Auslöser ist arretierbar, und es gibt einen Drahtauslöseranschluss. Die Box mag Rollfilme im Standardformat 120; weitergespult wird mit einem einfachen Drehknopf, wobei ein rotes, verschließbares Sichtfenster am hinteren Teil der Kamera die Fotonummer anzeigt.

In meinem Fall handelte es sich um einen T-Max 100 Rollfilm (schwarz-weiss), der mit dem „normalen“ Farbnegativ-Laborprozess C41 entwickelt wurde. Die 6×9 Negative habe ich mit 1200 DPI eingescannt und nur etwas mit Picasa nachbearbeitet (Kontrastkorrektur, Entfernung von Staub und Kratzern, etc.).

Hier meine Favoriten:

Mein erstes Box-Foto überhaupt. "Stilsicher" leicht verwackelt, mit "Standard"-Verschlusszeit ca. 1/25 mit Blende 16 aus dem Fenster aufgenommen.

Marienstatute, ebenfalls mit 1/25 aus der Hand aufgenommen mit Naheinstellung und Blende 16.

Stilleben auf dem Dachboden. Aufgenommen mit Stativ und Drahtauslöser bei gestoppten 8 Sekunden Belichtungszeit und Blende 11.

Beeindruckend, was mit einem ca. 70 Jahre alten Blechkasten möglich ist. 🙂