Eigentlich braucht man keine teuren Objektive, um Fotos zu machen; ein einfaches, sauberes Loch in der richtigen Größe und im richtigen Abstand zum Film/Sensor montiert reicht aus. Lochkamera-Fotografie bringt zwar gewisse Einschränkungen mit sich, von denen sich ein richtiger “Badass”-Fotograf aber nicht abschrecken lassen sollte. Im Gegenteil: das Basteln und Experimentieren macht Spass! Und wenn die Resultate von der Qualität auch nicht an gewohnte Standards herankommen mag, kann man ja aus der Not eine Tugend machen und in den beschränkteren Möglichkeiten neue Herausforderungen für das eigene Können und die eigene Kreativität sehen. Dass man auch mit einfachen Mitteln gute Fotos machen kann, steht jedenfalls außer Zweifel, wie viele Quellen im Netz beweisen (siehe z.B. die Galerien auf http://www.pinholeday.org/).
Dieser Artikel soll sich jedoch nicht mit den kreativen Möglichkeiten beschäftigen, sondern in erster Linie mit den technischen Vorraussetzungen für die Lochkamera-Fotografie. Anleitungen und Tutorials finden sich bereits zahlreich im Netz; wir möchten hier daher nicht so sehr auf die Grundlagen eingehen, sondern eher ganz praktisch von unseren eigenen Erfahrungen mit (digitalen) Lochkameras berichten.
Das Loch
Die schwierigste Herausforderung beim Bau von Lochkameras ist das Fertigen eines anständigen Lochs. Die Größe des benötigten Lochs ist vom Abstand zum Film/Sensor abhängig (also entsprechend der Brennweite) und kann mittels frei im Web verfügbarer Tools einfach bestimmt werden, z.B. mit PinholeDesigner. Das Loch sollte dabei nicht nur den richtigen Durchmesser aufweisen, sondern auch genau kreisförmig und frei von Graten sein. Das ist schwieriger zu bewerkstelligen, als es sich zunächst anhört, schwanken die idealen Lochgrößen doch im Bereich zwischen 0,3 und 0,7 mm. Bohrer in dieser Größe sind im Handel erhältlich; für erste Gehversuche reicht aber auch eine dünne Nadel aus.
Um den Durchmesser von Nadeln zu ermitteln gibt es einen Trick: man legt diese auf einen Scanner, und scannt sie ein (ca. 300 DPI reichen). Dann kann man das resultierende Bild mit einem Bildbearbeitungsprogramm öffnen und in vergrößerter Darstellung ausmessen. Photoshop stellt dazu z.B. unter dem Menüpunkt “Analyse” ein Linealwerkzeug zur Verfügung, mit dem die Dicke der Nadeln ermittelt werden kann. Mit dem gleichen Trick kann man auch die Größe und Beschaffenheit von Löchern ermitteln.
Wie man schon ohne Vergrößerung sieht, ist das hier dargestellte Loch nicht besonders gut, da es leicht eingedellt ist. Außerdem weist es innen einen (hier nicht sichtbaren) Grat auf. Mehr lesen »


